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Frühling, Sommer, Herbst und Winter … Frühling

24. November 2011 in Blog - alle Themen

Der arabische Frühling

Im November 2010 brachte Stephan Hessel eine kleine Streitschrift mit dem Titel Empört Euch!, in französischer Sprache heraus, eine erste Auflage war sehr schnell vergriffen. Besonderen Anklang fand der sehr kompakte Aufruf in Tunesien.

Tunesien als ehemalige französische Kolonie und durch den Tourismus sehr mit der französischen Sprachraum verknüpft hatte 23 Jahre lang unter seinen Diktatorischen Präsidenten Ben Ali in Sachen demokratische Entwicklung und selbstbestimmtes Leben, sowie ökonomische Ausgeglichenheit nicht die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln.

Stephan Hessels Buch fiel auf sehr fruchtbaren Boden. Revolutionäre demokratische Kräfte wirkten bereits rudimentär aber erreichten erst mit der Selbstverbrennung von Mohamed Bouazizi eine breite tunesische Gesellschaft. Empört Euch! Spielte dabei eine wichtige Rolle für einen erfolgreichen Beginn und Neuanfang.

Empört Euch!, allein ist schon ein Ausruf, jedoch ebenso vehementes Fürsprechen, es nicht allein nur bei der Empörung zu lassen, sondern sich zu engagieren bei gleichzeitiger Gewaltlosigkeit, erreicht eine immense Befürwortung in der arabischen Gesellschaft.

Über den Dezember 2010 hinweg zur Nacht des 15. Januar 2011 der „Ausreise“ Ben Ali gelang es innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit, den Mann, der mehr als 23 Jahre lang an der Machtspitze stand zum faktischen Rücktritt zu bewegen. Die Tunesische bzw. Jasminrevolution war der Beginn der Wandlungsprozesse die alle nordafrikanischen Staaten erreichten und den sog. arabischen Frühling einleiteten.

Der spanische Weg

Der Samen des arabischen Frühlings, erreichte über den Winter und das anschließende Frühjahr, jedoch spätestens am 15. Mai die Iberische Halbinsel, wo sich Millionen Menschen in Spanien, auf den großen Plätzen ihrer Stadt versammelten und ebenso wie in Ägypten auf den Tahrir Platz blieben um miteinander zu reden. Sich zu empören, sich zu engagieren, sich zu vernetzen. Das alles in absolut friedlicher und gewalltfreier Art und Weise. Das große erwachen der gesamten Zivilgesellschaft in Spanien, die Überwindung der eigenen Unmündigkeit hat den Menschen neue Hoffnung gebracht. Die Erfolge sind enorm. Nicht zu vergessen zu erwähnen sei jedoch auch der Umstand, das in Griechenland die Menschen parallel dazu ebenso seit geraumer Zeit vor dem Parlament in Athen auf den Straßen saßen.

Die kräftigen Wurzeln und die breit aufgestellte Bewegung in Spanien sorgte dafür, das sich die Idee und der Mut sich für echte Demokratie einzusetzen über die Spanien hinweg in der gesamten sogenannten „westlichen Welt“ ausgebreitet hat. Frankreich, England, Israel, Deutschland, USA, Kanada, Australien, Korea, Japan, Argentinien, Brasilien, Finnland und viele mehr. Fünf Monate nach dem 15. Mai am 15. Oktober kam es zu ersten und stärksten Weltweiten Protesten in über 100 Ländern und mehr als 1000 Städten über den gesamten Globus verteilt. Unter dem Banner „Echte-Demokratie-Jetzt!“ findet eine weltweite Vernetzung statt.

Die Sache mit Occupy

Für den 17. September beschlossen Menschen die NewYorker Wallstreet zu besetzen. Die Wallstreet als Symbol und Umschlagplatz von Kapital und immateriellen Gütern, die zur ausgedehnten Ungleichverteilung von Ressourcen führt, mit dazu beiträgt soziale Spannungen zu fördern, sollte in ihren Betrieb gehindert werden. In Frankfurt/Main und Berlin kam es an diesem Tag zu ähnlichen, jedoch mehr symbolischen, nicht dauerhaften Besetzungen.

Die etwas harte Wortwahl occupy (besetzten), lies zum ersten mal die Medien aufhorchen und über die Bewegung in der westlichen Welt im größeren Stil berichten. Die Bewegungen wird seit dem in den Medien mehr als Occupy Bewegung tituliert, jedoch ist den meisten Engagierten oder denen, die man die Empörten nennt, klar, das egal unter welchen Banner die Bewegung tituliert wird, das es nicht einen richtigen oder falschen Titel geben kann. Die Bewegungen besteht aus ganz vielen individuellen Persönlichkeiten, die miteinander vernetzt sind. Wie soll man eine Gruppe korrekterweise benennen die keine Gruppe ist? Dieses Vehikel benötigt jedoch, derzeit die Presse- und Medienkulturbetriebe, bzw. die Konzernmedien noch.

Richard / 21.11.2011

2 Antwort auf Frühling, Sommer, Herbst und Winter … Frühling

  1. wirklich eine richtig gute zusammenfasung dessen, was gewesen ist im verlaufe der letzten gut 12 monate!

    die wirklich spannende frage, die hast du aber noch nicht aufgenommen. obwohl sie bei dir im titel enthalten ist. du hast aufgehört mit der beschreibung beim iststand bzw. mit dem 15. oktober.

    was aber passiert jetzt? was wird sein? was sollen wir jetzt tun? wie soll es weiter gehen?

    können und sollten wir uns nicht genau DIESEN fragen jetzt stellen? haben wir angst davor?

    denn vielleicht kommt ja genau jetzt diese bewegung gerade zum ersten male ins stocken. nicht daß ich glauben würde, sie wäre damit am ende. das ganz gewiß nicht. dazu ist der zug schon zu weit ins rollen gekommen. und die aktuellen entwicklungen in politik, gesellschaft, wirtschaft und finanzsystem, sie zwingen uns je auch geradezu. es KANN gar nicht zuende sein.

    aber sind wir nicht jetzt zum ersten male an einem punkte angekommen, wo dieser erste flow, der die ganze bewegung bisher getragen und dann auch in einem riesen schwung auf die straße gebracht hat, etwas abebbt? sollten wir uns nicht die frage stellen, warum dies so ist? und was das in der konsequenz zu bedeuten hat? welchen fragen wir uns jetzt stellen müssen, damit es weiter gehen kann? warum der zug ins stocken gerät? wo es genau klemmt? und was wir tun können und müssen, damit die fahrt weiter gehen kann?

    ist es die tatsache, daß wir zunehmend tatsächlich mit echtem widerstand des systems konfrontiert werden? womit wir bisher in den letzten jahrzehnten in diesem ausmaße nicht rehnen mußten? eben weil man auch in diesem system begreift, daß es ums ganze geht? und daß wir evtl. erschrocken sind darüber und nicht genau wissen, wie wir damit umgehen sollen? immerhin haben die letzten midnestens zwei generationen vor uns lediglich in gefestigten (und hierarchischen) strukturen wie gewerkschaften und parteien ihre kämpfe geführt, die noch dazu von einer von der gesellschaft postulierten “sozialpartnerschaft” geprägt war. die ja nun mittlerweile definitiv aufgekündigt ist, was man in der gesellschaft erst langsam zu begreifen scheint. und sich entsprechend noch in einer duldungsstarre befindet. weil die meisten wohl hoffe, flankiert von den beruhigungs- und verwirrungspillen der mainstreammedien, daß der spuk evtl. von allein wieder verschwinden wird. oder es “die politiker” schon richten werden. was ja definitiv nicht passieren wird, wir wissen ja, daß sie vasallen bzw. marionetten sind. und die tatsächlichen machthaber von keiner demokratischen wahl je legitimiert worden sind. ist es evtl. daß, das wir keine kampferfahrung mehr haben und auch die vorigen generationen eigentlich nicht bzw. deren kampferfahrungen aus den gewerkschaftlichen zusammenhängen uns nicht mehr weiterhelfen? weil das, womit wir jetzt konfrontiert sind, etwas völlig anderes ist, eine vollkommen neue qualität hat mit anderen worten. und der “gegner”, mit dem wir es hier zu tun haben, ist extrem mächtig. und er ist stark angeschlagen. und wie man weiß, ein angeschossenes raubtier ist sehr gefährlich. und dieses system geht über leichen. wir sehen es in ägypten dieser tage. wir sehen die ersten ansätze auch in großbritannien bereits, also gar nicht weit entfernt von uns. und wir sehen es auch in den usa, wie sich das system wehrt, mithilfe seiner prügelgarde. und ich fürchte, daß auch wir dies noch erleben werden. und das werden echte kämpfe werden, keine nur mehr symbolischen oder zivilisierten.

    oder ist es das, daß wir nun konfrontiert sind mit fragen, die wir tatsächlich beginnen müssen zu beantworten? bisher mußten wir nur sagen: nein, so nicht mehr! das ist in ordnung, für den anfang. damit überhaupt etwas in bewegung kommt. aber nun geht es zum ersten mal darum, erste fragen zu beantworten. die nach der selbstorganisation und einer effektiven vernetzung zum beispiel, die eine wahrhafte demokratisierung von unten auch erlaubt und möglich macht. das ist, wie man sieht, nämlich gar nicht so einfach. aber es ist machbar. davon bin ich überzeugt. es braucht aber die gesamte organisationsintelligenz der bewegung, dafür lösungen zu finden. und ich denke, genau in diesem prozeß stecken wir gerade. und ich denke, das ist auch richtig so. und es ist vor allem folgerichtig. und folglich gut. nur eben nicht so einfach. udn es geht nicht so schnell. es braucht geduld, bis sich die richtigen strukturen und lösungen, mit denen wir leben können, herausgebildet haben

    ich glaube einfach, es ist ein trugschluß, wenn wir glauben, es ginge immer so weiter wie es mit dem 15. oktober gewesen ist. also immer wieder raus auf die straße, noch mehr, und noch immer wieder mehr menschen. mein eindruck ist, daß bevor es eine neuel weille geben wird, zuerst die selbstorganisationsfrage voon uns geklärt werden muß. denn dann wird sich neue kraft herausbilden, die eine neue welle möglich macht. vielleicht im frühjahr. oder sogar sehr wahrscheinlich sogar im frühjahr. denn im frühjahr beginnt immer etwas neues. im frühjahr wächst neue hoffnung und beginnt neues leben. so ist die natur.
    laßt uns die zeit bis dahin nutzen, damit wir uns selbst organisieren!

  2. hallo anja, danke für deinen tollen beitrag,

    du hast recht, ich habe genau bei dem ist-zustand aufgehört, die entwicklung der bewegung weiterzubeschreiben. Ich kann dir dafür keinen richtigen grund nennen, vielleicht ist einer der gründe warum ich es nicht wagte über den 15.O hinaus eine persönliche reflextion wiederzugen der, das ich auf die fragen keine antwort habe wie es weiter geht. und nun? selbstorganisation, ordnung ins chaos bringen, ich kann nicht sagen ob ich das will. Sicherlich bin ich da sehr unentschlossen.

    Sicher müssen wir die fragen, die wir aufwerfen uns selber beantworten. Das wir darauf warten, das jemand kommt und uns sagt wie es zu sein hat, das hat die bewegung überwunden so denke ich. Ob die zeit reif ist antworten zu finden für großere probleme als ganz pragmatischen, ich weis es nicht.

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