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Persönliche Gegendarstellung zum Artikel der Süddeutschen Zeitung „Und vergebt uns unsere Schulden gern“ vom 22. Februar 2012

23. Februar 2012 in Blog - alle Themen


“Und vergebt uns unsere Schulden gern” SZ-Artikel

Vermutlich würde sich Luther allein schon beim lauten zitieren der Überschrift der Magen umdrehen, im katholischen Bayern schert sich aber offensichtlich niemand um das wahrheitsgemäße wiedergeben der Quellen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihnen als Journalisten ist sicher die prekäre ökonomische Lage Griechenlands nicht entgangen. In Ihrem „Thema des Tages“ geben Sie, ja umfangreiche Rahmenbedingungen zum Besten „Was die Griechen tun müssen“ und versuchen eine Antwort auf die Frage zu bekommen ob „die Reformen des Landes rechtzeitig sind“. Leider pervertieren Sie Ihren Auftrag.

Sie schreiben als hätte Ihnen Herr Schäuble oder Martin Blessing, Vorstandvorsitzender der Commerzbank, die Feder geführt. Es fällt kein Wort darüber, dass wilde Finanzspekulationen den griechischen Haushalt binnen kürzester Zeit zum Implodieren brachten. Über die überaus harten finanziellen Einschnitte die die Menschen in Griechenland verkraften müssen verlautbaren Sie kein Wort. Warum auch, steht doch die SZ mit Ihrem Verlagshaus selber im offenen, unsozialen, wirtschaftsliberalen Kampf mit anderen Verlagen. Da kann man das soziale Gewissen schon mal verlieren. So erklärt sich vermutlich auch die mangelhafte Zitatentreue.

Mein Zorn erhebt sich aber nicht nur gegen die einseitige Darstellung, sondern auch gegen das gänzlich falsche Bild, das Sie mit ihrer Bildunterschrift suggerieren.

Es geschieht nicht jeden Tag, dass einem Land Schulden erlassen und Kredite in Milliardenhöhe gewährt werden: In Athen danken Griechen Europa.

Diese Dreistigkeit erwartet man höchstens von BILD.

Zur Erläuterung meiner Empörung. Am Samstag den 18. Februar kam es in vielen Städten Europas und Nord Amerikas zu Kundgebungen bei denen tausende Menschen ihre Solidarität mit den Griechen äußerten. Sie demonstrierten gegen die rigiden unsozialen von außen auferlegten Sparmaßnahmen. Die Bilderserie, die in Ihrer Printausgabe erschien, wurde schon am 19.02. aufgenommen. Sie ist in Wahrheit ein Dankesgruß für diejenigen, die an den Solidaritätsbekundungen für das griechische Volk beteiligt waren. Es ist kein Danke Schön für den Schuldenerlass wie sie es proklamieren.

Ich fordere hiermit eine öffentliche Richtigstellung von Ihnen.

Mit Grüßen
Richard

Weblink: zu allen  Bildern

 

12 Antwort auf Persönliche Gegendarstellung zum Artikel der Süddeutschen Zeitung „Und vergebt uns unsere Schulden gern“ vom 22. Februar 2012

  1. und schon gibt es ein Video darüber. Wie schön, wie schnell wir doch sein können ;)

    http://vimeo.com/37280426

  2. Das Video ist wieder so perfekt, herrlich. Die schöne Märchenonkelstimme höre ich so gern.

  3. Jaa – ich finde es auch soo gut und für alle verständlich auf den Punkt gebracht:-)
    Und bist denn du das, Richard, der so wunderbar sprechen kann? Oder Wer ist das?? – einfach hinreissend gut, diese fein ironische Darstellung & Stimme!

  4. ehm, überlege gerade: bringt es etwas, wenn wir ALLe diese empörte Aufforderung von Richard nach einer öffentlichen Richtigstellung mit kleinen Abwandlungen an die SZ schicken? Und an den Presserat auf jeden Fall , nicht? Denn das ist doch einfach unverschämt der Wahrheit entgegengesetzt, was die da verzapfen… :-/

  5. Habe heute eine Email mit den hinweis, wo die “Korrektur” in der SZ veröffentlich wurde. (25.02.12 / unten links)
    Schaut es euch es selber an. Wenn die gesamtsituation nicht so dramatisch wäre, könnte ich wirklich lachen.

    https://www.alex11.org/wp-content/uploads/2012/02/SZ_Korrektur_25.02.12.pdf

  6. So, damit dieser Thread nun komplett ist, hier der Artikel, um den es hier geht:
    https://www.alex11.org/wp-content/uploads/2012/02/P1030603.jpg

    Vielen Dank an @alex69

  7. Muss man sich mit dieser “Korrektur” wirklich zufrieden geben?
    Wer Zeit und Lust hat die Sache weiterzuverfolgen, könnte doch einen Versuch
    beim Presserat machen bzw. der Süddeutschen zumindest damit drohen.
    Ein befreundeter ehemaliger Journalist schrieb mir dazu folgendes:
    Schreibt der SZ, ihr würdet auf eine Richtigstellung (Gegendarstellung) bestehen, da der falsch dargestellte Zusammenhang eure Arbeit und die der Athener sowie die beabsichtigte Wirkung untergräbt. Falls die SZ weiterhin anderer Ansicht sei, müsse man halt Beschwerde beim Pressrat einlegen (geht sogar online!).

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