Zuccotti-Park. Artikel schreiben

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Occupy jenseits von Occupy (2)

1. Oktober 2012 in Blog - alle Themen

In zweiten Teil seines Interviews befrägt der spanische Journalist Amador Fernández-Savater die vier Occupy-Aktivisten der ersten Stunde über die Wahrnehmung der Krise in den USA, warum so wenig Farbige und Migranten bei der Occupy-Bewegung mitmachen und inwieweit Occupy den amerikanischen Politbetrieb verändert hat.

Erklärt mir noch etwas genauer, wie die Krise in den USA erlebt wird! Wo und in welcher Art hinterlassen die Suprime-, die Finanzkrise und der Sturz von Lehman Brothers ihre Spuren?

Vicente: Die offizielle Version aus Politik und Medien geht so: Es gab eine sehr begrenzte Krise einiger Finanzinstitute. Und das ist es schon. Die Rettung der Banken hat das Problem behoben. Nun gibt es eine Krise in der Eurozone. Aber diese hat nur wenig mit der Krise in den USA zu tun. Auch gibt es keine Verbindung zwischen der Finanzkrise und den Schuldenproblemen von Millionen von Amerikanern. Ja, es gibt eine Krise, eine strukturelle Krise. Doch diese ist verborgen.

Susana: Ein Freund, der auf dem Bau arbeitet, erzählte uns letzthin, dass es in dieser Branche wieder mehr Arbeit gäbe. Es gibt Wirtschaftszahlen, welche die Empfindung, es gehe wirtschaftlich wieder aufwärts, untermauern. Daneben gibt es die weitverbreitete, wilde Verschuldung, die auf irgend eine Weise zur Explosion führen muss. Aber es gibt nicht dieselbe Krisenstimmung wie in Spanien. Die Krise dominiert die Gespräche im Alltag nicht.

Luis: Die Unterschiede lassen sich durch verschiedene Faktoren erklären: Einerseits wird hier der Wohlfahrtsstaat nicht demontiert – weil er schon demontiert ist. Das Gesundheitswesen ist seit Jahren eine völlige Katastrophe. Es gibt zehntausende Personen, die wegen ihrer Arztschulden (medical bills) überschuldet oder gar bankrott sind. Deshalb nimmt man das hier nicht so wahr wie in Spanien, wo man einen beispielslosen Angriff auf das Öffentliche erlebt. Anderseits haben die Vereinigten Staaten die Geldmaschine. Deshalb erleiden sie die neoliberalen Verwerfungen nicht in derselben Intensität, obschon sie sich in den letzten Jahren mit ihrer Blasenökonomie auch verwettet haben. Die Vereinigten Staaten werden unter der Krise niemals so leiden wie die anderen Staaten, solange ihr Geld das Geld ist – das einzige Geld, dem die Legitimität nicht entzogen werden kann. Die Spekulanten greifen den spanischen Staat an. Doch dies kann den Vereinigten Staaten nicht passieren.

Begoña: Der Mittelstand erhält nicht dieselbe Ohrfeige wie in Spanien. Sein Lebensstandard sinkt zwar auch, aber Schritt für Schritt. Die Brüche konzentrierten sich auf einzelne, konkrete Sektoren und begrenzte Gruppen, die allerdings um die 50 Millionen Personen umfassen. Es sind die Gruppen, die seit eh und je in der Krise leben. Weiterlesen →

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Occupy jenseits von Occupy (1)

23. September 2012 in Blog - alle Themen

«Occupy ist am Verblassen, und man hat nichts erreicht.» So tönt es aus den Medien zum ersten Jahrestag der Protestbewegung in den USA. Doch ist das so? Oder gibt es bereits eine Bewegung jenseits von Occupy? Diesen Fragen geht der spanische Journalist Amador Fernández-Savater in seinem Interview mit Occupy-Aktivisten in New York nach.

Begoña, Luis, Susana und Vicente, drei SpanierInnen und eine Uruguayerin, leben schon seit einigen Jahren in New York. Mit kaum politischer Erfahrung im Rucksack, jedoch sehr ergriffen von der Bewegung 15-M in Spanien, schlossen sie sich der Gruppe an, welche den Aufruf zur Besetzung der Wall Street am 17. September 2011 in der Zeitschrift Adbusters lancierte. Auch nahmen sie aktiv an der dadurch ausgelösten Bewegung Occupy Wall Street teil.

Unzufrieden mit der zunehmend aktivistischen Dynamik der Bewegung, gründeten sie Making Worlds, einen Raum, von dem aus Occupy auf andere Art bewohnt werden kann: verbunden mit einer anderen Ästhetik, mit anderen Fragen und Rhythmen, verbunden auch mit der inspirierenden Idee der Commons (Gemeingüter) als zentraler Achse des Dialogs und des Forschens jenseits der Gegensätze öffentlich – privat sowie Staat – Markt.

Begoña Santa-Cecilia wurde in Madrid geboren und lebt seit 17 Jahren in New York. Sie ist Künstlerin und Kunstprofessorin an der Harlem School of the Arts und am Metropolitan-Museum. Luis Moreno-Caballud wurde in Fraga (Huesca) geboren und lebt seit 2003 in New York. Er gibt in Philadelphia an der University of Pennsylvania Vorlesungen zu zeitgenössischer spanischer Literatur und Kultur. Susana Draper wurde in Uruguay geboren, kam vor fünf Jahren nach New York und ist Professorin für lateinamerikanische Literatur an der University of Princeton. Vicente Rubio wuchs in Zaragoza auf und lebt nun seit sechs Jahren in New York, wo er an der University SUNY Stony Brook eine Doktorarbeit über zeitgenössische spanische Kultur und Weltanschauung schreibt.

Welche Eindrücke hinterliess bei euch der erste Jahrestag von Occupy?

Luis: Die Empfindungen sind unterschiedlich und widersprüchlich, da es ganz verschiedene Momente gab. Der Geburtstag fand an drei Tagen statt. Am Samstag education: Weiterbildung, Gespräche und Debatten. Am Sonntag celebration: Versammlung in einem Park und Fest. Und am Montag resistance: Rückkehr zum Zuccoti Park und Blockadeaktionen im Gebiet der Wall Street.

Vicente: Die Vorstellung des Geburtstags ist im Grunde genommen eher ärmlich: Die Logik steht im Zusammenhang mit einem Ereignis und nicht mit einem Prozess. Wie wenn in drei Tagen das stattfinden könnte, was in einem Jahr nicht passiert ist. Ich weiss nicht … Ich war nur am Samstag am Washington Square. Aber es geschah nicht sehr viel. Es war etwas sehr Internes, mit bereits ritualisierten Formen des Zusammenseins: die Informationsstände, die Versammlungen usw. Es gab überhaupt nichts Elektrisierendes in der Luft. Weiterlesen →

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Proteste: Der globale Wunsch nach Wandel

5. Juni 2012 in Blog - alle Themen

Was ist das Gemeinsame der aktuellen weltweiten Protestbewegungen? Und weshalb beginnen sie immer deutlicher zusammenzuklingen – wie eine Art globale Musik? In seinem Vortrag zeigt Stéphane M. Grueso – Dokumentarfilmer und Aktivist der Protestbewegung 15-M in Spanien – die Gemeinsamkeiten der aktuellen Protestbewegungen auf und verdeutlicht, was für Chancen sich daraus ergeben.

Im Jahr 2011 erlebten wir weltweit eine ganze Reihe von Protestbewegungen in Ländern unterschiedlichster politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse. Es begann in Nordafrika – Tunesien und Ägypten –, setzte sich fort in Griechenland und Spanien sowie später mit den Occupy-Bewegungen in den Vereinigten Staaten.

Gerne würde ich euch meine Theorie dazu darlegen: In diesem letzten Jahr hat sich ein neuer Prototyp des Protestes entwickelt. Wir sind daran, neue Formen des Protestes zu erlernen.

Um diese meine Idee deutlich zu machen, werde ich mich auf die Bewegungen konzentrieren, die in folgenden drei Ländern entstanden sind:

– Die Revolution in Ägypten vom Januar 2011,
– die sogenannte Bewegung 15-M vom Mai,
– die Bewegung Occupy Wall Street, die im September in den USA entstand.

Die Bewegung 15-M habe ich selbst aus aller Nähe miterlebt, habe ich doch in Madrid aktiv daran teilgenommen. Über die beiden anderen Länder habe ich viel gelesen und so die Bewegungen aufmerksam mitverfolgt.

Ich werde eine Reihe gemeinsamer Aspekte der Revolten in diesen drei Ländern aufzeigen und dazu auch Beispiele anfügen. Ich werde sprechen

– vom Platz, dem Ort, wo die Revolten stattgefunden haben,
– von der Inklusivität, der Horizontalität und der Gewaltlosigkeit als wesentliche Merkmale der Bewegungen,
– vom Gebrauch der Kommunikations- und Informationstechnologien als Katalysatoren der Proteste,
– vom Copyleft, der Art und Weise wie wir unsere Erfahrungen teilen. Weiterlesen →