Gibt es Gesellschaft? AU Diskussion

Wann: 6 Dez 2012 18:00 - 20:30

Wo: HU Invalidenstr.110 Raum 293 Invalidenstr 110 berlin
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Autonomes Seminar an der Humboldt-Universität zu Berlin – seit 1998
Das Autonome Seminar wird ehrenamtlich organisiert und ist offen für alle.

Einladung zum Streitgespräch
zwischen Albrecht von Lucke (Blätter für deutsche und internationale Politik) und Andreas Pittrich (Piratenpartei Friedrichshain/Kreuzberg)

Streit-Thema: Flucht ins Reich der Freiheit:
Der Eskapismus der Piraten

Mit Diskussion – Moderation: Wolfgang Ratzel
(Initiative für eine Politische Plattform des Anderen Anfangs)

Termin:    Donnerstag, 6.12.2012 – 18:00 c.t. bis 20:00 Uhr
Ort:         Seminargebäude der Humboldt-Universität in der Invalidenstrasse 110,
10115 Berlin (bei U6-Bf Naturkundemuseum) – Raum 293

Albrecht von Lucke (Redakteur der www.blaetter.de )vertritt folgende Thesen:
Die Piraten verkörpern einen dramatischen kulturellen und generationellen Bruch, speziell mit der scheinbar naturwüchsigen Dominanz grüner Themen bei den Heranwachsenden. Aber mehr noch: Sie stellen die Wertigkeit der Themen insgesamt auf den Kopf. Im Ergebnis verheißen die Piraten eine Utopie im neuen, virtuellen Raum, ohne sich mit den Begrenzungen des alten, materiellen Raums auseinandersetzen zu müssen. Hinter dem Aufschwung der Piraten verbirgt sich somit auch eine Flucht aus den eigentlich entscheidenden Debatten der Gegenwart. Denn der Cyberspace – als die angebliche „digitale Heimat“ der Piraten – ist grenzenlos. Nur auf Erden ist alles endlich und damit ständigen Verteilungskämpfen ausgesetzt. „Alles ist durch die Digitalisierung verändert worden“, lautet der neue Totalitätsanspruch der Piraten. Dabei wird völlig verdrängt, dass sich die ökologische Begrenztheit des Planeten überhaupt nicht verändert hat, sondern heute im Gegenteil immer deutlicher wird.

Die Piraten als wichtigste parteipolitische Bewegung der jüngeren Geschichte sind damit ein explizites Gegenmodell zu den Grünen. Deren Gründung Ende der 70er Jahre war ja gerade auch eine Antwort auf das Versagen ihrer utopiefixierten Vorgänger. Während die alte, marxistische Linke auf das Reich der Freiheit als klassenlose Gesellschaft – und letztlich auf das Ende der Politik, das Absterben des Staates – zielte, stellten Friedens-, Frauen- und Anti-Atombewegung die linken Themen vom Kopf auf die Füße. Diese Neue Linke beschäftigte sich dezidiert mit den irdischen Fragen, nämlich der Überlebensfähigkeit des Menschen und seines Planeten, sprich: den Grenzen des Wachstums. Daher resultiert bis heute die Fortschrittsskepsis der Grünen, ja auch ihr inhärenter Konservatismus.

Die Piraten beschreiten nun den umgekehrten Weg: Als neues Entgrenzungsprojekt flüchten sie aus dem irdischen Reich der Notwendigkeit in das virtuelle Reich der Freiheit, das sie mit wilder Unbedingtheit verteidigen. Mit ihrer Technikbegeisterung beerben sie den naiven Fortschrittsoptimismus der alten Linken. Die sogenannten digitale natives, die angeblich in der digitalen Welt Geborenen, haben sich mental von der natürlichen Umwelt (als Lebensraum wie als originärem Produktionsmittel) genauso abgekoppelt wie der virtuelle Finanzkapitalismus vom produzierenden Kapital. Damit aber entziehen sie sich „der“ zentralen politischen Zukunftsfrage nach einem nachhaltigen Umgang mit den ökologischen Grenzen des Planeten. Werden sie dafür vom Wähler belohnt? Das ist die offene Frage.

Die Longversion seiner Argumentation kann nachgelesen werden unter:
http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/august/die-verfluessigung-der-gruenen?print
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1 Antwort auf Gibt es Gesellschaft? AU Diskussion

  1. danke…klingt sehr interessant! :)

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