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Persönliche Eindrücke von der Trauerkundgebung für Rosemarie

13. April 2013 in Blog - alle Themen

CC BY-SA Name: richard – Aroserstr. 92 – Zum gedenken an Rosemarie F.

Ich stelle diesen Text hier lediglich online, weil ich glaube das dieser Text einen gute Darstellung des heutigen Ereignisses ist.

lg Richard

Barbara M.

Persönliche Eindrücke von der Trauerkundgebung für Rosemarie

Nachdem mich einige Kommentare auf FB zunächst befürchten ließen, dass der schreckliche Tod von Rosemarie für einige heute Anlass sein könnte, ihrer Wut freien Lauf zu lassen, war ich von der Verstanltung sehr beeindruckt und vor allem tief berührt.

Nach meiner Schätzung hatten sich mindestens 300 Leute in der Nähe des Hauses versammelt. Viele von uns waren dunkel gekleidet, die Stimmung war traurig-gedrückt und manchen sah man an, dass sie wie ich selber eine unruhige Nacht hinter sich hatten. Die Polizei war mit großen Aufgebot präsent, verhielt sich aber kooperativ. Für leisen Unmut sorgte anfangs die Absperrung des Straßenabschnitts vor dem Haus von Rosemarie, durch die wir in eine Seitenstraße abgedrängt waren. Sie wurde jedoch aufgehoben.

Vor dem Haus verharrten wir zunächst im Schweigen. Es folgte eine spontane Rede von Kathrin, einer Aktivistin aus dem “Aktionsbündnis gegen Zwangsräumungen”, das Rosemarie in ihren letzten Wochen begleitet hatte. Kathrin hielt Rückschau auf die Ereignisse der vergangenen Tage und betonte, dass heute nicht nicht Wut, sondern die Trauer im Vordergrund stünde. Sie bedankte sich bei den Anwohnern, von denen etliche an der Veranstaltung teilnahmen und entgegen der Empfehlung der Polizei die Gardinen vor den Fenstern nicht zugezogen, sondern aufgelassen hatten. Ich empfand dies als ein Zeichen von Mitmenschlichkeit und Solidarität, die sich als stiller Protest den Vorgängen entgegenstellen. Sie geben mir Mut, dass der Hass und die Verachtung gegenüber Menschen, die aus der Gesellschaft herausgedrängt werden sollen, nicht soweit in den Köpfen Raum gegriffen haben, wie es sich die Herrschenden wünschen. Die Zivilgesellschaft ist weiter und sie weiß, wo Grenze ist. Vielleicht empfanden es die vielen anderen genauso, die an dieser Stelle den Anwohnern Beifall zollten.

Der Rest der Mahnwache war stilles Gedenken, das der Trauer Raum gab und den Teilnehmern die Möglichkeit bot, untereinander ins Gespräch zu kommen. Wie ich von Kathrin erfuhr, wird Rosemarie Anfang nächster Woche obduziert werden. Die Beerdigung findet voraussichtlich Ende nächster Woche oder Anfang übernächster Woche statt. Anders als anderen Opfern der Zwangsverelendung wird Rosemarie das Schicksal erspart bleiben, von einem Billigbestatter anonym verscharrt oder gleich vor der Haustür eines ausländischen Krematoriums entsorgt zu werden. Rosemarie hatte schriftlich verfügt, nach dem Ritus ihres jüdischen Glaubens bestattet zu werden, mit der Berliner Gemeinde wird Kontakt aufgenommen. Das “Aktionsbündnis gegen Zwangsräumungen” hält weiter auf dem Laufenden. In diesem Zusammenhang erwähnte ich Kathrin gegenüber, was Gitta Peyn und ich bereits heute morgen besprochen hatten: Wir werden versuchen, an den “Zentralrat der Juden in Deutschland” heranzutreten und ihn um ein Statement zu der Sache bitten, die jetzt auch Rosemarie zum Verhängnis geworden ist.

Die Veranstaltung endete nach gut einer Stunde mit einem gemeinsamen Marsch zur U-Bahnstation. Auf dem Weg erschollen vereinzelt Parolen, darunter “Mörder, Mörder”, an denen sich mindestens zwei Anwohnerinnen von ihren Fenstern aus beteiligten. Vor der U-Bahn Station löste sich die Veranstaltung auf, aber ich bin mir sicher, dass viele von uns sich bald wiedersehen werden.

links:
http://zwangsraeumungverhindern.blogsport.de/
http://mietenstopp.blogsport.de/

1 Antwort auf Persönliche Eindrücke von der Trauerkundgebung für Rosemarie

  1. Ansprache des Bündnis gegen Zwangsräumung
    http://youtu.be/lkb–42oig8

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