Bundesweite Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen bei Fotojournalisten 9. Februar 2013

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Block­u­py ver­ur­teilt Grund­rechts­ver­let­zung als Ein­schüch­te­rungs­ver­such Pres­se­mit­tei­lung – Block­u­py Frank­furt – 6. Fe­bru­ar 2013

Am frü­hen Mor­gen des heu­ti­gen Mitt­woch haben Be­am­ten min­des­tens zehn Wohn- und Ar­beits­räu­me von Fo­to­jour­na­lis­ten in Ber­lin, Bran­den­burg, Nord­rhein-​West­fa­len, Hes­sen und Ba­den-​Würt­tem­berg zeit­gleich durch­sucht. Dabei be­schlag­nahm­ten sie zahl­rei­che Com­pu­ter und Spei­cher­me­di­en sowie Fo­to­aus­rüs­tung, in Frei­burg wur­den auch ein Mo­bil­te­le­fon und Druck­sa­chen be­schlag­nahmt. Laut Durch­su­chungs­be­schluss wer­den die Fo­to­jour­na­lis­ten nicht selbst einer Straf­tat ver­däch­tigt oder be­schul­digt. Viel­mehr hofft die Frank­fur­ter Staats­an­walt­schaft, Be­wei­se für un­ter­stell­te Straf­ta­ten von Teil­neh­mern einer De­mons­tra­ti­on am 31. März in Frank­furt zu fin­den.

“Das ist ein An­griff auf die Pres­se­frei­heit und auf de­mo­kra­ti­sche Grund­rech­te ins­ge­samt. Mit die­ser Ak­ti­on wol­len sich Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft of­fen­bar selbst einen Blan­ko­scheck für Rechts­bruch und Schi­ka­ne aus­stel­len. In Zu­kunft muss schon mit einer Haus­durch­su­chung rech­nen, wer be­ruf­lich über so­zia­le Pro­tes­te be­rich­tet”, sagte Mar­tin Som­mer vom Bünd­nis Block­u­py Frank­furt. “Flä­chen­de­cken­de Haus­durch­su­chun­gen bei Un­ver­däch­ti­gen sind an sich schon ein Skan­dal. Be­deu­ten­de Grund­rech­te einer de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft wer­den mit Füßen ge­tre­ten. Dass nun auch Jour­na­lis­ten ein­ge­schüch­tert und in ihrer Ar­beit be­hin­dert wer­den, setzt dem die Krone auf.”

Be­son­de­re Bri­sanz ge­winnt die heu­ti­ge Po­li­zei­ak­ti­on aus Sicht des Block­u­py-​Bünd­nis­ses vor dem Hin­ter­grund der Ver­bot­s­or­gie wäh­rend der Block­u­py-​Ak­ti­ons­ta­ge vom 16. bis19. Mai 2012 in Frank­furt am Main. Ro­land Süß vom Block­u­py-​Bünd­nis:

“Mit den Raz­zi­en heute set­zen Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft eine bei­spiel­lo­se Serie von Grund­rechts­ver­let­zun­gen fort. Letz­tes Jahr war es die Ver­samm­lungs­frei­heit, wofür die Po­li­zei nun Ent­schä­di­gun­gen zah­len muss. Die­ses Jahr ist die Pres­se­frei­heit. Es ist of­fen­sicht­lich, dass eine brei­te Pro­test­be­we­gung ein­ge­schüch­tert und kri­mi­na­li­siert wer­den soll. Doch wir blei­ben so­li­da­risch mit allen, die für eine so­zia­le­re Ge­sell­schaft strei­ten.”

Für den 31. Mai und 1. Juni die­ses Jah­res hat das Block­u­py-​Bünd­nis er­neut eu­ro­päi­sche Ak­ti­ons­ta­ge in Frank­furt am Main an­ge­kün­digt. Am 17. Fe­bru­ar fin­det dazu ein wei­te­res bun­des­wei­tes Mo­bi­li­sie­rungs­tref­fen in Frank­furt statt. Wäh­rend der Block­u­py-​Ta­ge 2012 hatte die Stadt ein um­fas­sen­des Ver­samm­lungs­ver­bot er­las­sen, die Po­li­zei ver­häng­te gegen hun­der­te An­rei­sen­de un­recht­mä­ßig Stadt­ver­bo­te und sperr­te die Frank­fur­ter In­nen­stadt groß­flä­chig ab. Viele die­ser Maß­nah­men wur­den nach­träg­lich durch Ge­rich­te als rechts­wid­rig er­kannt, wei­te­re Ver­fah­ren lau­fen. So hat das Amts­ge­richt Gie­ßen kürz­lich Pro­tes­tie­ren­den, die sei­ner­zeit über Stun­den fest­ge­hal­ten und an der Aus­übung ihres De­mons­tra­ti­ons­rechts ge­hin­dert wur­den, Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen in Höhe von je 500 Euro zu­ge­spro­chen. Auch hun­der­te im Vor­feld der Tage aus­ge­spro­che­ne Auf­ent­halts­ver­bo­te muss­te die Po­li­zei wie­der zu­rück­neh­men; im Ok­to­ber ent­schied das Frank­fur­ter Ver­wal­tungs­ge­richt, dass eine Kund­ge­bung des “Ko­mi­tees für Grund­rech­te und De­mo­kra­tie” nicht hätte ver­bo­ten wer­den dür­fen. Bei der – ge­richt­lich ge­neh­mig­ten – Block­u­py-​Ab­schluss-​De­mons­tra­ti­on im Mai 2012 gin­gen 30.​000 Men­schen gegen die eu­ro­pa­wei­te Ver­ar­mungs­po­li­tik und für Ver­samm­lungs­frei­heit auf der Stra­ße. Kri­tik an Raz­zi­en auch von Ge­werk­schaft und Jour­na­lis­ten­ver­band In ers­ten Re­ak­tio­nen haben auch Ge­werk­schafts­ver­tre­ter und Jour­na­lis­ten­ver­bän­de die heu­ti­gen Durch­su­chun­gen als grund­rechts­wid­rig kri­ti­siert.

“Me­dien­ver­tre­ter sind keine Hilfs­po­li­zis­ten, und ihre Ar­beit ein­zu­schrän­ken ist falsch”, sagte Ver­di-​Ver­tre­ter An­dre­as Köhn laut Ta­ges­spie­gel (6.​2.​2013). Cor­ne­lia Haß von der Deut­schen Jour­na­lis­tin­nen-​ und Jour­na­lis­ten­uni­on sagte: “Die durch­ge­führ­ten Maß­nah­men ent­beh­ren jeder Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und ent­spre­chen kei­ner­lei rechts­staat­li­chen Stan­dards.” (Pres­se­mit­tei­lung dju)

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