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Erster vorläufiger Entwurf als Beispiel für eine Vorlage(!): Erklärung der Menschen vom Alexanderplatz

21. April 2012 in Blog - alle Themen

Dieser Entwurf steht in direktem Zusammenhang mit dem Vorschlag zum Prozedere. Bei den Formulierungen habe ich daher versucht, möglichst einfach Sätze in einer klaren Sprache zu finden und breite Zustimmungsfähigkeit zu antizipieren.

Persönlich würde ich vieles ganz anders formulieren ,aber es sollte eben meines Erachtens relativ allgemein gehalten werden, es ist auch nur als ein Anfang zu verstehen.

Es ist eben mehr eine vorläufige aber deutliche ‚Standortbestimmung’, konkrete ‚realpolitische’ Forderungen (Finanztransaktionssteuer, Grundeinkommen, Mindestlohn etc.) habe ich komplett rausgelassen und würde auch vorschlagen, es so zu belassen, da es dazu ganz andere Diskussionsprozesse braucht und gleichzeitig ein Fass aufgemacht würde, was alles rein soll.

Es sind Teile aus dem Spanischen Manifest übernommen, manche in leicht abgeänderter Form. Wichtig finde ich auch den ‚historischen Bezug’ zur ‚globalisierungskritischen Bewegung’, den ich mit dem Satz 24 versucht habe, herzustellen.

Von besonderer Bedeutung ist der einleitende und der abschließende Teil, sie sollten so formuliert sein, dass eine Veto-Position nicht möglich erscheint, damit sie schnell und einstimmig angenommen werden können.

Im mittleren Teil gilt es, Haltungen zu bestimmten Bereichen/Problemen auszudrücken. Detaillierte Zusammenhänge zu beschreiben – wie im spanischen Manifest –, ist (glaube ich) mit der vorgeschlagenen Prozedur unmöglich, wenn es Minimalanforderungen an Authentizität behalten soll, es soll ja eine ‚gemeinsame’ Erklärung werden.

Nichts desto trotz sollte klare Aussagen zu den herrschenden Verhältnissen getroffen werden, sympathisch wird es, wenn wir unsere eigenen Unzulänglichkeiten dabei offen legen, siehe Satz 22.

Zudem könnten im Mittelteil auch verschieden Formulierungen zur Abstimmung gestellt werden, also wie radikal es ausgedrückt werden sollte (Beispiel: ‚wir wünschen uns’ oder ‚wir kämpfen dafür’).

Je nach Zustimmung können hier auch verschiedene Formulierungen gewählt werden [Beispiele im Text], genauere Bestimmungen des ‚WIR(eine Mehrheit etc.)’ sollten in der Debatte zur Prozedur erfolgen, sollte diese Vorlage inhaltlich diskutiert werden, macht es Sinn zunächst nur mit dem ‚Wir’ zu arbeiten.

Es gäbe sicherlich noch vieles mehr in der Erklärung zu sagen, allerdings scheint es mir fast jetzt schon etwas lang, wenn man das Zustimmungsprozedere im Auge behält…

So jedenfalls ergibt sich dieser Vorschlag:

 

ERKLÄRUNG:

01Wir sind normale Menschen,

02Wir sind wie du: Menschen, die morgens aufstehen, um studieren zu gehen, zu arbeiten, ob in einer Firma oder zu Hause, oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden, manche von uns sind einsam.

03Einige von uns bezeichnen sich als fortschrittlich, andere als konservativ.

04Manche von uns sind gläubig, andere wiederum nicht.
05Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch.

06Unsere gemeinsame Erklärung heute hebt diese Unterschiede nicht auf, wir bleiben ein bunter Haufen aus einzigartigen Individuen

07Wir respektieren und ja, wir schätzen diese Vielfältigkeit in unserer Bewegung.

08Uns eint, dass wir alle besorgt und wütend sind, wegen der herrschenden Verhältnisse.

09Deshalb sind wir heute auf dem Alexanderplatz zusammengekommen, um diesen Gefühlen eine Ausdrucksform zu geben.

10Wir machen das in einer globalen Bewegung, weil zeitgleich mit uns, sich auf der ganzen Welt Menschen versammeln, und sich mit uns in diesem Protest verbinden.

11Und wenn wir uns zusammen tun, können wir auch etwas bewegen.

12Und wenn wir uns bewegen, können wir auch etwas verändern.

13Dafür ist jetzt die Zeit gekommen, wir wollen miteinander eine andere, eine bessere Gesellschaft aufbauen.

[Einleitung ende]

14Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) kommen/(kommt) heute zusammen, um zu zeigen, dass wir uns (sie sich) durch die Politik, durch die repräsentative Demokratie nicht (mehr) vertreten fühlen/ repräsentiert werden.[Beispiel: ca. 80% Zustimmung bei ca. 0%Veto]

15Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) wollen/ (will) nicht länger hinnehmen, dass wirtschaftliche Interessen über das Wohlergehen von uns Menschen gestellt werden. [Beispiel: ca. 75% Zustimmung bei ca. 5%Veto]

16Das bezieht sich nicht nur auf uns Menschen in Berlin oder Deutschland, wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) wollen/ (Will), dass die Rechte von allen Menschen auf der Welt gleichermaßen geachtet werden.

17Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) wehren uns/ (wehrt sich) in diesem Sinne auch gegen die Herrschaft der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF, die heute fernab jeglicher demokratischer Legitimation die Politik beispielsweise in Griechenland diktiert.

18 Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) solidarisieren uns/ (solidarisiert sich) mit den Protesten und Kämpfen gegen solche unterdrückerische Herrschaft, egal ob sie durch supranationale Institutionen oder nationale Regime ausgeübt wird.

19Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) sind/ (ist) nämlich der Überzeugung, dass es genug für Alle gibt und es somit vor allem Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen gilt.

20Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) sind/ (ist) der Meinung, dass – neben Herrschaft – vor allem die kapitalistische Logik des Wirtschaftens Ungerechtigkeit produziert und überwunden werden muss.[Beispiel: ca. 60% Zustimmung bei ca. 20%Veto]

21Und wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) werden/ (wird) es nicht länger hinnehmen, dass alle Lebensbereiche zu Märkten umfunktioniert werden. Wir sind keine Waren, kein Humankapital und keine Arbeitskraft, wir sind Menschen, die mit ihrer Gesundheit, ihrer Bildung und besonders ihrer Kultur keinen Handel betreiben wollen.

22Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) werden uns/ (wird sich) das Recht zum Protest nicht nehmen lassen, auch wenn wir noch nicht ganz genau wissen, wie wir uns anders organisieren wollen.

23In diesem Sinne werden wir/ (wird eine große/ Mehrheit von uns) weiter daran arbeiten, Werte wie ‚echte Demokratie’, Menschenrechte, globale Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und nicht zuletzt Solidarität mit Inhalten zu füllen und zum Ziel unserer Bewegung zu machen.

24Wir/ (Eine große/ Mehrheit von uns) werden/ (wird) also weiterhin fragend voranschreiten, weil eines fest steht: Eine andere Welt ist möglich.

[abschließender Teil]

25Diese Erklärung ist inspiriert vom ‚Spanischen Manifest’, sie wurde in einem vierwöchigen Prozess von rund 50 Menschen vorbereitet und heute nach einem Zustimmungsverfahren von über xxxxx Menschen verkündet.

26Auch wenn dieses Prozedere unseren eigenen Ansprüchen an ‚echte Demokratie’ noch lange nicht genügt, und wir inhaltlich noch vage bleiben, konnten wir uns so immerhin gemeinsam erklären.

27Wir verstehen dies als einen Anfang, miteinander in direkten Austausch zu treten und gemeinsame Verständigungsprozesse einzuüben.

28Für unsere zukünftigen Zusammenkünfte arbeiten wir daran, noch breitere, offenere partizipative Verfahren zu entwickeln, und konkretere Alternativen benennen zu können.

 

12. Mai 2012, die Menschen vom Alexanderplatz.

4 Antwort auf Erster vorläufiger Entwurf als Beispiel für eine Vorlage(!): Erklärung der Menschen vom Alexanderplatz

  1. So wenig ich an dem Text auszusetzen habe, so sehr sagt mir mein Bauchgefühl, dass die eingeplanten 50min NIE UND NIMMER ausreichen um sich halbwegs akzeptabel-demokratisch auf so viel text zu einigen. Ich erinnere mich an eine asamblea auf der wir an einem text der kürzer und vom groben Inhalt ziemlich konsensfähig war, bis um 2 Uhr nachts gesessen haben. Man kann das ganze sicher in 50 Minuten durchpeitschen, aber dann kann nicht von einer fairen, gleichberechtigten Beteiligung an der Erstellung des Textes gesprochen werden (sofern sowas überhaut möglich ist). Schwere, die Grenze zum Veto streifende, Bedenken!

  2. Hallo Zusammen,
    erstmal Danke für die Arbeit.
    Dennoch würde ich mich den Bedenken von hangoerdt anschließen und um die Frage der Notwendigkeit ergänzen !
    Warum soviel Text mit soviel Potential für Energie zehrene Debatten, ich würde mich schon bei dem ersten Satz ausgeschlossen fühlen, wem dient das Konzept Normalität? In Spanien wurde das Manifest heftig kritisiert und diente auch hierzulande häufig um die Bewegung auseinanderzunehmen. Klar, geht es darum viele bissher nicht Aktive zu mobilisieren, aber wieviel Anpassung ist möglich ohne an Biss zu verlieren? Ich finde z.B. diesen Text genial in seiner Prägnanz: http://de.indymedia.org/2012/02/324236.shtml weniger ist mehr, weder fortschrittlich noch konservativ, da schwingt ein neuer Geist mit, den es zu stärken gilt, ich fände es super diesen Text als Grundlage und Inspiration zu nutzen.
    Lieben Gruß,
    H.

  3. ich schließe mich an, danke für die Arbeit….
    den 1. Satz würde ich weglassen, er ist banal, im 2. ist das Zugehen auf den/die anderen ja schon enthalten. Als auf Konsens gerichtetes Papier ok, etwas schärfer -ich weiß da fangen dann die Diskussionen wieder an- könnte er m.E. gefasst sein. lg

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