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Störaktion im Berliner Ensemble gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse, 3.1.2012.

4. Januar 2012 in Blog - alle Themen

Die Theaterpremiere von “Dantons Tod” am Berliner Ensemble wurde gestern, am 03.01.2012, durch eine künstlerische Intervention bereichert. Aufhänger ist der laufende Arbeitskampf der “unsichtbaren” Mitarbeiter des Hauses (Bühnentechnik, Requisite etc.), die sich seit dem vergangenen Jahr organisieren. Sie wehren sich gegen zunehmend prekäre Beschäftigungsverhältnisse und fordern einen Tarifvertrag, wie er an anderen Berliner Theatern längst üblich ist.
Ende 2011 bekommt Claus Peymann, Regisseur des Abends und Intendant des BE, den Lessing-Preis, mit der Begründung, er halte das Ideal des Theaters als “moralische Anstalt” hoch. Währenddessen herrschen dort Hungerlöhne, es fehlt an Kündigungsschutz und Transparenz. Uns als Zuschauer widert diese Diskrepanz zwischen aufklärerischer Fassade und ausbeuterischer Praxis an.Direkt nach der Pause drängte deshalb ein Menschenhaufen, die Marseillaise quäkend, auf einen der Gänge im ersten Rang und ließ, mit Megaphon und Sprechchor, eine Collage aus Dantons Tod erschallen, die den Büchner-Text mit der aktuellen Situation in Beziehung setzte. Zum Abschluss regnete es Flugblätter auf die Köpfe der Zuschauer, welche die Aktion überwiegend mit Zuspruch und Applaus kommentierten. Nur ein Mann brüllte den Aktivisten empört hinterher: “Wer macht denn die Revolution? [...] Dann tut doch was dafür, und spinnt nicht nur!”

gez.: Das Grollen im Zuschauermagen

Videodokumentation der Aktion:
 http://www.youtube.com/watch?v=VxBmwLh5zhs

Informationen zum Arbeitskampf am Berliner Ensemble:
 http://darstellende-kunst.verdi.de/theater_buehnen/aktuelles/berliner-ensemble

Quelle: http://de.indymedia.org/2012/01/322618.shtml

 

1 Antwort auf Störaktion im Berliner Ensemble gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse, 3.1.2012.

  1. Eine Bilderbuch Aktion!

    Das ist aktiver Widerstand gegen prekäre Beschäftigung. So müssen wir gegen alle Leihbuden, Lohndrücker und Ausbeuter vorgehen. Wenn die erste Aktion nicht fruchtet, so wie es hier am 27.11.11 der Fall war, dann muss die nächste Aktion folgen und dabei muss der laufende Betrieb gestört werden. Die Räder müssen still stehen, wenigstens für kurze Zeit. Sehr schön, beispielhaft, vorbildlich. Danke für diese Demonstration von offenem Widerstand! Sehr mutige Beschäftigte!

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