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Über den Sinn und Unsinn (a)sozialer Netzwerke – Offene Fragen

31. Oktober 2012 in Blog - alle Themen

 

 

 

 

 

 

 

Seit Anfang vergangener Woche geht ein Gespenst um bei facebook: Das Gespenst DIASPORA* – die freie, dezentrale Open-Source-Alternative zum Konzernmulti. Viel aufklärende Information zu diesem Thema wurde seit dem in Umlauf gebracht, aber auch viele Vermutungen, Zweifel bis hin zu Unterstellungen wurden verbreitet.

Der folgende Artikel soll daher offene Fragen zu dem Themenkomplex „Soziale Netzwerke“ klären.

Wieso DIASPORA*?

Der Vorschlag künftig DIASPORA* anstelle von facebook zu nutzen, wurde von mehreren Teilnehmern der Boykott-Veranstaltung gegen Bezahl-Postings bei facebook https://www.facebook.com/events/333048010126499/ gemacht, kam also „aus dem Schwarm“. Als dann noch gute Argumente für DIASPORA* angeführt wurden und kritische sowie zweifelnde Fragen glaubhaft und konstruktiv beantwortet werden konnten, entschieden sich einige Aktivisten eine weitere Veranstaltung ins Leben zu rufen: Wir machen uns Accounts bei der OpenSource-Facebook-Alternative DIASPORA*

Der Diskussionsprozess zu diesem Thema verlief transparent und kann weiter auf den Pinnwänden dieser Veranstaltungen nachgelesen werden.

Wieso der „Hype“?

Auch die Veranstaltung zur Account-Erstellung bei DIASPORA* war ein voller Erfolg, das Mem DIASPORA* war gesetzt. Dies lag einerseits am intensiven Einsatz zahlreicher Aktivisten, es war aber auch der Tatsache geschuldet, dass mit dem angewendeten Alle-Freunde-zur-Veranstaltung-einladen-Hack facebooks Filtermechanismus (zur Vertiefung bitte hier lesen: Facebook – das asoziale Netzwerk) temporär ausgetrickst wurden. Auch eine Veranstaltungseinladung ist eine Interaktion im Sinne des Edgeranks und so konnten DIASPORA*-Aktivisten kurzfristig von einer überdurchschnittlichen Verbreitungsreichweite ihrer Beiträge profitieren. So sehr, dass sich einige facebook-User gar genervt zeigten, ob der Welle. (Sorry dafür ;) )

Wäre es nach facebooks Edgerank gegangen und hätte man keinen Weg gefunden diesen kurzfristig zu knacken, hätten wohl sehr viele Menschen auf facebook bis heute nie von DIASPORA* gehört. Dies zeigt im Übrigen noch einmal wie bedenklich es ist sich in einem „sozialen“ Netzwerk zu bewegen, das weitreichende Filtermechanismen anwendet. Nicht die User bestimmen welche Information fließt – sondern facebooks Filtermechanismus!

Wieso facebooks Filtermechanismen so problematisch sind?

Viele Menschen neigen dazu „es ist ja nur facebook“ zu denken, sind sich dabei aber nicht der Tatsache bewusst, wie viele Menschen – und teilweise man selbst auch – einen Großteil ihrer täglichen Informationen über das Weltgeschehen und lokale Ereignisse aus diesem System erhalten.

Nun sind Beiträge, die vom Erstellter nicht bezahlt werden, nicht mehr für alle Freunde sichtbar, sondern nur noch für einen Bruchteil, der bei etwa 20% liegt. Selbiges gilt für die Follower bei Seiten. Auch hier sehen nur wenige Interessierte die Postings, sofern diese nicht zusätzlich bezahlt werden.

Für den allgemeinen Informationsfluss ist dies verheerend. Information fließt nicht mehr frei, sondern versiegt einfach, wenn sie nicht mittels Geld „freigeschaltet“ wird. Erreichen an der ersten Station noch 20% der Freunde einen Beitrag, sind dies bei der zweiten Station nur noch 4%, von der dritten Station aus 0,8% und so weiter (expoentiell fallende Kurve). Basisdemokratischer Informationsaustausch ist so nicht mehr möglich. Und gleichzeitig gilt: Wer Geld in facebook steckt, bestimmt dort künftig das Geschehen.

Es hilft auch nur sehr bedingt in „Gruppen“ zu gehen und dort nach Information zu suchen. Denn der Informations-Input dort hat natürlich, bevor er in den Gruppen ankam, den selben gefilterten Weg genommen, wie alle anderen facebookinternen Informationsflüsse.

Wie es also immer ist wenn ein System nicht mehr funktioniert: Der Einzelne kann nichts daran ändern. Man kann sich nur gemeinsam dazu entscheiden, eine Alternative, ein sinnvolleres System zu nutzen, so dass das alte, fehlerhafte System alsbald überflüssig wird und sich irgendwann von selbst auflöst. Dies gilt in der digitalen Kommunikation genauso wie in den „großen“ politischen Fragen.

Die vielen Unwahrheiten und Unterstellungen über DIASPORA*

Nachdem die DIASPORA*-Welle auf facebook so richtig Schub bekommen hat, fanden sich schnell einige „Aktivisten“ zusammen die teils hahnebüschene Desinformation über DIASPORA* in Umlauf brachten. Neben einigen (sonst durchaus konstruktiv, diesmal aber) besonders destruktiv arbeitenden Einzelusern, tat sich hier auch die Facebook-Seite der onlineaktivisten sehr negativ hervor: https://www.facebook.com/Onlineaktivisten.de/posts/377639142313288

Es fällt auf, dass vor allem User, die viel Zeit in den Aufbau von facebook-Gruppen und Seiten gesteckt haben, teilweise dazu neigen alle Sachargumente auszublenden und sich nicht scheuen grobe Unwahrheiten zu diesem ganzen Themenkomplex zu verbreiten. Offenbar „fürchtet“ man sich in einigen Fällen einfach vor dem künftigen Bedeutungsverlust der eigenen Facebook-Identität. Sehr kurz gedacht, jedoch – denn ist man nicht bereit künftig für die eigenen Postings zu bezahlen, ist dieser Reichweite- und somit Bedeutungsverlust ohnehin beschlossene Sache.

Über weitere Motivationen Falschinformationen über das basisdemokratische OpenSource-Projekt DIASPORA* in Umlauf zu bringen, kann nur spekuliert werden – dies soll hier aber nicht geschehen.

Wo findet sich brauchbare Information über DIASPORA*?

Zum Beispiel hier: http://blog.dsiw-it.de/2011/09/17/diaspora-das-dezentralisierte-soziale-netzwerk-fur-die-zukunft

Hier: http://www.finnchristiansen.de/?p=86

Hier: http://www.golem.de/news/soziales-netzwerk-erste-community-version-von-diaspora-veroeffentlicht-1210-94991.html

Hier: http://www.dev0blog.de/videoseminar-uber-diaspora/

Und in der gestrigen #DiasporaNight Sendung des Creative Commons-Radio #theradio.cc: (Podcast sollte in kürze im Downloadbereich stehen): http://www.theradio.cc/

“Aber bei facebook ist doch die ganze Welt – also muss man da sein wenn man viele Menschen erreichen will!”

Auch zu kurz gedacht: Zum einen ist nur eine Minderheit der Weltbevölkerung bei facebook aktiv, wie diese Grafik zeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum anderen kann jeder Mensch ohnehin nur ein begrenztes tägliches Zeitkontingent in die eigenen Onlineaktivitäten stecken. Es ist also eigentlich egal ob man das nun auf einer Plattform tut auf der viele Menschen angemeldet sind oder wenige. Wichtig ist jedoch, dass die Kommunikation funktioniert und die Information frei fließen kann. Dies tut sie bei facebook aber nicht mehr. Die eigene Onlinezeit übermäßig in facebook zu stecken, kann also künftig nur noch als reine Zeitverschwendung interpretiert werden. Außerdem verengt es den eigenen Blick doch sehr, wenn man sich selbst vor allem in dieser gefilterten Monokultur informiert.

Sinnvoller ist es an Spots zu kommunizieren, von denen man auch weiß, dass die beabsichtigten Empfänger dann auch wirklich die Informationen erhalten, die man abgesendet hat. Auch sind facebook und DIASPORA* zwar getrennte Plattformen, sie sind aber – wie alle andern Alternativen im Übrigen auch – Teil des selben, einen Internets. Weder „Trennung“, noch „Spaltung“ noch sonst irgendeine angstmachende Dystopie greift daher, wenn sich viele Menschen einfach dazu entscheiden ein funktionales soziales Netzwerk für den digitalen Informationsaustausch zu nutzen.

Sollten weitere Fragen bestehen, stellt die doch einfach bei DIASPORA*

Einen Account anlegen könnt ihr unter Anderem hier: https://despora.de/ oder hier: https://pod.geraspora.de/  und Hilfe im Netzwerk findet ihr dann einfach unter dem hashtag #neuhier

Weitere Lesetipps:

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