Occupy yourself. Occupy together. 
Eine andere Welt ist möglich.

7. Juni 2012 in Blog - alle Themen

Die Mächtigen werden immer mächtiger, die Reichen immer reicher und die Wirtschaftsgrößen immer größer. Wir hier – in den sogenannten zivilisierten Welten – schauen ohnmächtig zu, wenden uns frustriert ab oder sind schon lange Mittätern und Komplizen geworden, die sich tagtäglich betäuben, weil sie innerlich genau wissen, dass sie sich dem Unrecht angeschlossen haben… Über 5 Milliarden Menschen träumen von einem besseren Leben. Oft träumen diese Menschen von einem Leben, wie wir es hier in Europa führen. Die Menschen, die träumen, sind nicht nur die Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, mit weniger Einkommen als 1$ am Tag, es sind auch die aufstrebenden Mittelschichten, die von mehr Lebensstandard träumen. Und dieser „Way of Life“ besteht aus Konsum: moderne Kleidung, Kühlschrank, Smartphone, Fernseher, eine Wohnung mit fließendem Wasser, einem eigenen Auto und auch täglich Fleisch auf dem Teller.

Leider bietet unsere „zivilisierte“ Welt kein Lebenskonzept , das nachhaltige und im Einklang mit der Natur funktioniert… unser „Way of Life“ besteht aus Ausbeutung und Zerstörung, mit einer fast perfekten multimedialen Tarnung, das alles in Ordnung ist und wir alles unter Kontrolle hätten.
Doch dieser konsumorientierte Lebensstandard ist verantwortlich für immer mehr Leid, Zerstörung und Mord auf der Welt. Lange haben wir in den reichen Ländern auf Kosten der Welt unseren Reichtum gemehrt und haben unsere Gesellschaft immer weiter, schneller und höher entwickelt, wir haben alles genommen und erobert, was unserem Wachstum und unserem Fortschritt gedient hat. Schon der Konsum der privilegierten 1 Milliarde Menschen auf unserem Planeten Erde, und die vorangegangene Rohstoffgewinnung, Produktion und Transport sowie die Entsorgung nach dem Konsum verursachen so viele massive Probleme, dass es unmöglich ist, diese Entwicklung der Menschheit so fortzuführen… Wir befinden uns gedanklich in einer Fortschritts- und Konsumfalle. Und mit diesem vernebelten Geist, rasen wir als Menschheit auf den Abgrund zu. Mit Höchstgeschwindigkeit.

Die Abholzung der Regenwälder, die industrielle Hochseefischerei und damit verbundene Ausrottung der Fischbestände, die Verbrennung der fossilen Rohstoffe und unsere Alternativlosigkeit bei der Energieversorgung, die Abhängigkeit von Öl in der Landwirtschaft, die Zerstörung von altem Wissen der indigenen Kulturen, die Ausbreitung von Hunger und auf der anderen Seite des Planeten die Ausbreitung von diversen Zivilisationskrankheiten durch industrielle Nahrungsmittel…
Doch was ist die innere Realität der Menschen Angesicht dieser katastrophalen Entwickung? Egoismus, Gier, Unwissenheit, Machtlosigkeit, Angst, Depression, … und nur wenig Empörung oder Wut… Immer mehr Menschen werden arm, krank und fallen durch die sozialen Netze. Immer mehr Menschen versuchen rücksichtslos oder mit letzter Kraft nach oben zu kommen, um nicht unterzugehen. Es sind sind nur wenige, die recherchieren, aufklären oder in den Widerstand gehen.
Und die Realität unseres Planeten? Massive Umweltbelastungen, Raubbau, Zerstörung von Lebensräumen, Ausrottung von Pflanzen- und Tierwelten, Wasserknappheit, Wüstenbildung, Verlust von Biodiversität, globale Erwärmung und Anstieg des Meeresspiegels.
Und unsere Gesellschaft ist krank: Gewalt und Straftaten steigen an, Gefängnisse sind übervoll, Schulden wachsen, steigende Arbeitslosigkeit, wachsende Obdachlosigkeit, Zivilisationskrankheiten breiten sich aus, immer mehr Menschen sind chronisch krank oder drogenabhängig (nicht Canabis oder harte Drogen, sondern staatliche Drogen wie Nikotin, Alkohol und Arzneimittel), immer mehr Menschen haben sich aufgegeben und sitzen entweder wie Zombies von dem Bildschirm oder arbeiten wie Zombies in 2-3 Jobs und sehen das Leben an sich vorbeilaufen… während sie versuchen in dem Konsumkarussell ein Stück vom Kuchen abzubekommen, um ein kleines bisschen Glück zu spüren…
Und in den Schwellenländern und in der dritten Welt, ist es immer mehr eine Frage des nackten Überlebens… und keine Frage mehr, sein Leben zu gestalten.
Die Traditionen sind fast verloren gegangen, die alten Kulturen können keinen Schutz und keine Lebenskonzepte mehr bieten, denn die Globalisierung der Konzerne breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus und dominiert mit ihrem kapitalistischen System mittlerweile auch den letzten Winkel dieser Welt. Jahrtausendaltes Wissen der indigenen Völker, wie wir im Einklang mit der Natur leben können und die Geschenke von Mutter Erde genießen können, sind bewusst zerstört worden. Und immer weiter greifen globale Konzerne nach den Lebensräume jahrtausendalter Kulturen im Südamerika, Afrika oder Asien.

Zusammengefasst: der schöne Schein unserer fortschrittlichen Welt ist eine Lüge, die Gesamtsituation der westlichen „zivilisierten“ Gesellschaft ist nicht nur (selbst)zerstörerisch sondern auch existenzbedrohend für unzählige Tier- und Pflanzenwelten. Wir sind vor lauter Gier und Egoismus zu einer Spezies mutiert, die ihren eigenen Lebensraum zerstört. Wir leben nicht mehr im Einklang mit dem Planenten, sondern zerstören in unserer blinden Sucht nach Profit die Lebensräume und -systeme dieses Planeten, die in Millionen von Jahren in einem fragilen und komplexen System – wie ein Wunder – entstanden sind. 

Das kapitalistische Denk- und Wirtschaftssystem ist verantwortlich für die Bedrohung der Menschheit. Der Kapitalismus tötet nicht nur Millionen Menschen durch Ausbeutung, Krieg, dreckiges Wasser oder Hunger – sondern bedroht unsere Menschheit als Ganzes.
Wir hier im Europa und Amerika haben noch die Möglichkeit etwas zu ändern, denn hier bei uns liegen die Ursachen und hier liegt die Verantwortung für dieses Monster, das wir geschaffen und das wir Kapitalismus getauft haben. In Nordamerika, Europa, Russland, China, Indien, Japan und Australien liegen die Machtzentren der Banken und Wirtschaftskonzerne, die über ihre Lobbyarbeit die Politik beeinflussen und teilweise direkt steuern. Hier werden die Entscheidungen getroffen, die unsere Menschheit und die Lebensräume betreffen.
Diejenigen die um diese Dinge wissen bleiben verschwiegen oder sind noch hilflos in ihrem Protest. Zu viele Mitwisser, Mittäter und Entscheider in Wirtschaft und Politik sind abhängig von ihrem egoistischen Erfolg, ihrer selbstbezogenen Gier – sie verhalten sich wie Süchtige, bei denen die Zukunft ausgeblendet scheint, Hauptsache sie bekommen ihren nächsten „Schuss“. Koste es was es wolle. Sie zerstören sich selbst und ihre Umwelt. Trotz aller Warnungen von Wissenschaft und Autoren sowie Aktivisten kommen sie nicht zur Vernunft… sie machen weiter und bekämpfen mit ihren Armeen, Geheimdiensten, Polizei, Bildungseinrichtungen und Medien die Wahrheit und erschaffen eine Illusion, die Milliarden Menschen einschläfert und kontrolliert.
Doch immer mehr Menschen sind diese Zusammenhänge sichtbar. Und auch die Fakten lassen sich längst nicht mehr als „Verschwörungstheorien“ oder „Öko-Panik“ lächerlich machen oder leugnen. Sie engagieren sich in Bürgerinitiativen, ausserparlamentarischen Demokratiebewegungen, Anti-Globalisierungsgruppen, NGOs für Umwelt, Tiere oder Menschenrechte, bauen unabhängige Kommunikationsmedien und -kanäle auf oder beginnen Alternative Lebensräume mit autarker Versorgung aufzubauen.

 
Es gibt also noch Hoffnung. Und eine andere Welt ist möglich.

 

Nach dem arabischen Frühling und den Besetzung von öffentlichen Plätzen in Israel, Griechenland und Spanien wurde durch Occupy Wall Street das erste Mal das System des Kapitalismus an sich zum Ziel des Protestes. Und dieser Protest hat sich im Herbst 2011 auf der ganzen Welt ausgebreitet. In über 1000 Städten haben über eine Million Menschen gegen die Macht der Banken und die Unmenschlichkeit der Politik protestiert. Und immer mehr Menschen sehen in dem kapitalistischen System, die Ursache unserer weltweiten Probleme.

 

Es ist die weltweite Empörung gegen das System als Ganzes. Es stellt sich die Frage: Was kann ich als einzelner tun. Wie kann ich etwas bewegen?

 

Der Schlüssel liegt in Dir. Die Occupy Bewegung hat im September 2011 in New York City begonnen und hat einige Ideen, Methoden und Aktionsformen vieler vorangegangener Bewegungen aufgenommen, integriert und verfeinert: das Human Mic, die Handzeichen der Asamblea, die Generalversammlung im Konsens, Zelten als Protestform, horizontale Organisationsform, dezentrale Informations Knotenpunkte, ziviler Ungehorsam und Aktionstechniken u.v.a.

 

Hier liegen alle Schlüssel verborgen, die uns eine Chance bieten,mit unserem Protest die Menschen zu berühren, Achtsamkeit zu schaffen, gemeinsam zu agieren. Damit wir die Katastrophe für unsere Menschheit abwenden können, damit wir die Dinge nachhaltig verändern können.

 

Es liegt in jedem von uns verborgen, seine Entscheidung zu treffen, nicht mehr länger untätig zu sein, sondern aktiv zu werden. Occupy bietet alles, für einen friedlichen und nachhaltigen Protest, sowie die Schaffung von neuen Entscheidungsbildungen, die im Sinne aller Beteiligen sind: Vielfalt und das Recht auf individuelle Entfaltung, gegenseitige Unterstützung, Wahrheit, Vertrauen und Echte Demokratie.

 

In diesem Sinne: Occupy yourself. Occupy together. Eine andere Welt ist möglich.

 

Quelle: http://occupydeutschland.tumblr.com/post/24601436620/occupy-yourself-occupy-together

1 Antwort auf Occupy yourself. Occupy together. 
Eine andere Welt ist möglich.

  1. Doku auf ARTE +7: http://videos.arte.tv/de/videos/endstation_fortschritt_-6703188.html

    ENDSTATION FORTSCHRITT?

    Bedeutet Fortschritt zwangsläufig Verbesserung? Kann der menschliche Verstand die schnellen technologischen Veränderungen der letzten Jahrhunderte überhaupt erfassen? Ist weiteres kontinuierliches Wachstum anzustreben? Oder lauten die Schlagworte für die nächsten Jahrzehnte nicht eher sparen, reduzieren, den Konsum einschränken? Dazu äußern sich in dem Dokumentarfilm von Mathieu Roy und Harold Crooks Wissenschaftler, Philosophen, politische Aktivisten, ehemalige Finanzmanager und international anerkannte Forscher.
    Die Autoren berufen sich auf den Bestseller des kanadischen Wissenschaftspublizisten Ronald Wright “Eine kurze Geschichte des Fortschritts”. Wrights zentrale These lautet, die Zivilisationen seien eine nach der anderen in die “Fallen des Fortschritts” getappt und dabei vernichtet worden. Unter “Fallen” versteht er den unwiderstehlichen Sog neuer Technologien, die zwar unmittelbare Bedürfnisse befriedigen, aber längerfristig die Zukunft belasten. Mit Blick auf die Erschöpfung der Naturvorkommen, auf Überbevölkerung, Versteppung sowie ökologische und ökonomische Katastrophen stimmen manche Philosophen in Wrights Alarmruf ein, andere vertrauen darauf, dass der Fortschritt die Menschheit nicht nur bedroht, sondern auch eine gegenteilige Rolle als wichtiger Überlebensfaktor spielt. Der Kosmologe Stephen Hawking zieht die Besiedlung anderer Planeten in Erwägung. Der Biologe Craig Venter, dessen Team das menschliche Erbgut entschlüsselt hat, entwirft synthetische Organismen, die – so hofft er – Nahrung und Kraftstoff für alle produzieren können.
    Dem hält der Professor für Umweltwissenschaften Vaclav Smil entgegen, dass fünf Milliarden arme Menschen auf der Erde davon träumen, Zugang zum Wohlstand zu bekommen. Sein Fazit: Wenn wir dem Ressourcen- und Energiekonsum der Industrieländer keine Grenzen setzen, steuern wir auf eine Katastrophe zu. Die Primatologin Jane Goodall, die Schriftstellerin Margaret Atwood und Aktivisten aus dem Kongo, aus Kanada und den USA dagegen hoffen auf den menschlichen Erfindungsreichtum und die Entwicklung eines ethischen Bewusstseins.
    (Kanada, 2011, 86mn)
    ARTE F

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