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von Walter

Occupy jenseits von Occupy (1)

23. September 2012 in Blog - alle Themen

«Occupy ist am Verblassen, und man hat nichts erreicht.» So tönt es aus den Medien zum ersten Jahrestag der Protestbewegung in den USA. Doch ist das so? Oder gibt es bereits eine Bewegung jenseits von Occupy? Diesen Fragen geht der spanische Journalist Amador Fernández-Savater in seinem Interview mit Occupy-Aktivisten in New York nach.

Begoña, Luis, Susana und Vicente, drei SpanierInnen und eine Uruguayerin, leben schon seit einigen Jahren in New York. Mit kaum politischer Erfahrung im Rucksack, jedoch sehr ergriffen von der Bewegung 15-M in Spanien, schlossen sie sich der Gruppe an, welche den Aufruf zur Besetzung der Wall Street am 17. September 2011 in der Zeitschrift Adbusters lancierte. Auch nahmen sie aktiv an der dadurch ausgelösten Bewegung Occupy Wall Street teil.

Unzufrieden mit der zunehmend aktivistischen Dynamik der Bewegung, gründeten sie Making Worlds, einen Raum, von dem aus Occupy auf andere Art bewohnt werden kann: verbunden mit einer anderen Ästhetik, mit anderen Fragen und Rhythmen, verbunden auch mit der inspirierenden Idee der Commons (Gemeingüter) als zentraler Achse des Dialogs und des Forschens jenseits der Gegensätze öffentlich – privat sowie Staat – Markt.

Begoña Santa-Cecilia wurde in Madrid geboren und lebt seit 17 Jahren in New York. Sie ist Künstlerin und Kunstprofessorin an der Harlem School of the Arts und am Metropolitan-Museum. Luis Moreno-Caballud wurde in Fraga (Huesca) geboren und lebt seit 2003 in New York. Er gibt in Philadelphia an der University of Pennsylvania Vorlesungen zu zeitgenössischer spanischer Literatur und Kultur. Susana Draper wurde in Uruguay geboren, kam vor fünf Jahren nach New York und ist Professorin für lateinamerikanische Literatur an der University of Princeton. Vicente Rubio wuchs in Zaragoza auf und lebt nun seit sechs Jahren in New York, wo er an der University SUNY Stony Brook eine Doktorarbeit über zeitgenössische spanische Kultur und Weltanschauung schreibt.

Welche Eindrücke hinterliess bei euch der erste Jahrestag von Occupy?

Luis: Die Empfindungen sind unterschiedlich und widersprüchlich, da es ganz verschiedene Momente gab. Der Geburtstag fand an drei Tagen statt. Am Samstag education: Weiterbildung, Gespräche und Debatten. Am Sonntag celebration: Versammlung in einem Park und Fest. Und am Montag resistance: Rückkehr zum Zuccoti Park und Blockadeaktionen im Gebiet der Wall Street.

Vicente: Die Vorstellung des Geburtstags ist im Grunde genommen eher ärmlich: Die Logik steht im Zusammenhang mit einem Ereignis und nicht mit einem Prozess. Wie wenn in drei Tagen das stattfinden könnte, was in einem Jahr nicht passiert ist. Ich weiss nicht … Ich war nur am Samstag am Washington Square. Aber es geschah nicht sehr viel. Es war etwas sehr Internes, mit bereits ritualisierten Formen des Zusammenseins: die Informationsstände, die Versammlungen usw. Es gab überhaupt nichts Elektrisierendes in der Luft. Weiterlesen →