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DON’T FALL IN LOVE WITH YOURSELVES, said Slavoj Zizek

22. März 2012 in Blog - alle Themen

Another very interesting aspect of Slavoj Zizek’s speech at Zuccotti Park in October 2011:
Don’t fall in love with yourselves.
(I’m sorry, I can’t find these Abschnitte anywhere in German so please try to get it in English, it’s quite easy to understand.)
So: Lassen wir uns nicht ablenken, nicht zerstreuen, nicht verrennen, nicht korrumpieren.
Wir sind die, auf die wir gewartet haben. Und wir wollen unsere Verantwortung zurück. Danke schön.

DON’T FALL IN LOVE WITH YOURSELVES
aus Slavoj Zizeks Rede im Zuccotti Park, New York, Oktober 2011

(…)
There is a danger. Don’t fall in love with yourselves. We have a nice time here. But remember: carnivals come cheap. What matters is the day after. When we will have to return to normal life. Will there be any changes then? I don’t want you to remember these days, you know, like, “Oh, we were young and it was beautiful.” Remember that our basic message is: We are allowed to think about alternatives. If the rule is broken, we do not live in the best possible world. But there is a long road ahead. There are truly difficult questions that confront us. We know what we do not want. But what do we want? What social organization can replace capitalism? What type of new leaders do we want?
Remember: the problem is not corruption or greed. The problem is the system. It forces you to be corrupt. Beware not only of the enemies, but also of false friends who are already working to dilute this process. In the same way you get coffee without caffeine, beer without alcohol, ice cream without fat, they will try to make this into a harmless moral protest. A decaffienated protest. But the reason we are here is that we have had enough of the world where to recycle Coke cans, to give a couple of dollars for charity, or to buy a Starbucks cappuccino where one percent goes to Third World starving children is enough to make us feel good. After outsourcing work and torture, after marriage agencies are now outsourcing our love life, we can see that for a long time, we allowed our political engagement also to be outsourced. We want it back.
(…)
So all we need is patience. The only thing I’m afraid of is that we will someday just go home and then we will meet once a year, drinking beer, and nostalgically remembering “what a nice time we had here”. Promise yourselves that this will not be the case. We know that people often desire something but do not really want it. Don’t be afraid to really want what you desire.

Der ganze Text als Video und Transkript:
http://occupywallst.org/article/today-liberty-plaza-had-visit-slavoj-zizek/

Und das Foto hier:
http://takethesquare.net

2 Antwort auf DON’T FALL IN LOVE WITH YOURSELVES, said Slavoj Zizek

  1. Es gibt eine Gefahr: Verliebt euch nicht in euch selbst! Wir amüsieren uns hier prächtig, aber bedenkt, dass Karnevals billig zu haben sind. Das Wesentliche ist der Tag danach. Wenn wir zum Alltag zurückkehren müssen, wird dann etwas anders sein? Ich will mich nicht später an diese Tage erinnern und sagen, “ja, wir waren jung und es war schön”. Vergesst nicht unsere Grundbotschaft: “Wir dürfen über Alternativen nachdenken” – wenn die Herrschaft kaputt ist, leben wir nicht in der besten aller Welten. Aber wir haben einen weiten Weg vor uns, es gibt wahrhaft schwierige Fragen zu beantworten. Wir wissen, was wir nicht wollen, aber was wollen wir? Welche Gesellschaftsordnung kann den Kapitalismus ersetzen? Was für eine Art von neuen Führern wollen wir?
    Bedenkt, dass das Problem nicht Korruption oder Gier ist. Das System ist das Problem, es zwingt einen zum Korruptsein. Hütet euch nicht nur vor den Feinden, sondern auch vor den falschen Freunden, die schon jetzt dabei sind, diesen Prozess zu verwässern. Genau mit koffeinfreiem Kaffee, alkoholfreiem Bier oder fettfreiem Eis werden sie versuchen, das hier in einen harmlosen Moralprotest zu verwandeln, einen koffeeinfreien Protest. Wir sind aber hier, weil wir eine Welt satt haben, in der man sich schon wohlfühlen darf, wenn man Coladosen recyclet, ein paar Dollar wohltätig spendet oder einen Starbucks-Cappuccino kauft, von dem ein Prozent des Preises an verhungernde Kinder in der Dritten Welt abgeht. Jetzt, wo Arbeit und Folter schon ausgelagert wurden, wo Heiratsvermittlungsagenturen sogar unser Liebesleben auslagern, jetzt können wir jetzt sehen, dass wir schon längst die Auslagerung unseres politischen Engagements zugelassen haben. Wir wollen es wiederhaben. (…)
    Wir brauchen also bloß Geduld. Meine einzige Sorge ist, dass wir irgendwann einfach heimgehen und uns dann einmal pro Jahr treffen, ein Bier trinken und uns nostalgisch daran erinnern, wie wir uns hier vergnügen haben. Versprecht euch selbst, dass es dazu nicht kommt. Bekanntlich begehrt man oft etwas, will es aber eigentlich gar nicht – traut euch, zu wollen, was ihr begehrt!

  2. Thank you very much, Kurt Erich Mest!

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