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1,5 Mio. Menschen singen wieder Grândola, Vila Morena

5. März 2013 in Blog - alle Themen

Letztes Wochenende demonstrierten in Portugal mehr als 1,5 Millionen Menschen gegen die Austeritätspolitik von Troika und portugiesischer Regierung. Die Proteste standen wieder unter dem Motto “Zum Teufel mit der Troika” und waren diesmal noch größer als die Proteste im letzten Jahr, als mehr als 1 Mio. Menschen auf die Straße gingen.

Dabei ist ein Lied aus den Protesten nicht mehr wegzudenken: Grândola, Vila Morena (deutsch Grândola, braungebrannte Stadt), ein Kampflied aus der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974.


Wie Wikipedia zu berichten weiß, war dieses Lied in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1974 das Signal für den Sturz der faschistischen Militärdiktatur. Als um 0:25 Uhr im Rundfunksender Radio Renascenca die erste Strophe verlesen und anschließend das Lied zweimal in voller Länge gespielt wurde begann der Aufstand. Am darauffolgenden Abend war die Diktatur bereits Geschichte.

Am 15. Februar unterbrachen wütende Menschen mit diesem Lied eine Rede des portugisieschen Ministerpräsidenten im Parlament:

Einen Tag später schickten es protestierende Spanier vom Puerta del Sol als musikalischen Gruß an ihre portugiesischen Leidensgenossen:

Auf deutsch gibt es eine Nachdichtung von Franz Josef Degenhardt aus dem Jahr 1975, die auf kampflieder.de zu finden ist.

Grândola, vila morena
Stadt der Sonne, Stadt der Brüder,
Grândola, vila morena,
Grândola, du Stadt der Lieder.

Grândola, du Stadt der Lieder,
auf den Plätzen, in den Straßen
gehen Freunde, stehen Brüder,
Grândola gehört den Massen.

Grândola, vila morena,
viele Hände, die dich fassen,
Solidarität und Freiheit
geht der Ruf durch deine Straßen.

Geht das Lied durch deine Straßen,
gleich und gleich sind uns’re Schritte,
Grândola, vila morena
gleich und gleich durch deine Mitte.

Deine Kraft und euer Wille
sind so alt wie uns’re Träume,
Grândola, vila morena
alt wie deine Schattenbäume.

Alt wie deine Schattenbäume
Grândola, die Stadt der Brüder,
Grândola, und deine Lieder
sind jetzt nicht mehr nur noch Träume.

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