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Aufstieg und Fall der Piraten – Eine Analyse

5. Oktober 2012 in Blog - alle Themen

Heute sind die Piraten mal wieder in den Schlagzeilen weil sie in Umfragen unter 5% gerutscht sind. Dazu ein kleiner Kommentar von mir:

Genau vor einem Jahr begann nun der mediale Piratenhype der bundesweit die Umfragewerte in die Höhe schießen lies. Auch ein paar Wahlerfolge konnten eingefahren werden und eine Eigendynamik kam in Gang, die der Partei viele neue Mitglieder und den damit verbundenen chaotischen Findungsprozess brachte – ähnlich wie “die Bewegung” seit dem 15. Oktober.

Viele Piraten zeigten sich von den medialen Streicheleinheiten geradezu besoffen und man verliebte sich schnell in das Selbstbild der gesamtgesellschaftlich anerkannten Demokratieretter…in einer Welt ohne Macht und schlechte Absichten hätte es ja auch so schön sein können. Zu schnell hat man sich also im System seinen Platz zuteilen lassen und wunderte sich dann wohl auch als der Wind plötzlich drehte und die etablierten Kräfte klammheimlich vereinbarten, dass Piraten wohl doch nicht mitspielen dürfen.

Den Startschuss für den Umschwung bildeten eine Reihe von Nazi- und Sexismusvorwürfen, wie es ja in Deutschland nicht ganz unüblich ist wenn man kritische Stimmen mundtot machen will. Auch in der Bewegung war diese Strategie, vor allem ausgeführt durch anonyme Fakeaccounts in den Internetforen, sehr deutlich und zeitgleich zu beobachten. Bei den Piraten waren was das angeht eindeutig Kräfte der antideutschen Fraktion am Werk, die es teils bis in das Berliner Abgeordnetenhaus schafften.

Plötzlich war jeder und alles unter Nazi-, Sexismus- und wenn das nicht reicht auch Antisemitismusverdacht und selbsternannte Parteipolizisten sahen sich beauftragt die Partei zu säubern. Die Massenmedien und die Wortführer der übrigen Parteien nahmen die Vorwürfe und die Fehltritte, die es in diesem Zusammenhang natürlich auch gab, dankend auf um ein Zerrbild einer rechtslastigen Partei zu zeichnen. Innerparteilich steig der Stress, der Streit, die Intrigen, die Verleumdung, bis hin zu Mobbing und Hetze…auf der dargestellten Konfliktlinie wurden gleichsam zahlreiche andere Machtkämpfe ausgetragen und natürlich wurde auch um Posten gerangelt.

Die oft unterirdische Diskussionskultur geprägt von flaming und übler Nachrede tat ihr übriges.

Nun versuchen noch einige zu retten was zu retten ist (bzw. was sie dafür halten) und versuchen die Piraten als seriöse, teils auch liberale Kraft zu präsentieren, schwadronieren gar von Regierungsfähigkeit und scheinen vor allem von der Frage umtrieben zu sein, wo im alten, niedergehenden System nun wohl noch Platz für die Piraten sein mag. Quer- und Selbstdenkern wird versucht der mediale Saft abzudrehen.

…und das ist genau das was man als Wähler nicht von den Piraten will. Und genau deshalb sind die Umfragewerte völlig zurecht nun auch so unterirdisch. Den Charme der Piraten hat nicht ausgemacht, dass sie sich irgendwie ins System einpassen sondern dass sie die Durchlässigkeit des Systems nutzen um es mit revolutionären Ideen zu okkupieren. All das wurde nun erstmal gründlich vergeigt.

Aber die kalte Dusche bietet die Chance, dass machtgeile Pöstchenfans der Partei den Rücken kehren und es ist nicht ausgeschlossen, dass es an der Basis funktionierende Netzwerke gibt, die die Ursprungsidee wieder in den Vordergrund rücken.

Mediale Ruhe ist dabei erstmal hilfreich…und bei dieser Performance werden die Piraten die wohl nun bald auch erstmal haben.

…und dann alles Gute für den zweiten Anlauf!

1 Antwort auf Aufstieg und Fall der Piraten – Eine Analyse

  1. Mal ganz davon abgesehen, dass bei den Piraten tatsächlich auch zwielichtige Persönlichkeiten herum rannten, war…tschuldigung…ist die Partei keine revolutionäre Partei, sondern eher eine Subkultur, eine Spaßpartei…ach ja, das ist ja die FDP schon… eine Facebookpartei. Das was die Piraten machen ist doch keine ernst gemeinte Bewegung. Die wollen doch nicht das System ändern und selbst dann hätten sie von vorn herein keine Chance gehabt. Warum? Weil es keine Möglichkeit gibt, über ein bürgerliches Parlament, innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft, die Regeln und somit das System zu ändern. Das haben Die Grünen und Die Linken vorher schon versucht. Beide Parteien sind gescheitert. Eine Partei in der bürgerlichen Gesellschaft, die in das Parlament einzieht, wird entweder durch die etablierten Kräfte dazu gezwungen nach den Regeln zu spielen, sie wird korrumpiert, oder sie wird ganz einfach heraus gedrängt. Nicht die Parteien bestimmen das politische Geschehen und entscheiden über Gesetze, sondern ihre Gönner. Innerhalb eines kapitalistischen Systems entscheiden die wirtschaftlich stärksten Kräfte und lobbyistisch am besten vernetzten Systeme über alles was im Land geschieht. Die Parteien sind dem Treiben unter geordnet und wer nicht mit macht, der bekommt auch keine Macht und wird am Ende mundtot sein.
    Von innen heraus kann man diesen Fein leider nicht zersetzen, dieses Thema wurde auch schon hart in der DKP diskutiert, auch diese stellt sich ja zur Wahl…sehr unsinnig, wie ich meine.

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