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Der Tahrir ist das Herz der ägyptischen Revolution – es muss am Leben bleiben !

23. Dezember 2011 in Blog - alle Themen

Seit der Rückeroberung des Tahrir-Platzes und dessen Neubesetzung am Wochenende der dritten Novemberwoche durch mehr als 20.000 Protestierende kommt Ägypten nicht mehr zur Ruhe. Die Forderung der Protestierenden sind nach wie vor die gleichen Inhalte, mit denen die Revolution im Januar diesen Jahres begann: Brot, Freiheit, Gerechtigkeit ! Sie wollen die alte Regierung, die schon Mubarak diente nicht mehr ertragen. Mubarak war ein Militär und Tantawi sein bester Freund. Die Militärs opferten Mubarak, um das System ansonsten unangetastet zu lassen. Es herrschen nach wie vor Ausnahmegesetze. Es gibt keine Zivilgerichtsverfahren, sondern Militärtribunale ohne Möglichkeit der Verteidigung. Davon sind fast 13.000 Eingekehrte – worunter sich auch zahlreiche Menschenrechtsaktivist*innen und Blogger*innen befinden – in den Militärgefängnissen betroffen. Streiks von Arbeiter*innen wurden verboten und zerschlagen, Hass zwischen koptischen Christen und Muslimen gesät, der immer mehr Opfer forderte und am 9. Oktober zu dem „Maspero Massaker“ führte, bei dem von ägyptischen Soldaten 28 Menschen getötet wurden.

Schon am Wochenende des 19. und 20. November wurde mit großer Härte gegen die Aufständischen geantwortet. Ein in den USA hergestelltes toxisches Tränengas nebelte den Tahrir ein und es wurde auch wieder mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen, wobei ca. 43 Menschen ihr Leben verloren. Hunderte wurden z.T. schwer verletzt und noch mehr festgenommen. Trotz des ungünstigen Kräfteverhältnisses machten die Protestierenden weiter, denn sie kritisieren, dass keine fairen Wahlen für eine Zivilregierung ermöglicht werden. Sie fordern nichts anderes, als den Rücktritt der Militärs, die bereits unter Mubarak gedient haben und zu seinen „Seilschaften“ gehören. Gefangene werden gefoltert und exekutiert, Frauen dem sogenannten „Jungfrauentest“ unterworfen. Dies alles dient der Einschüchterung und soll die Protestierenden davon abhalten, auf die Straße zu gehen. Zwischen Muslimbruderschaft und Militärs scheint es ein Agreement zu geben, die Macht des Militärs – das ca. 20% des ägyptischen Reichtums kontrolliert – nicht anzutasten und dementsprechend sollen die Muslimbrüder an die Macht gehieft werden. Sie ihrerseits beteiligen sich nicht mehr an den Protesten.

Die Angriffe auf die Demonstranten haben sich seit dem letzten Wochenende noch verstärkt und es wurden – wie auf Scheich Emad (siehe Foto links) – gezielte Todesschüsse abgefeuert, um das revolutionäre Aufbegehren zu ersticken.

Mehr zur aktuellen Situation kann auch dem Artikel von Juliane Schumacher in der Zeitschrift Jungle World vom 22. Dezember sowie dem Interview mit Dr. Ahmed Farouk im freien Radio entnommen werden. Umso wichtiger ist es deshalb, sich mit den ägyptischen Demonstrant*innen zu solidarisieren.

Heute, den 23.12. ist wieder eine große Demonstration in Kairo geplant, an der sich auch die Student*innen beteiligen. Zeitgleich findet in Berlin eine Kundgebung statt, zu der ägyptische Menschenrechtsaktivist*innen aufgerufen haben.

Zeit: 16 Uhr, Ort: Brandenburger Tor / Pariser Platz

Hier die Facebookseite des Aufrufes: https://www.facebook.com/#!/events/237252203014742/

Am Montag und Dienstag dieser Woche fanden bereits Solidaritäts-Aktionen vor der ägyptischen Botschaft – zusammen mit Exil-Ägypter*innen – statt, die uns mehr in Rahmen eines konkreten Internationalismus zusammen brachten. Vielen Dank an alle, die daran teilgenommen haben und die Kundgebung organisierten.

Siehe auch:

https://www.alex11.org/2011/12/erklarung-der-emporten-zur-verteidigung-der-agyptischen-revolution/

https://www.alex11.org/2011/12/20-12-2011-genug-tote-protest-vor-der-agyptischen-botschaft-berlin/

Eine internationale Solidaritätsseite mit Empfehlungen, was wir tun können: http://menasolidaritynetwork.com/2011/12/18/occupycabinetsolidarity/

Und hier die Übersetzung des New Yorker Appells:

Dringender Appell an Occupy und alle Menschenrechtsbewegungen vom 19. Dezember:

Mobilisierung zur Verteidigung der ägyptischen Revolution

Unterstützt bitte diesen Aufruf:

In diesne Tagen werden die Protestierenden, die eine Zivilregierung fordern, wieder von dem Oberkommando der Verteidigungskräfte (SCAF= Supreme Council of the Armed Forces) und den inneren Sicherheitskräften (ISF) ermordet, verstümmelt und gefoltert.

Das Komplott, das brutal in Ägypten implementiert wurde, ist Teil der globalen Konterrevolution, um die Massenbewegungen für sozioökonomische Gerechtigkeit zu ersticken und dies wird mit direktem Beistand der US-amerikanischen Regierung und für die herrschenden Privatinteressen getan. Wir haben die Aussage von Freund*innen in Ägypten erhalten, dass die SCAF, ISF und ihre angeheuerten Schlägern – bewaffnet mit Waffen der US-Regierung im Wert von 1,3  Milliarden $ auf nun auslaufenden Schiffen – planen, nach und nach alle Revolutionsführer und so viele Aktivist*innen, wie sie können, zu exekutieren.

Dementsprechend wollen wir sicher stellen, dass Leute und Organisator*innen in den USA und international an der kontinuierlichen Beobachtung der Geschehnisse und deren Aufklärung in Ägypten mitwirken. In der beständigen Beobachtung der Gräuel, die von dem SCAF und ISF begangen worden sind, ebenso wie in der anhaltenden Beobachtung jener, die inhaftiert, gefoltert oder verletzt wurden. Ebenfalls wollen wir kontinuierliche Anfragen bei Verantwortlichen in Ägypten und in den USA machen, um Rechenschaft über und ein Ende der Gewalttaten und Grechtigkeit einfordern, womit wir Druck auf SCAF, ISF und die Kräfte, die sie repräsentieren, ausüben können. Auf diese weise können wir hoffentlich das Überleben unserer ägyptischen Brüder und Schwester sicherstellen.

Beweis für das Komplott der Exekutierung von Führern und Mitgliedern der ägyptischen Freiheitsbewegung – hier nur als sehr kleiner Ausschnitt daraus – :

  • Scheich Emad von Al Azar wurde durch ein Geschoss getötet, welches aus kurzer Entfernung in ihn eindrang. Dies haben wir von einem Zeugen, der Mitgliedern unserer Vereinigung gut bekannt ist, aus erster Hand erfahren. Scheich Emad gehörte einer kleinen Anzahl von Azhar-Imanen an, die Urteile in Unterstützung der Revolution erstellte. Sein Mord war kein Unfall.
  • Sally Tooma, Mona Seif, Ahdaf Soueif und Snaa Seif, alles weibliche Freunde und Verwandte vom inhaftierten Blogger und Aktivisten Alaa abd El Fattah, die international wegen ihrer literarischen und/oder politischen Arbeit bekann sind, wurden festgenommen und im Kabinett-Gebäude geschlagen.

  • Eine gegen General Tantawi – dem Führer der SCAF – protestierende Frau wurde inhaftiert und damit gefoltert, dass ihr ein “T” in englisch mit Messern in ihren Kopf geritzt wurde.

  • Gefangene werden in Ställen innerhalb des Gerichtsraumes gefoltert. Zwei Männer (Mohammad Muhiy Hussein ist einer von ihnen) wurde darin getötet. Dies ist nur eine kleine Anzahl von grauenhaften Geschichten, die wir gehört haben. Und wir bekommen weiterhin Berichte aus Kairo über massive Militärpräsens auf und am Tahrir Platz und das sich ständig wiederholende Geräusch von Gewehrsalven.

Auf jeden Fall: Ägpytens Kampf ist unser Kampf. Genau wie bei uns: die Ägypter*innen sind die 99%, die für soziale, politische und ökonomische Gerechtigkeit kämpfen.

Die gleichen 1%, die die ägyptische Diktatur bewaffnen, verüben systematisch Gewalt in diesem Land gegen die Occupy-Bewegung, Friedens- und Solidaritäts-Aktivist*innen, Araber*innen, Muslim*innen und andere Gemeinschaften of color.

Wie das US-palästinensische-community-Netzwerk kürzlich beobachtete: “das gleiche – in den USA hergestellte – Tränengas nebelt uns in den Straßen von Oakland, Kairo und Bil’in ein.”

Wegen Ägyptens strategischer Schlüssellage, findet das Schicksal seiner Revolution in der gesamten Welt Wiederhall. Sie bringt uns näher an die Erreichung ökonomischer und politischer Gerechtigkeit. Ihre Niederlage jedoch wäre ein schwerer Rückschlag für die sozialen Gerechtigkeitsbewegungen überall, auch für Occupy.

Kurz: Ägypten ist der Schlüssel für den weiteren Erfolg der arabischen Revolution und aller Bewegungen, die dadurch angeregt wurden.

Wegen all dieser Gründe, fordern wir Occupy und alle sozialen Gerechtigkeitesaktivist*innen in den USA dazu auf, unsere ägyptischen Brüder und Schwestern durch sofort organisierte massive Kundgebungen vor ägyptischen Botschaften, Missionen, Konsulaten und vor Regierungsgebäuden der USA zu verteidigen. Wir fordern:

Abbruch der Lieferung von Militär- und Polizeigütern nach Ägypten !
Stop der Morde, Folterungen und Festnahmen !
Freilassung der Festgenommen und politischen Gefangenen !
Sofortiges Ende der Militärregierung in Ägypten !

 

Quelle: http://www.defendegyptianrevolution.org/2011/12/19/defend-the-egyptian-revolution/

Am 25. Januar – dem Beginn der ägyptischen Revolution vor einem Jahr – wird es einen globalen Aktionstag mit den Ägyper*innen geben.
Bitte merkt Euch diesen Termin vor !

1 Antwort auf Der Tahrir ist das Herz der ägyptischen Revolution – es muss am Leben bleiben !

  1. jetzt ist das 2 mal übersetzt worden… auch gut! :D
    eine übersetzung ins spanische kommt noch :)

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