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Warum ich mich (noch?) nicht als Teil der Occupybewegung fühlen kann

5. November 2011 in Blog - alle Themen

Ihr versteht Euch als Teil der Occupybewegung. Jede/r von Euch hat dafür ihre/ seine ganz persönlichen Gründe. Ich frage mich, wie soll ich mich zu dieser Bewegung positionieren.

Würdet Ihr mir deshalb bitte sagen, welche grundlegenden Ziele verfolgt die Bewegung und auf welche Weise versucht sie, die zu erreichen?

Dann könnte ich mir vielleicht folgende Fragen beantworten: In welchem Umfang stimmen meine Ziele mit denen der Occupybewegung überein. Wie relevant sind diese Ziele für mich? Bin ich mit ihren Methoden einverstanden? Was wird die Bewegung voraussichtlich bewirken? Gibt es für mich bereits bessere Möglichkeiten, um mich zu engagieren.

Was für eine neue Bewegung wünsche ich mir besonders? Aus meiner Sicht wäre inzwischen eine neue Bewegung besonders relevant, in der Jede/Jeder mit den ihr/ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gleichberechtigt und gemeisam mit den anderen Menschen in dieser Bewegung angemessen prüft, ob an folgenden Hypothesen etwas dran ist, und dann die richtigen Schlussfolgerungenen aus dieser Analyse zieht. Jeder Mensch möchte die jeweils beste Lösung für seine Probleme finden: Für jeden Menschen erlangen Probleme, die sich inzwischen gemeinsam am besten lösen lassen, immer größere Bedeutung. Wenn Jede/Jeder mit den ihr/ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gleichberechtigt und gemeisam mit allen anderen Menschen nach den bestehenden Problemen und deren jeweils besten Lösung, dem jeweils besten gemeinsamen Nenner (?), sucht und dafür sorgt, dass sie gelöst werden, resultieren daraus das für die Gesellschaft langfristig beste Gesamtergebnis und die für jeden Einzelnen langfristig besten Lebensbedingungen. Ich kenne leider bisher keine Bewegung, die das macht. Versucht es die Occupybewegung?

Für Antworten wäre ich Euch sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

wolfgang

5 Antwort auf Warum ich mich (noch?) nicht als Teil der Occupybewegung fühlen kann

  1. die weltweite Bewegung hat wohl etwas mit Schwarmintelligenz zu tun. Wir alle wissen, dass etwas fundamental falsch läuft. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen, sucht seinen Vorteil. Das tun die Neoliberalisten auch. Gerade deshalb läuft ja etwas falsch. So, wie ich die Bewegung verstehe, sind wir alle Teil einer neuen emergenten menschlichen Struktur. Da spricht jeder nur für sich und welche Stimmen am lautesten werden, in Basisdemokratischen Verhältnissen, die geben das wieder, was am Besten für die Gemeinschaft ist.
    Denk an ein Bienenvolk. Wenn die Bienen (die Gemeinschaft) einen neuen Stock suchen, so schwärmt ein Teil der Bienen aus und sucht.. Abends macht jede der Ausflügler vor dem Stock ein Tänzchen, stellt seinen schönsten Fundort praktisch zur Diskussion. Zu den Bienen, die am schönsten tanzen, sprich die besten Argumente haben, gesellen sich zurückgbliebene Bienen und folgen jeweils ihrer gewählten Biene am nächsten Tag zu den neuen Plätzen. Abends machen diese Gruppen jeweils wieder ein Tänzchen. Welche Grüppe am schönsten tanzt, erhält den Zuschlag. Das Bienenvolk hat seine Wahl für einen neuen Stock getroffen und schwärmt geschlossen dahin aus. Zumindest verstehe ich die neue globale Bewegung auch so. Wir machen kein Tänzchen, wir schreiben und diskutieren. Deshalb gibt es keinen Anführer, deshalb müssen die Ideen und Forderungen basisdemokratisch erarbeitet werden. Das das der richtige Weg zu sein scheint, sieht man an dem permanenten Zuwachs an Menschen, die mitmachen wollen.

  2. Die Bewegung lässt sich politisch nicht schubladisieren, obschon zum Beispiel seitens der spanischen Bewegung 15-M ein Forderungskatalog besteht – allerdings unter dem Titel «Vorschläge». Sie will auch nicht einfach eine weitere Schachfigur auf dem politischen Schachbrett sein. Vielmehr verschleiert sie ihre Identität in gewissen Weise geradezu.

    Kleinster gemeinsamer Nenner ist allerdings die Forderung nach mehr Demokratie, d.h. nach einer Demokratie, in der die Menschen, die von einem politischen Entscheid betroffen sind, auch an diesem Entscheid mitbeteiligt sind.

    Hier und hier habe ich versucht, meine Beobachtungen dazu zusammenzufassen.

  3. Es geht darum die Welt zu verändern – zum besseren…

  4. ..was ist “die Bewegung”? http://the-babyshambler.com/2011/10/04/15-oktober-%e2%80%93-call-for-action/ (einer von vielen Versuchen es zu fassen)

  5. Hallo Wolfgang,
    schön das du die Fragen stellst.
    Meine persönliche Meinung ist folgende:

    Die Ziele sind nicht so konkret, noch nicht. Bis auf die rudimentäre aber fundamentale Einsicht: Das so wie unsere Gesellschaft ist, kann es nicht weitergehen.
    Zwei Prinzipien die dennoch für die Bewegung gelten sind meiner Meinung nach:
    1.) Kein Mensch ist mehr wert als der andere, keine Stimme bekommt mehr Gewicht als eine andere. Es gibt ausdrücklich keine Leiter, Führer oder Sprecher.
    2.) Damit Dinge auch nachhaltig sind, werden Entscheidungen im Konsens getroffen. Das stellt sicher das niemand übergangen wird.

    Die rEvolution besteht in der wiedererlangten Erkenntnis, das man das ICH nicht von anderen vertreten lassen kann. Das bedeutet auch das man plötzlich Verantwortung für sich selbst übernehmen muss und sich endlich zurecht gedanken machen darf, was man ganz persönlich eigentlich im Leben will.

    Eine Asamblea ist dazu das Instrument das eine demokratischen Entscheidungsfindung ermöglicht. Dort treffen sich die Menschen auf Augenhöhe. Der Inhalt des gesagten steht plötzlich im Vordergrund, und nicht mehr wer es gesagt hat.

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