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Betreff: Ideen für mehr Veränderung

20. Januar 2012 in Blog - alle Themen

Folgende Email erreichte uns und wird nun nach Rücksprache mit dem Autor hier veröffentlicht:

Von: ein aufmerksamer Mitbürger

Betreff: Ideen für mehr Veränderung

Nachrichtentext:
An alle ‘Occupier’ & Verbesserer unserer Gesellschaft
Ideen für mehr Veränderung:

Kern:
a) bewegt die ‘Swing Thinker’
[- hinterfragt den Zeitpunkt]
b) vernetzt euch/ eure Ressourcen
c) gebt dem dt. Protest eine eigene Identität

Erklärungen:
a) im amerik. Präsidentschaftswahlkampf (immerhin eine der politisch wichtigsten Entscheidungen der Welt) wird ab einem Punkt fast immer auf die sog. ‘Swing Voter’ gesetzt, die den Wahlausgang beeinflussen können. Bei den aktuellen Bewegungen (v.a. in D) fiel mir auf, dass Occupier viel zu häufig andere konfrontieren oder sich radikalisieren (z.B. sich ggs. eine Vielzahl von Links schicken und sich daran noch mehr ‘empören’). Die richtige Zielgruppe ist sehr entscheidend, das wissen auch Werbe- und Marketing-Leute. Mein Appell ist daher v.a. bei denen das Fass zum Überlaufen zu bringen, wo ein größeres “Bewegungs-Potenzial” steckt. Es muss gar nicht jeder überzeugt werden: bei den Montags-Demos 1989 waren auch nicht alle Bürger auf der Straße – es wurden automatisch mehr, als ein bestimmter Punkt erreicht war.
[- eine große Frage ist natürlich auch, ob es den Deutschen momentan noch zu gut geht, als dass sie etwas ändern wollen würden und ob eine dt. Occupy-Bewegung evtl. seiner Zeit voraus ist. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit (evtl. auch wieder den Gebildeteren mit mehr "Bewegungs-Potenzial") verständlich zu machen, dass sich -früher oder später- Krisen in unseren Nachbar-Ländern auch auf uns zurück wirken.]
b) sicherlich seid ihr schon vernetzt, aber es geht noch mehr. Der 15.10.2011 war ein gutes Bsp. für weltweit organisierten Protest. Auf nationaler Ebene ist das bestimmt auch zu erreichen, aber dafür müssen eine Vielzahl von Camps und NGOs mit einer Stimme sprechen (und das nicht inflationär überall und an jedem Wochenende, sondern eher konzentriert an z.B. eher einem Protesttag und weniger Orteb pro Quartal). Dazu gehören v.a. die Occupy-Camps in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg sowie die NGOs Attac, Campact, Avaaz (?), (evtl. auch fachfremde: Greenpeace hat sicher auch was gegen die Einmischung der dt. Automobilindustrie und die Anti-Atom-Kraft-Bewegung gegen die Einmischung großer Energie-Konzerne). Denkbar wäre auch ein gut gemachter TV-Spot zur Prime-Time, der v.a. an o.g. “halbwegs Empörte” adressiert ist. Gute Ideen sollten noch mehr und besser in dem Netzwerk zirkulieren können.
c) es muss nicht alles von OccupyWallStreet kopiert werden. Das sog. ‘Mic-Checking’ ist ja auch eher aus der Not entstanden, dass im Zuchotti-Park keine Megaphone benutzt werden durften. Für einen oberflächlichen Außenstehenden kann (in diesem Bsp.) der falsche Eindruck entstehen, dass Occupy ein “willenloses Folgen” seiner Mitglieder beabsichtigt. Diese und andere “Ver-Englisch-ung” lässt den dt. Protest manchmal sehr komisch aussehen und daher sollte mehr dadrauf geachtet werden die Menschen dort abzuholen wo sie stehen. Demonstration und Protest ist Kommunikation und sollte auch rhetorisch gut überlegt sein. Beispielsweise kann ein Appell an die ‘Vernunft’ (immerhin ein Konzept der Aufklärung) auch ältere/ konservativere Schichten erreichen. Auch ‘Nachhaltigkeit’ ist vernünftig, das sollte v.a. dem Mittelstand & Familienunternehmen einleuchten. Es geht mir besonders darum eine gemeinsame Basis (von Werten und Vorstellungen) zu finden, die mehr Menschen erreicht.

Hintergrund:
Ich beobachte Occupy schon eine Weile und war auch bei einigen Aktionen selbst dabei. Meine Ideen sollten als pure Bereicherung gesehen werden (selbst, falls viele Gegenargumente dadurch generiert werden würden, so wäre das ja auch ein Gewinn). Da die deutsche Bewegung noch nicht so weit ist wie die Spanische (evtl. Faktor: Wohlstand), ist es meines Erachtens wichtig, das viele Potenzial aller Occupier noch effektiver zu nutzen und das viele Engagement nicht verpuffen zu lassen. Es muss sowieso noch viel getan werden:
- z.B. Kernargumente zusammenstellen wieso was wie reguliert werden muss (dafür sicherlich auch Experten zu Rate ziehen – evtl. über Attac),
- immer Ruhe bewahren, v.a. von Gegnern nicht ablenken lassen (das ist eine klassische rhetorische Figur), sondern immer wieder zum Kern der Diskussion zurück kommen,
- immer die Wertschätzung bewahren, Konfrontation schreckt ab, das jew. Gegenüber, welches ihr überzeugen wollt, sollte immer die Freiheit haben, sich für eine Meinung und ein Mitmachen zu entscheiden,

Weitere Ideen:
O.g. TV-Spot (od. auch print-Kampagne) könnte auch verschiedene Rollen/Identitäten ansprechen, z.B.:
- an den “Truther”: vllt. hast du Recht, aber etwas ändern kannst du nur, wenn du aktiv wirst.
- an den Skeptiker: du weißt wie es besser geht? Dann sag es.
- an den Unsicheren: rede mit deinem Umfeld darüber und/oder informier dich.

Willst du etwas Besonderes tun? Dann verändere die Zukunft.
Im Endeffekt zählt was unterm Strich passiert: “es gibt nichts Gutes – außer man tut es”.

Glückwunsch an jeden, der bis hier gelesen (und sich nicht am generischen Maskulin gestört) hat. Ich hätte noch eine Menge mehr schreiben können, musste es aber einigermaßen zusammenfassen, damit die Nachricht ihren Informationswert behält. Falls noch mehr konstruktive Anregungen ausgetauscht werden wollen, so kontaktiert mich einfach über com-unity [ätt] gmx.de

Gruß & weiterhin viel Erfolg (wir sehn uns auf der Straße wieder)
Klaus Kraus

Diese Mail wurde über das Kontaktformular von alex11 – aCAMPada Berlin – Occupy Berlin (http://www.alex11.org) gesendet

1 Antwort auf Betreff: Ideen für mehr Veränderung

  1. Danke für Deinen wertvollen Beitrag. Jedoch hier noch einige Anmerkungen / Kritik.

    Eine Zusammenarbeit mit anderen Bewegungen / Vereinen… etc. ist nur möglich zu den Bedingungen von Occupy. Das hat folgenden Grund. Greenpeace (selber 4 Jahre aktiv + 1 entlohnte Arbeit), Attac, und auch so gut wie jede andere linke Organisation sind in einigen Punkten oder sogar überwiegend normalisiert. Was heist normalisiert. Normalisiert heisst für mich das sie sich aus was für Gründen auch immer (da kann man viel spekulieren oder recherschieren), entradikalisiert haben bzw. gewisse Schlüsselthemenfelder ausblenden oder sogar unseriös Thematiken skizzieren, durch weglassen oder popularisieren von Informationen. Was nicht heisst das eine Zusammenarbeit nicht möglich ist. Sie ist sogar erwünscht ! Jedoch nur dann wenn sichergesetllt ist das die “echte Demokratie jetzt” Bewegung sich nicht dazu instrumentalisieren läßt, das sie auf einmal die in der Regel unzureichenden Ziele und Methoden anderer Organisationen unterstützt ohne das weitergehende Forderungen öffentlich werden und somit zur Hinwegtäuschung der Menschen beiträgt. Auf Anfrage erkläre ich das gerne detailierter. Interessant dürfte es sein, Verbündete zu suchen um jene Bewegungen wieder zu entnormalisieren.

    Davon mal abgesehen haben wir ob der Bewusstlosigkeit der Gesammtbevölkerung und auch vieler Organsiationen… auch schon viele Semi-experten in unseren Reihen… welche oft interessanteres und prekäreres Wissen haben als viele offizielle Experten… Expertise von außen ja aber gezielt.
    Bsp. Jemand der eine Transaktionsteuer will aber nicht das Problem der Geldschöpfung kennt, ist für mich da ich selbst als Amateur um diese Kernproblematik weiss, nicht glaubwürdig…

    Ein weiteres Bsp. ist die Forderungen gewisser Gruppierungen / Personen nach “global governance” ‘

    Das heisst Weltregierung ! Das heisst maximale Zentralisierung und Konzentration von Macht! Und wer nicht weiss was das heisst, sollte nachfragen. Denn das nicht zu wissen wäre fatal !

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