Unbequeme Ueberlegungen

5. November 2011 in Blog - alle Themen

 Es ist einerseits sicher für viele frustrierend, wenn die Zahl der Demoteilnehmer kleiner statt grösser wird. Vielleicht liegt es  ja daran, dass wir uns nicht wirklich bemühen, die 99% zu erreichen, von denen oft die Rede ist und deren Interessen wir “repräsentativ (würg) ” zu vertreten behaupten. Teilweise wird effektives Handeln auch noch  erschwert durch die sozialen Prozesse innerhalb der Camps, die stattfinden , ob das jetzt gerade passt oder nicht. Ausserdem nervt mich das ganze OccupyWallstreet – Imitat, die tendentielle Fixierung auf die Auswüchse des Finanzsystems. Klar ist das ein wichtiges und höchst  aktuelles Thema und doch beileibe nicht alles, was zu thematisieren wäre. Wenn wir 99%, besser noch 100% ansprechen wollen, dann doch nicht nur über die ständig gleichen Parolen und die mehr oder weniger farblosen Tausender – Demos.

Wenn wir eine Chance haben wollen, alle Menschen einzubeziehen, dann doch nicht durch Parolen, sondern indem wir sie einbeziehen, ernst nehmen, sie nach ihrer Meinung, ihren Ideen fragen und diese auch öffentlich präsentieren.

Die Tausende, die bisher zu Kundgebungen kommen, wo fragen wir die warum sie hier sind’ ? Wo können das Besucher des Camps nachlesen ? Am 15.10. war ich in Frankfurt, motiviert allerdings durch  die ” Indignados “, durch Echte Demokratie -Jetzt und schlug dann bei Occupyfrankfurt auf. Das ist auch vollkommen in Ordnung, solange nicht irgendwelche Sprecher diese Bewegung, nach innen wie aussen,  auf  Wirtschafts – und Finanzsystem reduzieren.

Wenn die Menschen, die jetzt schon bereit sind, sich zu organisieren und aktiv zu handeln, ihre Kräfte darauf konzentrieren, die schweigende Mehrheit abzuholen, Ideen dazu zu entwickeln  und umzusetzen, dann sind die zur Zeit handelnden Tausende ein Riesenpotential für Multiplikationsprozesse.

 

Okay, wie also könnte eine Perspektive konkret aussehen ?

 

Die Protestbewegungen sollten sich vorwiegend sich als Plattformen, Netzwerke, Beschleuniger demokratischer Erneuerung verstehen. Re-Demokratisierung könnte man es auch nennen, wenn man solche Begriffe mag oder Demokratie 2.0.

 

Es geht aus dieser Sicht nicht mehr darum, was die Ziele von Echte Demokratie-jetzt, von Occupybewegung, usw. sind, welche einzelnen Ziele sie anstreben, wie ihr Weg dorthin genau aussehen soll, welche Gruppierungen sich wie beteiligen, Einfluss nehmen, die Bewegung instrumentalisieren. Man kann somit die Proteste nicht mehr personalisieren ( siehe Talk-Shows ), der Lächerlichkeit preisgeben oder scheinbarer Inkompetenz überführen, etc.

Alle Beteiligten sind- wie unterschiedlich in ihren individuellen Aussagen auch immer – Multiplikatoren des Einbindungsprozess „ Aller“ , der Idee, die gesellschaftliche Realität wertfrei abzubilden und die gesamte Bevölkerung wieder zu „hören“ und gestaltend in Meinungs- Willensbildung und Handlungsansätze einzubinden.

Klingt wahrscheinlich alles ein bisschen abstrakt, deshalb gleich einmal zur konkreten Umsetzung der Ansatzes. Wie können alle Menschen in diesen Prozess einbezogen werden ? Wie kann sich der Einzelne äussern, wie und wo kann seine Meinung und Sicht, seine Bedürfnisse und Wünsche „deutlich“, sichtbar“ „hörbar“ werden ?

Das sind konkrete methodische Fragen, die – stimmig mit den Zielen – zu entwickeln sind.

Einige Ansätze stelle ich hier zur Diskussion und lade ein, weitere ( vielleicht auch bessere ) zu finden…………………………….. http://www.facebook.com/topic.php?topic=84&uid=137920816306272

 

Noch eine Nachbemerkung: bisher gab es von Tunesien über Aegypten, Spanien, Griechenland, Israel, USA, usw. noch keine nationale Initiative, die Schlüsselworte aus anderen Ländern einfachso übernommen hätte. Ich plädiere für ein nationales Unikat. Mir persönlich würde Mensch: Frankfurt,

Mensch:Berlin. Mensch:Ulm. Mensch:Bischofsried usw. am ehesten gefallen, weil es die wesentlichen  Koordinaten unserer Existenz und unserer Standorte kombiniert.

1 Antwort auf Unbequeme Ueberlegungen

  1. hey rüdiger…also die demonstrationen laufen in wellen…für den 15. oktober haben zigtausend leute monatelang mobilisiert…klar dass zu den folge demos dann immer weniger kommen…die nächsten mobilisierungswellen laufen aber schon: 11.11.11. und 15. januar 2012.

    mit diesen wellen verbreiten sich dann auch immer gewisse symboliken und labels wie zum beispiel democracia real ya oder jetzt occupy…das kann keiner planen und das muss man auch nicht. ich empfehle sich hierzu näher mit der Thematik “Meme” auseinander zu setzen. Etwas hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Mem

    Ansonsten läuft das in Berlin mit den Arbeitsgruppen gerade sehr gut, ist mein Eindruck…Camp ist auch super :-)

    läuft, läuft….

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