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Gewaltloser Widerstand in Palästina und Aussöhnung mit Israel – Ein Interview

28. Dezember 2012 in Blog - alle Themen

Der palästinensische Aktivist Ali Abu Awwad hat trotz äusserst schmerzlicher Erfahrungen in seiner Heimat zu einer überzeugenden Gewaltlosigkeit gefunden, die nichts mit Duckmäusertum zu tun hat. Wie es dazu kam und was für Chancen der gewaltlose Widerstand – aber auch die Aussöhnung – in der Region haben, erzählt er dem spanischen Journalisten Amador Fernández-Savater in einem Interview. Übersetzung: Walter B.

Ali Abu Awwad, fotografiert in Nabi Saleh am 21. September 2012, dem Weltfriedenstag und zugleich palästinensischer «Tag des sozialen Widerstands»

 

Ali, erzähle uns kurz deine Geschichte!

Ich heisse Ali Abu Awwad und komme aus einer Familie, die 1948 fliehen musste. Meine Familie ist sehr politisch. Meine Mutter war viele Jahre im Gefängnis. Ich trat bald in ihre Fussstapfen und schloss mich wie sie dem Widerstand gegen die israelische Besatzung an. Während der ersten Intifada wurde ich verhaftet und verbrachte anschliessend vier Jahre im Gefängnis. Im Jahr 2000 verletzte mich ein israelischer Siedler schwer. Währendem ich deshalb in Saudiarabien medizinisch behandelt wurde, erfuhr ich vom Tod meines Bruders Yousef, der an einem Kontrollposten festgenommen und von einem israelischen Soldaten aus nächster Nähe erschossen wurde.

Das Schlimmste in meinem Land ist, dass sich der erlittene Schmerz nicht im Morden erschöpft, sondern in tausend Details des Alltags unter israelischer Besatzung allgegenwärtig ist. Oft lassen dir Schmerz und Hoffnungslosigkeit keine Wahl. Doch letztlich kann ich sagen, dass, wer meinen Bruder getötet hat, mir nicht meine Menschlichkeit nehmen noch die Kontrolle über meinen Verstand erlangen konnte. Meine Mutter trat als erste unserer Familie dem Familienforum bei. Ich folgte ihr bald. Das Familienforum (The Parent Cyrcle) ist ein Zusammenschluss von über sechshundert israelischen und palästinensischen Familien, die den Schmerz über den gewaltsamen Verlust eines Angehörigen in Aktionen für Frieden und Aussöhnung ummünzen. Gegenwärtig bin ich für die Projekte der Organisation zuständig. Nach einem sehr langen und harten Prozess komme ich heute zum Schluss, dass der Dialog der einzige Weg ist, um zu Wahrheit und Frieden zu gelangen – aber nicht irgendein Dialog.

Was willst du damit sagen?

Seit acht oder neun Jahren lebe ich aus meinem Reisekoffer. Ich bin an sehr vielen Orten dieser Welt gewesen, habe Politiker vor den Vereinten Nationen oder im britischen Oberhaus von Frieden und Dialog reden gehört. Sie haben leicht reden. Im Gegensatz dazu beginnt für mich Dialog dort, wo ich auf einem deutlich weniger bequemen Stuhl Platz nehme und von diesem aus die Welt betrachte. Es geht darum, darauf sitzen zu bleiben und auszuprobieren, was der andere ausprobiert – nicht um mit ihm Mitleid zu haben, sondern einfach um zu verstehen, was der andere braucht, um zu leben, was es braucht, um aufzuwachsen, um zu denken und sich wie ein Mensch zu verhalten. Weiterlesen →

Friedensnobelpreisträger fordern Militärgüter-Boykott gegen Israel

30. November 2012 in Blog - alle Themen

We are united in peace and solidarity

30. November 2012 in Blog - alle Themen

Many activists from all over the world played a crucial role in the last days, weeks, months and years. And we all can celebrate today. Welcome Palestine! The terror and hate of criminal minds – on both sides – will end soon. The people of the world voted for human rights, for peace and justice. Many thanks to #anonymous for their #opisrael – a hackers counterstrike to stop the military invasion of the IDF. Many thanks to all nonviolent actions and patience of peaceworkers. Many thanks also to all Israelians and Palestininas that are ready for peace.

We are united in peace and solidarity.

Berlin Loves Israel Iran Palestine

26. November 2012 in Blog - alle Themen

http://www.berlin-gegen-krieg.de/ex/friedensbuendnis-berlin/berlin-loves-2012.11.25/album/index.html

“Berlin Loves Israel Iran Palestine” @ Brandenburger Tor

23. November 2012 in Blog - alle Themen

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Lesenswertes zu Nahost und Facebook

22. November 2012 in Blog - alle Themen

Zwei Artikel sind mir in den vergangenen Tagen besonders positiv aufgefallen, die ich hier gerne zum Lesen empfehlen will:

Der Freitag mit einem sehr lesenswerten Beitrag der noch einmal das Konfliktgeschehen in Nahost Revue passieren lässt und auch einen Ausblick gibt, wie langfristiger Frieden in der Region möglich ist.

Die Mutter aller Entscheidungen

“Die Hamas hat mehrfach erklärt, sie würde ein durch die PLO geschlossenes Friedensabkommen mit Israel respektieren, das einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 vorsieht. Kommt es dazu nicht, wird das Blutvergießen von dieser in die nächste Runde gehen.”

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Facebook nervt – Liked mich doch am Arsch!

Die Botschaft, dass die Zeiten von facebook vorbei sind, ist nun auch in der taz angekommen. taz.de-Chef vom Dienst Maik Söhler hätte sich schon längst abgemeldet, wäre da nicht seine Mutter…

“Als „total befreiend“ bezeichnet Julia Seeliger, taz-Kolumnistin und Bloggerin, die facebookfreie Welt. Auch sie hat das Netzwerk neulich aus freien Stücken verlassen. „Ich habe mich viele Stunden am Tag dort aufgehalten“, sagt sie, „und nur gespielt. Ich will aber nicht spielen, sondern leben!“ Facebook sei wie die Matrix, meint sie in Anspielung auf die gleichnamige Filmtrilogie.”

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Stoppt den israelischen Genozid in Gaza!

19. November 2012 in Blog - alle Themen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Israels Innenminister Eli Yishai:

“ZIEL IST ES GAZA INS MITTELALTER ZURÜCKZUBOMBEN”

http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/live-blog-idf-prepares-for-ground-invasion-as-gaza-offensive-enters-fourth-day-1.478505

Derweil verbreiten vereinzelte gehirngewaschene Propagandisten der rechtsradikalen israelischen Regierung weiter die Mär der “Selbstverteidigung”. Diese Fürsprecher von Krieg und Zerstörung sind eine krude Mischung aus neurechten Nazis a la pi-news und “die freiheit” sowie die Faschisten der sog. Antideutschen Fraktion, die sich selbst als “links” bezeichnen. Dazu noch mal die klare Position:

Antideutsche Faschisten raus aus der Linken und der Global Change/Occupy-Bewegung !

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Das Gemeinsame der spanischen und israelischen Protestbewegung

23. September 2011 in Blog - alle Themen

Trotz aller offensichtlichen Unterschiede bei den äusseren Bedingungen der spanischen und israelischen Protestbewegung gibt es auch einige Parallelen: bei den inneren Voraussetzungen, bei der Vorgehensweise und den Zielen. Es wird ein Muster sichtbar, das sich lohnt, genauer zu betrachten. Eine Spurensuche.

Zwar sehen nicht wenige Kommentatoren in den sozialen Protesten reine Verteilkämpfe um die verknappten finanziellen Ressourcen innerhalb der Gesellschaften – gleichsam «Hungerproteste» gegen den Sparwahnsinn der Regierungen. Trotzdem ist unübersehbar, dass es sowohl in Spanien wie in Israel – und man könnte weitere Länder im Aufruhr hinzunehmen – um wesentlich mehr geht: um mehr Teilhabe, weit über das rein Wirtschaftliche hinaus. Es ist wohl kaum vermessen, in beiden Ländern von demokratischen Erneuerungsbewegungen zu sprechen.

Besetzung des öffentlichen Raums
Das zeigt sich etwa an der dauerhaften Besetzung des öffentlichen Raums in Form von Protestcamps. Bis zu jenem Zeitpunkt war der öffentliche Raum hauptsächlich der kommerziellen Nutzung vorbehalten. Alles, was diesem einseitigen Nutzungskonzept nicht entspricht, etwa Bettler, «Randständige» und nichtkommerzielle Veranstaltungen, wird mehr und mehr aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Hauptsächlich die Innenstädte und zentralen Plätze werden «vom Gesinde gesäubert», damit die Einkäufe störungsfrei stattfinden können. Und nun das: Genau diese Orte wurden besetzt und zum Zentrum von festivalartigen Protestversammlungen, an denen in endlosen Diskussionen basisdemokratische Beschlüsse zum weiteren Vorgehen gefasst wurden. Erstaunlich auch die spontane Selbstorganisation in den Protestcamps – sowohl in Spanien wie in Israel: Es entstanden improvisierte Kindergärten und Schulen, ebenso selbstorganisierte Küchen. Dazu die junge Israelin Staff Shaffir in einem Interview mit n-tv: «Die Menschen haben mit ihren eigenen Händen eine neue Gesellschaft geschaffen. Das zu erleben, war für alle der Beginn neuer Hoffnung. Wir hatten sie schon verloren.»

Verschleierung der politischen Identität
Ebenso typisch für Spanien wie Israel: Es fehlen Führerfiguren – und vorgefertigte politische Konzepte. So sagt etwa der Journalist (und Teilnehmer an der spanischen Protestbewegung) Amador Fernández-Savater in einem Interview mit der argentinischen Zeitung «Página/12»: «Vielmehr spielen Leute ohne vorgängige politische Erfahrung eine Hauptrolle, Leute, die ihre Kraft nicht aus einem Programm oder einer Ideologie schöpfen, sondern aus persönlicher Betroffenheit und als Reaktion auf eigene Erfahrungen. Sie identifizieren sich weder mit der Linken noch mit der Rechten auf dem politischen Schachbrett, sondern entziehen sich diesem Muster, indem sie ein nicht-identitäres, offenes und einschliessendes Wir vorschlagen, in dem alle Platz haben.» Ganz ähnlich die Israelin Staff Shaffir: «Wir haben nicht über unsere Ängste diskutiert oder darüber, wie wir einer anderen Gruppe etwas wegnehmen können. Diesen Kreislauf haben wir durchbrochen und eine neue Sprache gefunden, die kein links und rechts, Ost und West oder Jude und Araber kennt. Es ging nur noch um den Menschen und seine Bedürfnisse zum Leben.»

Die Protestbewegungen in Spanien wie in Israel entziehen sich ganz bewusst der politischen Festschreibung – jedenfalls jener entlang der herkömmlichen Kategorien. Sie verfolgen diesbezüglich geradezu eine Taktik der Verschleierung, damit sie nicht wie willenslose Figuren auf dem Schachbrett der herkömmlichen Politik herumgeschoben werden. Dazu Amador Fernández-Savater: «Es gibt keine Antwort auf die (polizeiliche) Frage nach der Identität. Wer sind sie? Was wollen sie? Wir sind in einem Streik der Identität: Wir sind, was wir tun. Wir wollen, was wir sind.»

Ablehnung der herkömmlichen Politik
Diese Haltung ist auch der grundsätzlichen Ablehnung der herkömmlichen Politik geschuldet. Die Menschen in Spanien wie Israel fühlen sich von den Politikern und den Parteien im Stich gelassen – und vom Amok laufenden Neoliberalismus in ihrer Lebensgrundlage bedroht. In geradezu blinder Gefolgschaft fahren die Regierenden die staatlichen Dienstleistungen zurück und veräussern die öffentlichen Güter. Das Gemeinwesen wird ausgehungert und das Private, der Eigennutz gestärkt. Die farbigen Happenings im öffentlichen Raum und die fast schon verschwenderische Solidarität sind dazu ein starkes Gegenbild.

Auch wenn inzwischen die Protestcamps sowohl in Spanien wie in Israel (freiwillig) geräumt wurden, trägt der demokratische Erneuerungsimpuls weiter: In Israel entstanden überall im Land hunderte «runde Tische», an denen um reale Lösungen der drängendsten Probleme gerungen wird – dezentral und in Eigenverantwortung, aber vernetzt. Im Mittelpunkt stehen die Sorgen und Nöte der gewöhnlichen Menschen sowie deren Vorschläge zur Abhilfe, Vorschläge, die über die runden Tische an die Öffentlichkeit gelangen können. Zudem sollen an den runden Tischen die Ziele der Bewegung genauer festgelegt werden.

Der stille Teil der Bewegung
Die runden Tische zielen auch auf das, was Amador Fernández-Savater den «stillen Teil der Bewegung» nennt, also die Bevölkerung, die von der Protestbewegung berührt ist, selbst aber nicht aktiv daran teilnimmt. Dieser stille Teil der Bewegung ist nicht zu unterschätzen. In Israel rechnet man mit 87 Prozent der Bevölkerung, die die Protestbewegung unterstützen (siehe dazu: «Netanyahu losing public support over handling of Israeli housing protest» auf Haaretz.com). Und auch in Spanien ist die Solidarität mit der Protestbewegung riesig.

Widerstand gegen Zwangsräumungen
In Spanien ist die Protestbewegung nach Auflösung der Camps unter anderem zum gewaltlosen Widerstand gegen die zunehmenden Zwangsräumungen von Wohnungen übergegangen. Diese Zwangsräumungen erscheinen wie eine natürliche Folge der Zahlungsunfähigkeit ihrer Besitzer. Sie stellen das Recht der BewohnerInnen auf eine Bleibe drastisch in Frage – ein Recht übrigens, dessen Bedrohung auch am Anfang der israelischen Proteste stand. Doch diese Zwangsräumungen sind nicht ein natürliches Verhängnis, sondern letztlich ein politisches Problem und die Folge der neoliberalen Strukturanpassungen der letzten Jahre. Der Widerstand dagegen «… läuft über unsere Fähigkeit, die soziale Verbindung neu zu erfinden. Denn es ist nicht der Staat, der die Logik des Marktes aufhalten kann, sondern es ist der andere Unbekannte, der sich vor mein Haus stellt und den verhängnisvollen Automatismus der Zwangsräumung aufhält. Heute für mich, morgen für dich», so Amador Fernández-Savater.

Anfänge eines neuen Demokratieverständnisses?
Womöglich zeigen sich bei der spanischen wie der israelischen Protestbewegung die Anfänge einer «diversifizierten», zivilgesellschaftlichen Demokratie – um einiges bunter als die herkömmliche, alt gewordene Demokratie der Parteien mit ihren Einheitsfarben und Verfilzungen, was sie zunehmend antidemokratisch erscheinen lässt. In einer zivilgesellschaftlichen Demokratie könnten die Herausforderungen der Gegenwart ideologiefreier, dafür mit mehr Sachverstand und menschlichem Mass angegangen werden. Die Bevölkerung wäre nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Quelle der Demokratie, so wie das mal angedacht war … Die Protestbewegungen zeigen aber auch, dass sich die Individualität des Menschen immer weniger in Schemen und Parteien pressen lässt. Vielmehr wird jeder Mensch zu seiner eigenen «Partei» und übernimmt dafür auch zunehmend die Verantwortung.

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Fotos: oben «Indignados» von Julien Lagarde, unten «Nachmittag auf dem Boulevard», Tel Aviv, von Marc Berthold, boellstiftung (beide via flickr unter CC-Lizenz)