Lösungsansätze

4. November 2011 in Blog - alle Themen

Teil 1

An alle, die über eine Perspektive der aktuellen Protestbewegungen nachdenken.

Mit Protestbewegungen meine ich – vereinfacht- diejenigen, die sich in “ Echte Demokratie – Jetzt “, in “OccupyX“, in “Acampada “, usw. engagieren. Ich begleite alle diese Bewegungen mit viel Sympathie, virtuell von Tunesien bis Oakland und auch – echt demonstrierend – in Frankfurt am 15.10. und 29.10.

Allerdings lebe ich als Deutscher in der Schweiz, kann also nicht so häufig „ vor Ort „ sein.

“Echtere Demokratie“ in direkterer Variante habe ich hier 20 Jahre aufmerksam begleitet und hätte auch einiges zu Voraussetzungen und Entwicklung demokratischer Kompetenz zu sagen. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr :)

Was ich heute beitragen möchte, sind Ideen zur Weiterentwicklung der Protestbewegungen, zu möglichen Zielen und beispielhaften methodischen Umsetzungsmöglichkeiten.

Was ich von Dir erhoffe, ist eine Rückmeldung, ggf. auch weitere Ideen, methodische Anregungen.

Scheint der Ansatz dir plausibel, kannst Du ihn auch gerne Anderen zur Diskussion weiterleiten, ich kenne nämlich noch keine zentrale Ideenadresse :)

GRUNDIDEE

Diskussionen um Ziele, Schwerpunkte, Abgrenzungen, Interpretationshoheit, usw. ändern sich konstruktiv, wenn der Focus sich konsequent auf die Menschen richtet, die wir einladen wollen, sich eine Meinung zur gesellschaftlichen Realität zu bilden, diese auch zu äussern und sich ggf. in Veränderungsprozessen zu engagieren.

SO GESEHEN WÄRE DAS ZENTRALE ZIEL DER BEWEGUNG:

ALLE MENSCHEN EINBZIEHEN

  • ihre Meinungen, Erfahrungen, Kompetenzen, ihre Kreativität, ihre Ideen , ihre Forderungen nachzufragen,zu dokumentieren, sichtbar und hörbar werden zu lassen.

  • den organisatorischen Rahmen, die Foren, Netzwerke

    und Beteiligungsformen dazu zu entwickeln und zu schaffen

  • die entstehenden Ergebnisse und Prozesse ehrlich und transparent zu vermitteln

  • Aktivitäten zu koordinieren

Jede Meinung hat in dieser Sicht ihre Berechtigung und bildet einen Teil der Realität ab, die wir erforschen und verändern wollen. Manipulation und Zensur verhindern das und das sollten wir wiederum verhindern :)

Die Auseinandersetzung mit dem, was echte Demokratie eigentlich genau sein soll, wie wir sie im Alltag erkennen/umsetzen/erleben könnten, sollten wir auf “ Alle“ ausweiten und – ungeachtet aktueller thematischen Schwerpunkte – immer im Auge behalten. Unsere Organisations – und Arbeitsformen können wir versuchen demokratischer zu gestalten, neue Methoden hierzu entwickeln, Erfahrungen sammeln und auswerten.

Letztlich wird diese Bewegung dann breit akzeptiert, unterstützt und getragen werden, wenn sie von Vielen als sinnvoll erlebt wird, die Menschen sich in ihrer Meinung wirklich gefragt erleben und Alternativen zur zunehmenden politischen Ohnmacht und individuellen Isolation erfahren können.

METHODISCHE UMSETZUNG ……………ERSTE IDEEN

z.B. Demonstrationen

Zusätzlich zum „offenen Mic“, das ich für sehr wichtig halte, könnten die Demobeteiligten weitere Möglichkeiten haben, ihre Vorstellungen, Meinungen und Motive auszudrücken, z.B. durch :

    • deutlich sichtbare Meinungsbriefkästen, die an Versammlungsorten aufgestellt werden

      nach dem Motto

      Deine Meinung ist alternativlos (niemand kann sie „vertreten)“…..HIER kannst du sie äussern.

      Es sind sowohl thematische Vorgaben als auch freie Inhalte möglich.

    • vor dem Start oder bei Kundgebungen könnten Papierrollen die gleiche Funktion erfüllen. Hier könnten Einstellungen, Vorschläge, Meinungsäusserungen und Denkanstüsse von „Vielen“ sichtbar werden. Auch hier sind sowohl„ freier Raum“ als auch konkrete Fragen vorstellbar, z. B. zu Gründen der Teilnahme, zu Demokratie, zu Politik, zu Finanz – und Wirtschaftssystem oder zur Bewegung selbst.

      Diese meterlangen Bahnen und/oder auch die Aufbereitung der „ Briefkästenäusserungen“ könnten zudem z.B.als Bereicherung der Diskussionen auf dem Gelände des Camps ausgestellt, gelesen und ergänzt werden. Oder auch im Rahmen einer sich entwickelnden Ausstellung an sonstigen geeigneten Orten.

    • Skalierungsfragen von 0-10 nach dem Muster „ wie wichtig ist dir…… ?

      wie sehr bist du mit…….einverstanden“, usw. können alle Beteiligte beantworten, ihrer Position Ausdruck geben und Tendenzen veranschaulichen. In kleineren Gruppen ist es wirksam und eindrücklich, sich auf einer Linie nebeneinander aufzustellen,den Raum davor zu markieren ( normalerweise reicht 5 und 10 ), die Skalierungsfrage zu verlesen und –wenn alle ihre Zahl haben – gleichzeitig auf die entsprechende Position vor sich zu gehen. Vielleicht mal bei einer Asamblea ausprobieren, kann schnell Tendenzen veranschaulichen und macht auch noch Spass.

      Skalierungsfragen könnten auch von allen formuliert und dann – nach Zufallsprinzip – gezogen werden.

      Für viele Menschen bei einer Kundgebung geht „ diese Meinungsskulptur „ aus einsichtigen Gründen natürlich so nicht. Im Moment habe ich keine bessere Idee als die Zahlen von 0-10 einzeln zu verlesen und per Anzahl Handzeichen ein ungefähres Meinungsbild zu vermitteln. Da sollte es aber noch sinnvollere Methoden geben :)

z.B. MEINUNGSBUERGER :)

    • die Meinungen der Menschen sammeln, ob in traditionellen Online-Foren, in Kommentaren zu Sendungen, Youtube-Beiträgen, Facebook oder sonstwo.

      Diese Kommentare – frei oder themenbezogen – aufbereiten und der Oeffentlichkeit wieder zurückgeben. Wie das im Internet zu machen ist, wissen andere besser.

      In der realen Welt bieten sich u.a. auch öffentliche Werbeflächen an. Diese sind

      in allen Städten und Gemeinden reichlich vorhanden und z.B. hier http://www.123plakat.de zu buchen.

      Die Plakatwände können weiss beklebt werden und dann von uns mit handschriftlichen Meinungen, Ideen, Kommentaren gestaltet werden, die wir gesammelt haben. Wirkungsvoller ist „ Handgeschriebenes“, weil es neben der eigentlichen Aussage auch die Individualität jedes Einzelnen visualisiert.

      Die Kosten pro Werbefläche liegen so bei ungefähr 10-15 Euro täglich, gebucht werden müssen meist 2 Wochen. Also durchaus finanzierbar, in Stadt und Land gleichermassen möglich, wirkungsvoll und mit grossem Nachdenkpotential.

    • Wir könnten auch Umfrageplattformen entwickeln und nutzen …Anregung und Veranschaulichung ……hier……

      http://www.pollphin.de/page/registration/login.html?cid=2672

    • etwas für Nervenstarke : Die Kniend-Version von Bettlern imitieren und in der Innerstadt oder vor dem Rathaus um (ehrliche) Meinungen betteln. Geht natürlich auch softer mittels Meinungsflyern und Abgabestellen.

z. B. SONSTIGES

oder http://www.youtube.com/watch?v=ClRO5cHlDtA&feature=related

Okay, der letzte Punkt ( Flashmob Merkel ) passt nicht so ganz, hat mich aber methodisch vollauf begeistert und überzeugt :)

Aus meiner Sicht braucht es offensive Bemühungen, dem drastischen Verfall an demokratischer Teilhabe , dem mangelnden Vertrauen in die Politik, der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit ………einen echten gesellschaftlichen Dialog entgegenzusetzen, eine Bestandsaufnahme, jenseits von Stumpfsinn und Leerformeln der Talk-Shows, den „selbstgefälligen Politikinszenierungen“der ewig gleichen Schauspieler, die man uns zumutet. Es ist Zeit, die Version der kreuzchenmachenden Analphabetendemokratie zu hinterfragen. Mir scheint die Entwicklung echter demokratischer Strukturen zu einem Betriebssystem die Basis der Möglichkeiten zu Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

1 Antwort auf Lösungsansätze

  1. Hallo Rüdiger, danke für deine Vorschläge…soweit ich es überblicken kann spiegelt das ganz gut wieder wie die Sache mitlerweile schon läuft…

    hinzu kommen natürlich noch die Camps, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen und deshalb von den Regierungen ja wo es geht verhindert werden…In Berlin hat man nun erstmal Kirchenasyl in der Kloserstraße 66 :-)

Darauf antworten

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.