Brief aus Portugal: Ausstieg aus dem Kapitalismus

6. Dezember 2012 in Blog - alle Themen

GENUG – WIR FORDERN UNSER LAND ZURÜCK!

Wir sind auf einer Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg. Wir sind Teil einer weltweiten Bewegung für eine freie Erde – diese Bewegung trägt keine Fahne und besteht aus keiner Organisation, aber wächst aus der internationalen Solidarität und Zusammenarbeit all jener Menschen, die heute entschlossen sind, das System der Gewalt zu verlassen und Modelle zu schaffen für eine neue Kultur des Friedens.

Die Welt befindet sich im Übergang zu einer neuen Form des Lebens auf der Erde. Die alten Autoritäten und Hierarchien sind nicht länger haltbar. Wir erleben den Zusammenbruch der großen Systeme.

Egal was sie öffentlich auch verkünden mögen; Troika, Regierung und Banker wissen insgeheim schon lang, dass es innerhalb der bestehenden Ordnung keine Lösung für die Krise mehr gibt. Dass die bestehenden Sozialsysteme vernichtet, demokratische Grundrechte aberkannt und Millionen von Menschen in Armut und Hunger gezwungen werden, sodass jetzt schon einige soziale Kantinen im Land nicht mehr genug Essen haben, um die vielen Hungernden zu ernähren, all das ist kein Schicksal, das aufgrund schlechter Konjunktur zufällig über uns eingebrochen ist. Es ist ein Anschlag auf die Souveränität eines Landes und die Würde seiner Menschen, genauso wie wir es in Griechenland und vorher in vielen Ländern der so genannten “dritten Welt” gesehen haben, die unter die Kralle der Globalisierung gekommen sind. Schluss mit diesem Wahnsinn! Da helfen keine kleinen Reformen, Rettungsversuche oder gar weitere Sparmaßnahmen. Der Ausweg liegt auf einer anderen Ebene. Die Krise ist ein Systemfehler, der deshalb nur durch einen umfassenden Systemwechsel behoben werden kann.

Ausstieg aus dem Kapitalismus bedeutet Aufbau konkreter neuer Lebensstrukturen: Neue Modelle für moderne Subsistenzwirtschaften, für die Heilung von Natur und Wasserkreisläufen, für biologische Nahrungsmittelbiotope, für den lokalen Erhalt des Saatgutes, für dezentrale Energieversorgung durch regenerative Quellen – und gleichzeitig neue Modelle für funktionierende Gemeinschaften, die auf Wahrheit und Kooperation beruhen. Eine humane Gesellschaft wird erst möglich, wenn sie im Inneren neue soziale Strukturen schafft, in denen sich die kollektiven Muster von Angst, Misstrauen und Konkurrenz auflösen und wandeln können in Richtung Vertrauen und Solidarität, auch in der Liebe.

Wir verlieren die Verzweiflung über die jetzige Situation, wenn unser Blick frei wird für das gewaltige Potenzial dieses Landes: Portugal kann eines der reichsten Länder Europas werden, wenn wir es lernen, mit seinem natürlichen Reichtum sinnvoll umzugehen. Wasser, Energie und Nahrung stehen allen Menschen kostenlos zur Verfügung, wenn wir der Logik der Natur und nicht dem Gesetz des Kapitals folgen. Autarke Gemeinschaften können überall im Land entstehen, auch dort wo heute nur Brachland und zerstörte Natur ist. Wüstenbildung ist keine Naturkatastrophe, sondern eine menschgemachte Katastrophe, die wir rückgängig machen können, indem wir beginnen, mit den Kräften der Natur zu kooperieren. Durch dezentrales und natürliches Wassermanagement (s. Wasser-Retentionslandschaften) kann das vertrocknete Land innerhalb weniger Jahre wieder wasserreich und fruchtbar werden und damit Menschen und alle Lebewesen in Fülle mit allem versorgen, was sie zum Leben brauchen. Alle (jungen) Menschen, die heute keine Perspektive mehr in den Städten finden, können zurück auf das Land, um dort selbstbestimmt und kreativ ein neues Leben zu beginnen. Der heute weitgehend entvölkerte Alentejo z.B. könnte so schon in wenigen Jahren zu einem blühenden Zentrum für eine neue Kultur werden.

Fast 40 Jahre nach dem 25. April stehen wir unweigerlich vor einer neuen Revolution. Eine Revolution, die Portugal zu einem Vorbild für die Welt machen könnte. Zu einem Modellland, das den Völkern der Erde eine Möglichkeit aufzeigt, wie Autonomie und eine lebenswerte Zukunft, ein humaner Sozialismus im 21. Jahrhundert verwirklicht werden können. Eine Revolution, die das bestehende System nicht mehr bekämpft, sondern obsolet macht, indem sie die Lösung präsentiert. Eine Revolution, in der es keine Verlierer mehr gibt, weil sie dem Leben selbst zum Sieg verhilft.

Der Systemwechsel ist im Gang, sobald die ersten Menschen sich entscheiden, die neuen Lebensstrukturen real aufzubauen. Je mehr wir das tun, desto mehr holen wir die Macht zu uns zurück, die wir an Staat und Regierung abgegeben hatten. Wir lassen uns nicht mehr regieren, denn wir haben andere Gedanken entdeckt; einen anderen Leitstern, dem wir folgen. Wir arbeiten an einem kollektiven Traum der Menschheit.

Wir müssen die Dinge jetzt in unsere eigenen Hände nehmen.

Im Namen eines freien und reichen Portugals!

Paulo Borges
Partido pelo Animais e pela Natureza (Partei für Tiere und Natur)

 

Martin Winiecki
Friedensforschungszentrum Tamera

 

Movimento 12 de Março (Bewegung 12. März)

 

TERRAKOTA

 

Pedro Valdjiu
Blasted Mechanism

 

Quelle: http://www.verlag-meiga.org/node/29 This text is available in following languages (download pdf): deutsch – english – português – español – ελληνικά

 

2 Antwort auf Brief aus Portugal: Ausstieg aus dem Kapitalismus

  1. Es ist natürlich richtig, daß die bestehenden Syteme versagt haben. Es haben aber auch die abgeschafften Systeme versagt. Über Nationalsozialismus braucht man gar nicht erst schreiben. Da weis jeder das eine kriminelle Massenmörderbande mit einer menschenfeindlichen Ideologie die Bevölkerungen im Krieg verheizt hat und niemals mit der eigene Bevölkerung teilte was man erbeutet hatte.

    Der Sozialismus konnte in der DDR gedeihen und scheiterte am natürlichen Ego des Menschen und Zwang. Auch hier wurde nicht gerecht geteilt und jeder hat den Staat geplündert wo er nur konnte.

    Man kann das den Menschen als Alternative nicht anbieten, sondern nur die Freiheit.

    Die Freiheit sich unabhängig selbst zu versuchen eine Welt zu schaffen, welche sie als gerecht empfinden und darin leben können. Es wird aber niemals möglich sein alle Menschen in einer Welt unterzubringen für welche sie sich nicht freiwillig entscheiden und in eine andere Welt wechseln können.

    Welt halte ich für ein Synonym für Staat, Volksgruppe oder Religionsgemeinschaft von Menschen mit einer gleichen Weltanschauung. Die man natürlich erstmal durch eigene Erfahrungen und Fehler entwickeln muß.

  2. Meine Meinung ist, dass Griechenland, Spanien und Portugal in den nächsten zwei Jahren eine sozialistische Regierung bilden werden. Sie werden die Vorreiter sein, für einen gesellschaftlichen Wandel. Deutschland wird bestrebt sein das zu verhindern, notfalls durch einen Krieg.

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