Profilbild von Dom.i.nik

von

Kommentar zu ‘Kunst gegen Überwachung’ remixt Video von ‘Kunst hat Recht’ auf Netzpolitik.org

29. Februar 2012 in Blog - alle Themen

Kommentar zu ‘Kunst gegen Überwachung’ remixt Video von ‘Kunst hat Recht’ auf Netzpolitik.org

 

Von  | Veröffentlicht am: 26.02.2012 um 20:33h | 21 Kommentare

Die Auseinandersetzung der beiden österreichischen Initiativen “Kunst hat Recht” sowie “Kunst gegen Überwachung” wird künstlerischer. So ist kürzlich ein Remix des Kampagnen-Videos von “Kunst hat Recht” auf YouTube aufgetaucht, das mit ein paar simplen Ideen dem Video eine gegensätzliche Botschaft verpasst. Im folgenden die beiden Videos im Vergleich:

Video von “Kunst hat Recht”:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=2RsMOMv2ybw?feature=player_embedded&w=640&h=360]

Remix des Videos von “Kunst gegen Überwachung”:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=6OMJYhs7Gso?feature=player_embedded&w=640&h=360]

Beide Videos behandeln das gleiche Thema aus zwei verschiedenen Perspektiven, wobei das zweite Video, durch geschickte Rekombination der Inhalte des “Originals,” eine exakt entgegengesetzte Perspektive eröffnet.

Das erste Video beschreibt die Sicht eines Werkschaffenden, der Angst davor hat seine Inhalte an andere zu verlieren. Dies führt zu der Argumentation, geistiges Eigentum müsse besser geschützt werden.

Im zweiten Video wird die Schöpfung eines Werkes mit einem gemeinsamen, zur Teilhabe einladenden Spiel begriffen und transportiert.

Diese beiden entgegengesetzten Perspektiven spannen den Raum für die inhaltliche Diskussion auf. Die Diskussion um geistiges Eigentum krankt an der Frage der Fronten (des wir und der anderen). Gerne wird von der sogenannten Contentmafia auf das schützenswerte Verwertungsrecht der Urheber verwiesen. Doch längst ist nicht klar, ob wirklich alle Werkschaffenden tatsächlich für einen stärkeren Schutz „ihrer“ Werke sind. Denn viele Urheber erkennen mittlerweile, dass ihr Werk nicht vom Himmel fiel, sondern an vorangegangenes angelehnt ist, etwas aufgegriffen oder umgedeutet hat. Praktisch alle Geschichten wurden schon erzählt, wir verkleiden unsere Inhalte nurmehr in neue Gewänder und schaffen durch Rekombination neues.

So scheint die im zweiten Video gezeigte Perspektive von Schöpfung als Akt der gegenseitigen Inspiration als menschlicher, als sozialer. Es beschreibt den Kern von dem, was wir Kultur nennen.

Der Blick auf das Werk als schützenswertes „Eigenes“ scheint aus diesem Blickwinkel sehr egoistisch und profitorientiert. Doch auch Werkschaffende wollen überleben und benötigen somit eine Entlohnung für ihr Werk.

Gegen die Verschärfung der Verfolgung von sogenannten Urheberrechtsverletzungen zu sein, heißt nicht automatisch (auch wenn genau dies im Krieg um die Fronten gerne suggeriert wird) gegen gerechte Entlohnung für Werkschaffende zu sein.

Im Kern dreht sich die Diskussion doch um die Frage, inwieweit wir als Gesellschaft anerkennen, dass Kultur und Sprache, Mensch sein, immer auch Spiel bedeutet. Legt man nämlich Kultur und Sprache einen Spieltrieb zu Grunde, wird die Notwendigkeit einfacher und verständlicher freier Lizenzen klar. Denn mit solchen Lizenzen kann der Schöpfer selber entscheiden, was mit „seinem“ Werk gemacht werden darf und was eben nicht. Jedenfalls kann ich als Konsument mit frei lizenzierten Inhalten leichter teilhaben und teilen, ich kann Werke spielerisch umgestalten und zur Diskussion stellen. So entsteht Diskussion und Diskurs, Werke geraten ins Gespräch und somit in kollektives Bewusstsein. Schutz und Restriktion verhindern genau dieses Spiel.

Wie hoch muss die sogenannte Schöpfungshöhe eines Werkes sein, damit es dann, wie genau, geschützt werden kann? Das sollte der eigentliche Kern der Diskussion sein (im Gegensatz zur Debatte ob Schutzfristen verlängert oder verkürzt werden sollen).

So long,

Sumy nonA

Darauf antworten

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.