Prof. Dr. Bontrup – Die Finanzkrise richtig verstehen

23. Januar 2013 in Blog - alle Themen

Die Euro-Krise wird gemeinhin mit einer Staatsschuldenkrise erklärt. Die Lösung: Sog. ‚Sünderländer’ sollen Buße tun. Austeritätsprogramme und ‚Schuldenbremsen’ werden über ganz Europa gelegt. Denn eine neoliberale Politik ist sich sicher: Der Ausweg aus der Krise führt nur über wirtschaftliches Wachstum. Dieser Vortrag bietet eine andere Analyse der Krisenursache und stellt wirtschaftspolitische Alternativen für einen Ausweg vor.

5 Antwort auf Prof. Dr. Bontrup – Die Finanzkrise richtig verstehen

  1. Herr Bontrop sagt hier sinngemäß:

    Das Bankgeschäft funktioniert so: Es gibt Leute mit zu viel Geld, die legen es bei der Bank an. Die wiederum verleiht es an Leute mit zu wenig Geld. Aus den unterschiedlichen Zinssätzen generiert die Bank ihren Profit.

    Dies sei das Geschäftsmodell der Bank, sagt sinngemäß Herr Bontrop.

    Da wäre doch mal ein Gespräch mit Herrn Senf, Herrn Franz Hörmann usw. interessant.
    Ich begreife es gar nicht. Wie können die Behauptungen so weit auseinander liegen?

    Soweit ich bisher informiert bin, werden die Anleger nur benötigt, um ein vielfaches an Krediten ausgeben zu können. Kredite aus geschöpft aus dem “Nichts”. Deshalb doch auch die Bemühungen mit der Vollgeldreform von Joseph Huber.

    Die heutige Art der Geldschöpfung dient uns (Mensch und Umwelt) eben nicht.
    Darüber spricht Herr Bontrop gar nicht. Verstehe ich nicht!

  2. Leistungslose Kapitaleinkommen

    Der Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) lässt sich nicht beseitigen, indem “der Staat” den Reichen etwas wegnimmt (“Auge um Auge, Zahn um Zahn”), sondern indem er ausnahmslos allen arbeitswilligen Menschen, die bisher am marktwirtschaftlichen Wettbewerb gehindert oder von ihm ausgeschlossen waren, es durch geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen ermöglicht, den Reichen Konkurrenz zu machen (“…wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.”)!

    Die Frage ist dabei nicht, ob es eine “Geldschöpfung der Geschäftsbanken” gibt (es gibt keine), sondern warum “staatlich geprüfte Experten” diesen Schwachsinn postulieren und warum es Schwachköpfe gibt, die den “Experten” glauben:

    Anfang und Ende von Gut und Böse

    Es gibt genau zwei Ursachen für leistungslose Kapitaleinkommen, die aufgrund religiöser Verblendung (künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten) gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommen wurden und damit den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft), bis heute verhinderten: Die Verwendung von hortbarem Geld, das den Urzins erpresst, und ein privates Bodeneigentumsrecht, das die Bodenrente nicht der Allgemeinheit zukommen lässt. Alle weiteren Formen leistungsloser Kapitaleinkommen (Sachkapitalzins, Spekulationsgewinne) sind davon abgeleitet und können ebenfalls nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform eigendynamisch auf Null geregelt werden:

    Geldtheorie

  3. Die Behauptung, es gäbe keine Geldschöpfung durch Geschäftsbanken lässt sich leicht widerlegen; nämlich auf den Seiten der Deutschen Bank ist folgendes zu lesen:
    “In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z.B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Giralgeld entstanden bzw. wurden 1.000 Euro Giralgeld geschöpft. [...] Die Giralgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.”
    Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 68ff

    und bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Giralgeldschöpfung

    Auch wirken Sie, Herr Wehmeier, ein wenig unbescheiden und tragen mit Ihrer Art der Kommunikation – “…geprüfte Experten” diesen Schwachsinn postulieren und warum es Schwachköpfe gibt …” – nicht dazu bei, die Problematik zu erhellen.

    Außerdem favorisieren Sie ganz offenbar eine ganz bestimmte Lösung ; nämlich die freiwirtschaftliche Lehre um Silvio Gesell und zitieren den oft widerlegten Helmut Creutz. http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/CreutzKritik.html

    Mich interessiert erst einmal eine ordentliche Beschreibung des Problems. Damit beschäftige ich mich seit Jahren und habe nachvollziehbare Argumentationen gefunden. Die Lösung ist nachher gemeinsam relativ leicht gefunden; aber unter keinen Umständen ohne eine zutreffende Problembeschreibung.

  4. “In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit…”

    …unter der Voraussetzung, dass die Geschäftsbank über entsprechende Einlagen von Sparern verfügt. Der Sparer verwandelt liquides Geld in einen mittel- bis langfristigen Geldanspruch (Sparguthaben) bei der Geschäftsbank, und diese stellt einem Kreditnehmer das liquide Geld wieder zur Verfügung. Es ist ein Vermögen/Schulden-Paar entstanden, ohne dass die Zentralbank-Geldmenge verändert wurde.

    Was wikipedia.org oder ein egon-w-kreutzer dazu sagen, ist genauso irrelevant, wie der von der EZB und anderen Zentralbanken dauernd betriebene Währungspfusch den endgültigen Zusammenbruch des Zinsgeld-Kreislaufs nicht verhindern kann.

    Die ständige Ausweitung der Geldmenge, insbesondere seit der “Finanz- und Schuldenkrise”, hat mit der Kreditvergabe von Geschäftsbanken nichts zu tun. Die Geldmengenausweitung (Währungspfusch) wird betrieben, um die in einer Zinsgeld-Ökonomie zur Vermeidung von Absatzstockungen erforderliche schleichende Inflation von etwa 2% pro Jahr aufrecht zu erhalten, während die effektive Umlauffrequenz des Zentralbankgeldes aufgrund eines sinkenden Kapitalmarktzinses, der sich der Liquiditätspräferenzgrenze nähert, immer weiter zurückgeht (Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes).

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

  5. Seltsam.
    Die Deutsche Bank sagt selber, dass sie Geld verleiht, das sie nicht hat.
    Die Quelle habe ich genannt. Es hängt eben nicht von den Sparern ab, ob Geld überhaupt verliehen wird.

    Ist ja auch logisch. Weil Geld ist ja kein Ding an sich, keine Entität. Es entsteht nach bestimmten Regeln. Und bevor es nicht entsteht, kann niemand etwas verleihen.
    Und Geld muss immer wieder in neuen Mengen entstehen. Es muss mit der Wirtschaft mitwachsen. Das konnte das Gold mengenmäßig nicht, da es als Rohstoff nicht unbegrenzt vorhanden ist.

    Nach Ihrer Logik, hätte es erst Sparer geben müssen, die Geld auf ein Konto legen. Dann erst hätte die Bank es verleihen können.

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