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Proteste in Tunis, Betroffene vor Gericht , 02. 10.12

3. Oktober 2012 in Blog - alle Themen

(Tunis) Die Betroffene einer Vergewaltigung durch zwei Polizisten muss auf die Anklagebank. – Eine beeindruckende Welle des Protestes erhebt sich.

Schon von weitem konnte man die kraftvollen Sprechchöre, von einigen hundert Protestlerinnen und etlichen Protestlern hören. Sie hatten sich obwohl es Dienstagvormittag war, die Zeit genommen um Mariam (pseud.) bei ihrem Gang zum Untersuchungsrichter zu begleiten und ihr Entsetzen über das Verhalten von Polizei und Politik auszudrücken.

Anfang September verhafteten drei Polizisten Mariam und ihren Verlobten die in einem parkenden Auto saßen. Einer beschäftigte sich mit dem Verlobten, während die anderen beiden Mariam vergewaltigten. Seit dem sind die beiden Polizisten in Untersuchungshaft. Doch jetzt muss sich auch Mariam vor Gericht verteidigen. In dem heute, Dienstag dem 02.10. 12, gegen sie laufenden Prozess, wird sie angeklagt beim Eintreffen der Polizei in einer „unmoralischen Position“ gewesen zu sein. Zeugen sind ihre beiden Vergewaltiger.

Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste besonders die Stellungnahmen der Politiker schockieren in der Bevölkerung.

Ein Sprecher des Innenministeriums sowie der Ministerpräsident Hamadi Jebali, wiesen in ihren Stellungnahmen auch auf die “eventuelle Mitschuld der Betroffenen” hin, sie solle sich in einer “unmoralischen Position” befunden haben.

Heute ging es laut zu vor dem Gericht, über 200 Menschen waren gekommen. Frauen, junge und alte, und auch etliche Männer. Ab neun Uhr morgens bis in den Mittag hinein drängten sie sich vor das Tor des Gerichtes und blockierten die Straße. Viele hatten Schilder mitgebracht und die ganze Zeit über wurden lautstark Parolen gerufen und gesungen. Die Stimmung war sehr ergreifend, die Protestlerinnen waren entrüstet und nahmen grossen Anteil an der Situation der Betroffenen. Es ging darum, ihr keine Mitschuld an einer Vergewaltigung zu geben, aber auch um Freiheit. Viele Frauen fühlen sich vom momentanen politischen Klima in ihrer Freiheit eingeschränkt. Sie forderten konservative Politiker auf zu gehen und distanzierten sich von der mächtigsten Frau in der Politik. So riefen sie: “Eine Tunesische Frau ist nicht wie Maherzia Labidi!” (Vizeministerin der verfassungsgebenden Kommission).

“In meinem Land vergewaltigt mich die Polizei und die Justiz beschuldigt mich.”, “Der Vergewaltiger kann kein Zeuge sein.”, “Vergewaltigte Frau, vergewaltigte Nation.” und vieles mehr. Ein Schild erklärte die drei Gebote der Regierung: 1.klauen, 2. verschleiern, 3. vergewaltigen. Außerdem forderten Sie: Arbeit, Würde und Freiheit.

Fürs Wochenende sind weiter Proteste geplant.

von: Gruppe Tunis

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