Protokoll zur Occupy Berlin Hauptversammlung und Diskussion am 02.06.2010

4. Juni 2012 in Protokolle

Was wollen wir in der Occupy Bewegung? – Selbstreflexion, Ausblicke und Ziele

2. Juni 2012, 14-19 Uhr, KunstWerke, Auguststraße 69
ca. 40 Teilnehmer_innen
Thematische Anschlussveranstaltung: 5. Juni 2012, ab 18 Uhr, KunstWerke

[English Version Below]
Transcript of the General Assembly and discussion
What do we want in the Occupy Movement? – self reflection, prospects and aims
2nd June 2012, 2-7 pm, Occupy Hall at KunstWerke, Auguststraße 69
ca. 40 participants
Thematically connected event: 5th June 2012, 6pm, Kunstwerke

Zunächst wurden mögliche Themen gesammelt und mithilfe des Systemischen Konsensierens
(Infos zur Methode: www.sk-prinzip.eu) folgende Prioritätenliste erstellt:

1. Nahe und ferne Ziele der Bewegung im allgemeinen
2. Was kommt nach der Biennale?
3. Was könnte die nächste große Aktion nach Blockupy Frankfurt sein?
4. Vernetzung mit anderen Gruppen und Initiativen in Berlin
5. Selbstreflexion: wo stehen wir und wie geht es uns?
6. Demo gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) am 8. Juni
7. Unzufriedenheit mit der Entwicklung des Raumes in der Biennale
8. Gewalt im Zusammenhang mit Kunst im öffentlichen Raum
9. Occupy als dezentrale Bewegung
10. Systemisches Konsensieren
11. Update Info-AG

1. Thema: Nahe und ferne Ziele der Bewegung im allgemeinen

Einführung in das Thema:
Ein Teilnehmer kommt im Rückblick auf die letzten 6-12 Monate zu dem Schluss, dass sich
vieles aus dem Bauch heraus entwickelt hat, was einerseits zu wertvollen Erfahrungen geführt
hat, andererseits aber manchmal ein wenig in ziel-/strukturlosen Aktionismus ausgeartet ist.
Blockupy Frankfurt hat gezeigt, dass man viel erreichen kann, wenn man sich auf strategische
Ziele fokussiert.
Was können unsere Ziele für die nächste Zeit sein?
Der Verfahrensvorschlag, eine Runde zu machen, in der sich alle Teilnehmer_Innen dazu
äußern können, wurde nach positivem Stimmungsbild (ein Einwand, kein Veto)
angenommen.
Ergebnisse der Runde:
(Stichpunktartig ohne Gewähr auf Vollständigkeit)
- durch verbesserte Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen mehr Transparenz und
Übersicht über die zahlreichen dezentralen Einzelaktionen erlangen
- Struktur der Asambleas verbessern und umsetzen; mehr (überregionale) Asambleas; bessere
internationale Vernetzung
- Menschen darüber informieren, was schief läuft, indem eigene Informationsportale
geschaffen und ausgebaut werden, Ausstieg aus der Nutzung von Facebook
- Einsetzen für die tatsächliche Versammlungsfreiheit bei Aktionen im öffentlichen Raum;
Schutz der Privatsphäre im Internet
- Politisierung und Mobilisierung: Wahrnehmung der eigenen Person als politisch und
gesellschaftlich selbstwirksames Subjekt, Bewusstsein für die eigenen Ressourcen und deren
Nutzung für die gemeinsame Sache; anderen diese Sichtweise anbieten
- statt gegenseitiger Konkurrenz und Geringschätzung lieber Kooperation/gegenseitige
Ergänzung und Wertschätzung von solchen Menschen die lieber theoretisch an inneren
Strukturen arbeiten wollen und solchen Menschen, die lieber praktisch Aktionen nach außen
tragen wollen. Außerdem von solchen Menschen, die große freie (Zeit-/Kraft-)Kapazitäten für
die Occupy Bewegeung haben und solchen, die aufgrund ihrer Lebenssituation nur kleinere
(Zeit-/Kraft)Kapazitäten haben.
- Gemeinschaft schaffen, in der Menschen sich wertschätzen und geben lernen; auch als
Auffangbecken nach einem möglichen Crash
- patriarchale Strukturen überwinden; Einheit von Kunst, Politik und Wissenschaft; Talente
entwickeln und fördern; Befreiung des menschlichen Herzens
- Die Bewegung auf eine breitere Basis stellen; mehr Beteiligung der bisher noch nicht
angesprochenen Teile der Bevölkerung fördern; Kontakt zu Menschen aufbauen, die an einer
anderen Gesellschaft bereits arbeiten oder sich dafür interessieren (z.B. Aktion der
Mieter_innengesellschaft Kotti&Co am Kottbusser Tor, Camp in der Cuvrystraße)
- Kapitalismus (erst im eigenen Leben und perspektivisch in der Gesamtgesellschaft )
abschaffen; Alternativen zum Kapitalismus aufzeigen und leben (z.B. Hausprojekte);
gerechteres Finanzsystem bzw. Komplementärwährung, mehr Transparenz im bestehenden
System, Friedenssteuer auf Waffen
Resümee:
Die Ziele, Ansatzpunkte und Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer_innen weisen
teilweise große Schnittmengen auf oder treffen auf Zustimmung. Daraus könnte/sollte
konkrete Zusammenarbeit und gemeinsames Handeln entstehen!
2. Thema: Was kommt nach der Biennale? und
3. Thema: Was könnte die nächste große Aktion nach Blockupy Frankfurt sein?
(Aufgrund eines positiven Stimmungsbilds wurden die Punkte 2 und 3 zusammen behandelt.)
Sammlung von Vorschlägen:

- Aktionen wie in Frankfurt und Düsseldorf auch für Berlin planen; Berlin dabei als
politisches Zentrum nutzen
- Bereitschaft und Lust auf Teilnahme an Demos etc. fördern und mehr Öffentlichkeit
herstellen, indem Themen und Inhalte durch Aktionen auf die Straße gebracht werden
- Gemeinsames Arbeiten nach der Biennale um zu zeigen: Occupy lebt u. hat Themen!
- Dezentrale Netzwerke und Asambleas in den Kiezen weiterentwickeln, um weitere
Themen zu finden; frei nach dem Motto „TV aus und raus!“
- Bürgerforum fordern und/oder Biennale ggf. länger besetzen, falls Forderung erfolglos
bleibt
(Der Vorschlag, die Biennale zu besetzen, wurde kontrovers diskutiert. Einwände waren: es
ist illegal und zumindest sehr respektlos den Gastgebern gegenüber; der Ort hat keine
politische Symbolik und wir sollten uns einen geeigneteren suchen.
Resümee/weiteres Vorgehen:
Es herrschte Einigkeit darüber, dass die oben angeschnittenen Themen so wichtig sind, dass
sie mit neuer Konzentration auf einer weiteren Asamblea vertieft und weiterentwickelt
werden sollten.


Für die Asamblea am Dienstag den 5. Juni 2012 um 18 Uhr haben drei bis vier
Teilnehmer_innen zugesagt, dieses Protokoll in den wesentlichen Punkten vorzustellen und
dazu anzuregen, aufbauend auf Thema 1 (individuellen/gemeinsamen Ziele) nun weiter an
den Theman 2 und 3 zu arbeiten:
- Wie geht es in der 2. Hälfte der Biennale weiter?
- Wie geht es nach der Biennale weiter?
Genereller Vorbehalt bei weiteren Plänen für die Etablierung eines neuen Forums oder
dauerhaften Ortes für die Bewegung:
Momentan drückt mehr Last auf die Schultern weniger Leute, als diese fähig und
willens sind, dauerhaft zu tragen! Wo auch immer wir hingehen, muss eine
ausgeglichenere und breiter angelegte Belastungsverteilung gewährleistet werden: wer
übernimmt welche Verantwortung und wer hat welche Ressourcen für anfallende
Aufgaben?
Falls diesem Vorschlag am Dienstag nicht genug Raum gegeben werden sollte, werden wir
über die Einberufung einer Sonderasamblea zu dem Thema nachdenken.
(Deutsche Version: Alexandra, Andreas und Vera)

 

[English Version]

Transcript of the General Assembly and discussion
What do we want in the Occupy Movement? – self reflection, prospects and aims


2nd June 2012, 2-7 pm, Occupy Hall at KunstWerke, Auguststraße 69
ca. 40 participants
Thematically connected event: 5th June 2012, 6pm, Kunstwerke
At first we collected possible topics and prioritized them by using the method of Systemic
Consening:
1. Short-term and long-term aims of the movement in general
2. What happens after the Biennale?
3. What could be the next big action after Blockupy Frankfurt?
4. Networking with other groups and initiatives in Berlin
5. Self reflection: what’s our status quo und how do we feel about it?
6. Demonstration against the European Stability Mechanism (ESM) on 8th June
7. Dissatisfaction with the development of the Biennale rooms
8. Violence in connection with art in public spaces
9. Occupy as a decentral movement
10. The method of Systemic Consensing
11. Update Info Working Group (Info-AG)
12. topic: Short-term and long-term aims of the movement in general
Approach to the topic:
Looking back over the last 6-12 months, a participant comes to the conclusion that many
things developed intuitively/off the top of our heads, which lead to many valuable experiences
but sometimes also to a kind of actionism that lacked aims and structure. Blockupy Frankfurt
has shown that we can achieve a lot when we focus on strategic aims.
What could be our aims for the time coming?
The proposal to let everyone explain their personal aims briefly was broadly accepted in a
‘mood picture’ (one objection, no veto)
Results of the questioning:
(skeletal without guarantee for completeness)
- achieve more transparency and a better overview over the numerous decentral single actions
by improving our communication and networking structures
- improve the structure of the Asambleas and apply those improvements, more supraregional
Asambleas; improved international networking
- inform people about what goes wrong by creating and developing our own information
portal and stopping to use facebook
- fight for the actual freedom of assembly when acting in public spaces; protection of our
privacy while using the internet
- politicization and mobilisation: percepting ourselves as politically and socially active
subjects; awareness of our own resources and usage for our common aims; encourage others
to share this perspective
- instead of competition and mutual disparagement we need to promote cooperation and
mutual esteem between people wo prefer to work theoretically on inner structures and people
who prefer to work practically by acting outside. And also between people who have big
capacities (of time and power) for the Occupy Movement and people who have only smaller
capacities (of time and power) due to their life situation.
- Create a society in which people hold each other in high esteem and learn to give; being a
‘collecting tank’ after a possible crash
- overcome patriarchal structures; unity of art, politics and science; develop and support our
personal talents, liberation of the human heart
- rest the movement on a broader base; more participation of those parts of our society that
don’t feel adressed by us yet; contact people who already work on a different society or are
interested in this topic (e.g. action of the ‘Mieter_innengesellschaft Kotti&Co’ (union of
tenants) at Kottbusser Tor, camp at Cuvrystraße)
- abolish capitalismus (first in our own lives and perspectively in the whole society); show
and live alternatives to capitalism (e.g. housing projects), fairer financial system or
complementary currency; more transparency in the existing system; peace tax on weapons
Résumé:
The aims, starting points and needs of the individual participants partially have big
intersections or are agreed with. From those common grounds we could/should develop
cooperations and common actions!
2. topic: What happens after the Biennale? and
3. topic: What could be the next big action after Blockupy Frankfurt?
(Due to a positive mood picture the topics 2 and 3 where dicussed together)

 

Collection of proposals:
- actions like the ones in Frankfurt and Brussels could also be planned for Berlin as the
political centre of Germany
- bring demonstrations etc. to public attention and increase the willingness to participate
by taking topics and contents ‘outside on the streets’ by actions
Continue working together after the Biennale to show: Occupy is still alive and has
got topics!
- Decentral networks and Asambleas in several districts of Berlin, to find further topics;
Motto: ‘Turn off the TV and come outside!’
- demand a ‘Bürgerforum’ (town hall meeting) and/or occupy the Biennale for even
longer than offered, if our demands should be without success
(The proposal to occupy the Biennale for even longer than offered was discussed
controversial. Objections: It is illegal and at least disrespectful towards our hosts; the place
has no political symbolism and we should watch out for a more suitable place.
Résumé/further action:
We all agreed that the topics discussed above are of such importance that they should be
developed and discussed in more detail on a follow-up Asamblea with new concentration.


For the Asamblea on Tueasday 5th June 2012, 6pm 3 to 4 participants have assured to
present this transcript briefly and then propose to work together on the topics 2 and 3 in more
detail, thereby building up on topic 1 (individual/collective aims):
- How to move on in the 2nd half of the Biennale?
- How to move on after the Biennale?
General proviso for any further plans about the establishment of a new forum a permanent
place for the movement:
At the moment very few people bear more weight on their shoulders that they are able
and willing to bear in the long run! Wherever we go, we have to ensure a more balanced
distribution of those burdens. Who will take on which responsibilities and who has got
which resources to take on which jobs?
Should we feel that our proposal is not being given enough space for discussion on Tuesday,
we will think about a special asamblea for this topic.
(English Version: Vera)

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