Zwangsräumung verhindern: Sit-in bei WBM

16. Januar 2013 in Blog - alle Themen

Heute, Dienstag, den 15.01.2013 um 10.30 Uhr haben sich ca. 30 Menschen zu einem Sit-in im Foyer der WBM (Wohnungsbaugesellschaft Mitte) in der Dircksenstr. 38, 10178 Berlin, eingefunden. Sie unterstützen damit das von Zwangsräumung bedrohte Ehepaar K. aus der Lübbener Straße in Berlin-Kreuzberg.
Der Geschäftsführer der WBM, Lars Ernst, und der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Ephraim Gothe, wollen heute darüber entscheiden ob das Ehepaar K. in der Wohnung bleiben kann. Solidarität und der gemeinsame Kampf gegen Verdrängung und Zwangsräumung haben in Kreuzberg einen hohen Stellenwert. Deshalb wollen die Unterstützer_innen gemeinsam mit Frau K. die, für das Ehepaar existentielle, Entscheidung abwarten.

Bisher ist die Stimmung im proppevollen Foyer der WBM ruhig und entspannt aber erwartungsvoll. Frau K. und Vertreter der Presse sind anwesend.

Zum Hintergrund: WBM bedroht Rentnerehepaar mit Zwangsräumung

Das 70 bzw. 80 Jahre alte Ehepaar K. ist 1969 aus der Türkei nach Berlin gekommen und lebt seit 37 Jahren in der Wohnung in der Lübbener Straße in Kreuzberg. Sie fühlen sich in ihrem Kiez zuhause und erfahren dort nachbarschaftliche Hilfe. Nach langwierigen und anstrengenden Rechtsstreitigkeiten hat das Ehepaar, entnervt und verzweifelt, einem gerichtlichen Vergleich mit der WBM zugestimmt, der auch beinhaltet die Wohnung zu verlassen. Das Ehepaar K. will aber in seiner Wohnung bleiben!

Die WBM hat eine Ersatzwohnung an einem anderen Ort angeboten, die kleiner aber genauso teuer ist. Warum fordert die WBM von einem alten Ehepaar den Umzug in eine andere Wohnung und Umgebung? Sie kann die Wohnung im angesagten Wrangelkiez wesentlich teurer neu vermieten. Die WBM ist aber eine städtische Wohnungsbaugesellschaft. Ist es schon bei privaten Eigentümern nicht hinnehmbar, dass Menschen aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt werden, so ist dies bei einem Eigentümer, der sich in öffentlicher Hand befindet, absolut inakzeptabel.

Erfolgreiche Verhinderung einer Zwangsräumung am Kottbusser Tor…

Wie gestern, Montag, den 14.01.2013, bekannt wurde, hat die GSW Immobilien AG die Zwangsräumung einer fünfköpfigen Familie am Kottbusser Tor zurückgenommen. Gemeinsames Handeln des Bündnisses „Zwangsräumung verhindern“ und der Mieter_inneninitative „Kotti&Co.“ hatte den Druck auf GSW und Politik so erhöht, dass diese eine positive Lösung für die Familie finden mussten. Lösungen im Einzelfall können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin viele Mieter_innen von Verdrängung bedroht sind. Sie zeigen aber, dass Widerstand möglich ist und durch solidarisches und kollektives Handeln erfolgreich sein kann.

…als Beispiel für die WBM

Wir erwarten, dass die WBM als öffentliche Wohnungsbaugesellschaft nicht hinter die GSW zurückfällt. Die GSW, eine ehemals öffentliche Wohnungsbaugesellschaft, wurde 2004 vom rot-roten Senat privatisiert. Wenn es einer privatisierten Wohnungsbaugesellschaft möglich ist eine Zwangsräumung zurückzunehmen, dann kann es unmöglich sein, dass eine öffentliche Wohnungsbaugesellschaft eine Zwangsräumung durchführt.

Hohe Mieten, Verdrängung, Zwangsräumung

Zwangsräumungen stehen im Kontext massiv steigender Mieten in Berlin. Immer mehr Menschen können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten. Verdrängung hat viele Gesichter: Modernisierung, Mieterhöhung nach Mietspiegel, Jobcenter zahlt die Miete nicht, Umwandlung in Eigentumswohnungen. Zwangsräumung ist nur die gewalttätigste Art der Verdrängung. Das alles ist legal, politisch gewollt und in einer Gesellschaft mit kapitalistischem Wohnungsmarkt völlig üblich.

Solidarischer Widerstand lohnt sich

Aber dieser „Normalität“ von Verdrängung und Zwangsräumung können wir mit Solidarität und kollektivem Handeln etwas entgegensetzen. Am 22.10.2012 verhinderten 150 Menschen mit Blockaden die Räumung einer Familie in der Lausitzer Straße. Die darauf folgende Unterstützung und Solidarität in der Nachbarschaft und in ganz Berlin war so groß, dass ein zweiter Räumungsversuch verschoben wurde.

Wir wehren uns gemeinsam gegen hohe Mieten, Verdrängung und Zwangsräumung! Wir bleiben alle!

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Bündnis Zwangsräumung verhindern

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