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13.12.2011, Interview (Teil 1) mit Anna – Bewohnerin des besetzten Camps von occupyBerlin

15. Dezember 2011 in Blog - alle Themen

(Abschrift einer Videoaufzeichnung von freundeskreis videoclips, www.freundeskreis-videoclips.de)

 

Frage: Wer bist du und was machst du hier?

 

Anna: Ich bin Anna, ich studier’ Medizin und werd’ aber mein Studienfach wechseln, dadurch hab ich gerade ein Zeitfenster mich für politische Arbeit noch weiter zu interessieren. Bis jetzt waren es nur Demos und durch die Besetzung hab’ ich halt quasi ein neues Medium für mich entdeckt mich politisch zu äußern und überhaupt

 

Zwischenruf: ‘Anna, was machst du da?’ – Unterbrechung des Interviews -

 

Anna: Ich hab mir die letzten zwei Tage Pause genommen und deswegen hab ich einige asamblea-Beschlüsse verpasst; aber selber hatte ich so einen Unmut, weil ich immer wieder im Internet irgendwelche zweifelhaften Artikel von Einzelpersonen, die interviewt werden, gesehen habe und da gibt es nunmal Fronten, wie es glaube ich immer, wenn Leute aufeinander hocken, entstehen irgendwelche Fronten von Leuten die länger da und kürzer da sind und dann kommen irgendwelche unseriösen Beiträge, die überhaupt keine Sachinfos sind und überhaupt nicht die Lage des Camps repräsentieren und das ist immer so das Problem, weil eigentlich ist unsere Vorstellung, dass wir eben keine Repräsentanten wollen und wenn Einzelne von der Presse angesprochen werden aus Resourcengründen, Zeitmangel, wie auch immer, passiert eben das wogegen wir uns eigentlich einsetzen wollen und deswegen wollen wir das in Zukunft so machen, dass Einzelpersonen angesprochen werden auf ihre persönliche Meinung, aber dass keine Äusserungen zum Camp generell von Einzelpersonen dargestellt werden, weil das eben immer die Gefahr birgt, dass dann Leute interviewt werden, die ihren Unmut über die Presse kundtut und dann regelrecht Intrigen geschürt werden, die meiner Meinung nach nicht in der Presse ausgetragen werden sollten und wenn dann falsche Infos rauskommen wie ‘Das Camp wird gerämt.’ und die Leute kommen her und wundern sich warum das hier noch steht und wir arbeiten den ganzen Tag und versuchen das aufzubauen, dann fühlt man sich einfach nur noch angegriffen und man fragt sich einfach über die Seriosität der Presse, die sowas eben ermöglicht als Medium. Also ich meine, natürlich, wenn man hier reinkommt, als Unbeteiligter, weis man nicht wen man da vor sich hat, aber ich meine, das sollte immer bedacht werden, dass da ‘ne gewisse repräsentative Zahl befragt wird oder dass erstmal in die Runde rein gefragt wird, ob die Gemeinschaft einverstanden ist mit dem Repräsentanten oder wie er sich jeweils ausdrücken sollte. Also wenn ich dann spreche, kann ich halt nur für mich sprechen und für mich ist so eine Art Bewegung immer auch ‘ne Gelegenheit, weil es ist ja anders, man geht nicht zur Demo und geht nachhause und geht wieder auseinander, brüllt kurz mal seine Meinung ein, zwei Stunden setzt sich mit irgendwelchen Demopolizisten auseinander, das mag zwar auch Spaß machen, aber ganz andere Erfahrungen sammelt man halt in so einer Besetzung wo man wirklich die ganze Infrastruktur zusammen aufbaut, plötzlich mit Problemen rechnen muss, die man sonst nie hat, dass man einfach aufeinander hockt, an einer Sache arbeitet und dann an Kleinigkeiten Streitereien entstehen, die ganzen Stimmungen und so ‘ne soziale Kälte entsteht, das sind alles Probleme die aufgetreten sind, die aber teilweise glücklicherweise gelöst wurden und für mich ist das das beste Beispiel, dass meine eigenen Ideale und das wofür ich demonstriere auch hier sozusagen ausprobiert werden können, also wenn ich mir vorstelle, ich wünsche mir ‘ne Anarchie, ich wünsche mir ‘ne Basisdemokratie, kann ich hier schon ausprobieren, wie läuft das und wie wird das Zusammenleben ermöglicht oder eben auch nicht ermöglicht und ich hatte Tage, da hatte ich das Gefühl mein gesamtes Weltbild stürzt ein und dann kann man sich irgendwie wiederrum einsetzen und kann sehn, wie man als Einzelperson, als Gruppe, wie man Leute findet, die einer Meinung sind und eben solche anarchistischen Grundzüge selber verwirklichen, weil ich glaube schon, es ist ein Unterschied, ob man sich ein Leben lang mit irgendwelchen Philosophien über Anarchie auseinandersetzt oder ob man an einer Art Kommune, oder Besetzung, oder was auch immer, mitarbeitet und das war für mich sozusagen der erste Schritt mich darin mal einzubringen und auszuprobiern und auch mal zu beobachten, wie die ganze Dynamik läuft und das war so nervenaufreibend teilweise wie ich mir das niemals vorgestellt hätte, also ich dachte, ich hab mir das Camp von vorneherein total anders vorgstellt und war hier auch vor eineinhalb Wochen und es kann sich drastisch ändern und das Schöne ist einfach dann festzustellen: man sollte nicht verzweifeln sondern, man hat’s eigentlich immer selber in der Hand und wenn ich dann Leute reden höre ‘Das Camp stirbt.’ ärger ich mich einfach nur, weil ich denke, das Camp stirbt, wenn man es sterben lässt. Genauso wie’s den schönen Spruch gibt ‘The system works, as long as you work’. Und genauso kann man es im neagtiven und im positiven Sinne auch auffassen, weil, man ist ja eigentlich nur ein Zahnrad und wenn man das Ganze blockieren möchte kann man’s tun, und wenn man das Ganze weiter fördern möchte kann man’s auch tun, (…)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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