Und immer die gleiche leier: ihr wollt ne andere Welt? aber was sind den Eure konkreten Forderungen?

8. November 2011 in Blog - alle Themen

Seitdem die Revolutionen Anfang 2011  bei denen Menschen aufgestanden sind um Dikaturen abzuschaffen und Diktatoren aus dem Land zu schmeissen haben die Mainstream Medien und die hiesigen Politiker nicht blöde gefragt, was den die konreten Forderungen sein. Die Antwort war ja auch klar und ersichtlich, so nicht! und haut ab! Demokratie statt Diktatur!

Jetzt wo es in den ländern in denen es angeblich Demokratie gibt, nerven diese Mitmacher des Systems rum: Was wollt ihr denn? Welche Forderungen habt ihr?

Anfang 2011 waren die Aussagen verschwindet! Wir wollen was ganz neues! ausreichend. Heute nicht. In Madrid, Barcelona, Athen, Thessaloniki, London, Frankfurt, Berlin, New York, Oakland usw. usf. werden die aktivist_innen gefragt, was wollt ihr denn genau? Und wenn darauf keine Antwort, keine Forderungsliste kommt, dann schallt es zurück “die sind doch alle bescheuert, haben keine Ahnung was sie wollen, die nimmt doch niemand ernst”.

Diese Drohung und diese ins lächerliche ziehen, lässt schon jetzt ein paar Aktivist_innen in Berlin und anderswo auf die Strategie der Herrschenden reinfallen. Die ist seit vielen Jahren immer gleich: Das allgemeine Interesse (die eine Forderung) der Menschen wird versucht herauszufiltern aus den vielen einzelinteressen (die vielen unterschiedlichen Forderungen). Über Jahrzehnte ist das vor allem “Jobs, Jobs, Jobs” oder “Arbeit, Arbeit, Arbeit”.

Jetzt wo es diese eine Forderung mal nicht gibt von denen die auf die Strasse gehen, sondern wo das gesamte System in Frage steht und das allgemeine Interesse zu sein scheint: “so nicht weiter!”, “ALLES muss sich radikal ändern!”, “politiker und manager stecken unter einer decke und müssen entmachtet werden”, ja in diesem Moment reicht diese allgemeine Forderung der Journalie nicht aus. Es reicht ihnen auch nicht aus das auch hier “mehr Demokratie” oder überhaupt “Demokratie” verlangt wird. Nein, nicht wenige von Ihnen finden die Durchführung demokraticher Verfahren sogar als “bedrohung”, wie am Beispiel der versuchten Volksbefragung in Griechenland zu sehen war. Frechheit, die verlangen Demokratie!

‘Das geht nicht. Das ist zuviel. Wollen die nicht was kleines konkretes? Lasst uns sie solange nach Forderungen ausfragen bis sie reagieren.’ so scheinen ein paar der Journalisten und Politiker zu denken. Dann erfüllen sie ein bisschen davon und schon ist wieder Ruhe im Karton.

Liebe Freund_innen echter Demokratie, die nur ohne Kapitalismus geht: lassen wir uns nicht einlullen und umarmen!

Wir sollten von den Bewegungen woanders lernen, überhaupt: wir müssen sehr viel mehr internationalistisch werden! Von den anderen Lernen heisst auch siegen lernen!

Wir haben bezüglich der Forderungen als Anfang das Manifest aus Spanien. Da stehen genug Forderungen drauf. Das war in der BRD Anlass genug das sich überhaupt leute zusammen gefunden haben um sich für “echte Demokratie jetzt” einzusetzen.

Und zwar auch wegen der Forderungen die darin stehen. Das war schon Einigkeit genug. Und das kann man den Journalisten auch erstmal unter die Nase halten. Aber immer mit erwähnen, wir fangen mit der Revolution gerade erst an! Das soll noch viel breiter diskutiert werden. Dafür braucht man eben Zeit!

Für alle die dieses Manifest nicht kennen oder schon wieder vergessen haben, hier der Link dahin:

http://www.democraciarealya.es/manifiesto-comun/von-democracia-real-ya-aleman/

In New York, wo die Aktivist_innen mit denselben Fragen genervt werden, gibt es nur dieses eine einzige Statement: Eine Deklaration: http://www.nycga.net/resources/declaration/

Dort und in vielen anderen occupy Orten ist es aber ansonsten immer noch so: weitere Forderungen gibt es erstmal nicht!
Ausser: kommt alle mit auf die Strasse! Die 1% und ihre Handlanger repräsentieren uns nicht! Wir müssen wirklich die 99% werden!

Zu den Forderungen in der Occupy Bewegung in den USA siehe auch hier:

http://en.wikipedia.org/wiki/Occupy_Wall_Street#Demands_and_goals

Es gibt in den USA eine Gruppe die arbeitet zu dem Thema, hat sich aber von dem normalen GA Prozess erstmal abgehoben. Weil es noch zu früh ist, dafür. Es ist nicht unwahrscheinlich das sie und ihre Vorschläge zur richtigen Zeit wieder andockt, deren Prozess lässt unter anderem hier verfolgen:

https://en.wikipedia.org/wiki/99_Percent_Declaration

Slavoj Zizek zu der ganzen Problematik ein gute Rede in New York gehalten aus dem dieses gute Papier wurde, das wird im Internet von sehr vielen geteilt, er hat dafür sehr viel Applaus von der GA in New York bekommen:
Occupy-Wall-Street-Streit: “Lasst euch nicht umarmen!”

http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532

Auch Judith Butler hat dort eine Rede gehalten, und sich auf die frage “was sind Eure Forderungen?” bezogen: http://feministing.com/2011/10/24/judith-butler-joins-occupy/ : “What are the demands all of these people are making? Either they say there are no demands and that leaves your critics confused, or they say that the demands for social equality and economic justice are impossible demands. And the possible demands, they say, are just not practical. If hope is in possible demand, then we demand the impossible — that the right to shelter, food and employment are impossible demands, then we demand the impossible.”

Wir brauchen erstmal nicht mehr: Geht! Wir wollen das für Euch unmögliche möglich machen!

Wenn wir konkrete Forderungen benennen, dann werden die Herrschenden diese aufgreifen. Sie werden, wie immer so tun als ob sie etwas von den Forderungen erfüllen bzw. umsetzen, dazu werfen sie ihren ganzen Medien und Public Relations Apparat an, rufen wieder, wie damals bei der Einführung von Hartz IV die Profis der Nation an, mit anzupacken um die Arbeitslosen in Jobs zu verhelfen.

Denn das ist immer die Forderung von fast allen gewesen: Jobs für alle! Alle von uns wissen das sie uns damit eingelullt und nur weiter gezwungen haben mitzumachen in der scheisse. Denn dieses Jobs für alle ist ja ihr zentrales Interesse: denn wir sind es die deren Krise bezahlen sollen. Das geht freilich am besten wenn man Lohnarbeit verrichtet und steuern zahlt die fast Direkt an die Banken und ihren Aktienbesitzern gehen. Und der Rest landet bei den Besitzern der Konzerne, von dem kleinen Rest vom Profit, davon dürfen wir “leben” und uns ne Tüte Kekse oder was weiss ich kaufen!

Wenn wir Forderungen stellen umarmen sie uns! Erst wirkt es sanft, dann erdrücken sie uns! Nein, sie müssen erstmal ALLE abtreten! Und wir müssen erstmal schon im kleinen eine wirklich funktionierende alternative aufbauen. Paradox wie es ist: Wir müssen in der BRD die bestehende Verfassung wieder gülig machen und verteidigen. Dann gleichzeitig erweitern zu mehr Demokratie: Erst in Zelten. Später in den öffentlichen Gebäuden.

Das muss doch an Forderung erstmal ausreichen, bis wir richtig grosse asambleen haben, wie auf dem Plaza del Sol, auf dem Tahrir oder Syntagma Platz. Wir können doch hier nicht mit den 10-20 Leuten auf der Liste oder den 10-20 Leuten die in den facebook gruppen in die Tastaturen hauen, oder den 10-20 leuten die auf den asambleen immer wieder das Wort ergreifen die Forderungen diskutieren und bestimmen hinter denen alle hinterher dackeln sollen.

Wollen wir echte demokratie, oder nicht? Es gibt hier definitiv zuviele kleine Häuptlinge die versuchen sich einen Stamm zusammen zu reden.

Wichtiger sind doch erstmal die nächsten Schritte: Camp, funktionierende AG Arbeit, funktionierende und transparente Medien
Arbeit, Transparente Vernetzung und wirkliche Zusammenarbeit mit den asambleen weltweit.

Dabei permanent die noch schlafenden Leute informieren und mit auf die Strasse und in die Diskussionen hohlen.

Und: eine AG aufbauen die sich darum kümmert wie acampada und occupy klug auf solche Machtpolitik wie die von attac reagiert. Die
Vereinnahmen ja die Bewegung. Und wir stehen drumrum.

Ist das möglich? Oder sind plötzlich alle unzufrieden, wenn man einem Haufen eindimensional arbeitenden Journalisten und Politikern auf ihre eindimensionalen Fragen keine eindimensionalen Antworten liefern kann?

10 Antwort auf Und immer die gleiche leier: ihr wollt ne andere Welt? aber was sind den Eure konkreten Forderungen?

  1. sehr schön zusammengefasst, was derzeit das wichtigste ist. hier gab es übrigens mal eine manifest-diskussion, die auch genug punkte beinhaltet, die man journalisten weiterreichen kann, falls die mal unbedingt irgendwas brauchen: http://www.alex11.org/2011/10/entwurf-eines-konsensualen-manifestes/

    anonsten halte ich es mit dem im artikel gesagten. manchmal lohnt übrigens auch ein blick zurück. dazu gleich der beitrag über “revolutionäres kino” mit den gestrigen filmbeiträgen… :-)

  2. Ich selbst habe eine konkrete Forderung:

    Ich fordere, dass statt der Wettbewerbsfähigkeit die Lebensfähigkeit das zentrale Ziel auf allen Ebenen ist.

    Das sagt sich so kurz und knackig – da steckt aber jede Menge dahinter. Zunächst muss da die Frage beantwortet werden, was Lebensfähigkeit bedeutet und wie unsere Gesellschaften lebensfähig werden können. Hier können Erkenntnisse aus der Bio-, Gesellschafts- und Management-Kybernetik genutzt werden – hier gibt es Grundlagen, die weiter ausgebaut werden. Bei der Lebensfähigkeit geht es immer um Systeme als Ganzes. Es geht um nachhaltige Entscheidungen – immer mit der Frage, ob es die Lebensfähigkeit steigert. Lineares Denken und Klientel-Interessen zählen nicht, sondern vernetztes Denken in Zusammenhänge und Nebenwirkungen.
    Und dann geht es um die Frage, wie etwas lebensfähig gestaltet wird. Hier geht es darum, die Teile in ihrer Autonomie zu respektieren und die Möglichkeiten zu mehren – zum Wohle des Ganzen. Es geht um freien Informationsfluss und Selbstorganisation als höchstes (und anspruchsvollstes) Organisationsprinzip. Dafür trete ich ein – das wird der Weg sein, den ich beschreite. Und ich habe Tools, die den Weg bereiten können (z.B. für Entscheidungsfindung bei komplexen Sachverhalten und zur Gestaltung selbstorganisierter Systeme http://www.gruppenbing.de)

  3. Ich empfinde es nicht als Aufgabe der Bewegung, Forderungen an die Politiker und deren Ämter zu stellen. Ich empfinde es als eine Anforderung der Bewegung, selbst Politik zu machen.

    Immer wieder wird von außen der Reflex hineingetragen, nennt Forderungen. Dabei gibt es von mir nur eine klitzekleine Forderung, die da lautet, lasst mich gewähren. Den Rest will ich mit gleichgesinnten versuchen selber zu gestalten. Der Rest, das sind die großen und kleinen Fragen der Gesellschaft. Z.B. wie kann man in Zukunft, jetzt wo wir 7 Millarden Menschen auf der Erde sind, gut und gemeinsam, miteinander Leben, ohne das man sich gegenseitig umbringt?

  4. Es kann niemand die Forderungen der Bewegung für die Presse formulieren, sie entstehen dynamisch und können nur eingeschränkt konkretisiert werden.
    Die Bewegung kann keine Forderungen stellen, aber die Mitglieder der Bewegung können das tun.
    Deshalb bin ich für die Unterscheidung zwischen der “dynamischen Forderung’ der Bewegung und den Aktionen von Mitgliedern und Gruppen der Bewegung.
    Ganz platt: Die Forderung Zelte irgendwo aufzustellen, ist eine Aktion der Mitglieder und kann eine Forderung der Bewegung sein, muss aber nicht.
    Im übrigen, bin ich der Meinung, dass aus der Bewegung heraus mehr Gruppen basierte Aktionen entstehen sollten, die konkrete Forderungen formulieren und zielorientiert Kampagnen führen.

  5. Den “Entwurf eines konsensualen Mainifestes” finde ich sehr gut.

    Warum fragen wir nicht das Volk, ob es mit dieser Gesellschaftsform einverstanden wäre und ob es noch etwas ändern oder ergänzen möchte? Dann wird aus diesem Entwurf der Wille des Volkes.

    Jeder hat Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Schulfreunde, Arbeitgeber, Nachbarn usw. in seinem näheren Umfeld. Er könnte bei diesen Menschen mit dem Manifest in der Hand eine Befragung druchführen und die Ergebnisse könnte man auf einer Internetseite zusammentragen.
    Daraus würde auch ein Schneeball-System entstehen, denn die Befragten könnten dann in ihrem Umfeld aktiv werden. Der schöne Nebeneffekt bei solcher Aktion: Weite Teile der Bevölkerung würde man gleichzeitig informiert.

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