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Eine Replik auf den Zeitungsartikel der Süddeutschen Zeitung vom 17.11.2011 „Bewegung ohne Ziel“ von Nikolaus Piper

19. November 2011 in Blog - alle Themen

Den Artikel in leicht abgänderter Form kann man hier nachlesen.

Sehr geehrter Herr Piper,

ich finde es nicht schön, dass sie ihren journalistischen Auftrag nicht annehmen und umsetzen, sondern reflektorisch in gängigen Mustern verharren. Ihr Artikel beinhaltet sehr viele Unwahrheiten und unausgeglichene Darstellung und stellt sich für mich offensiv gegen die Bewegung. Herr Piper, glauben sie eigentlich das was gedruckt wird?

Ich möchte ihnen einige Aspekte aufzeigen, was ich in ihrem Artikel grundsätzlich als falsch empfinde.

Schon in den Übertiteln tauchen Fehler auf..

Der Zuccotipark gilt als die Wiege der Occupy-Bewegung[...]

Wenn sie etwas als Wiege der Occupy-Bewegung nennen wollen, dann ist der arabische Frühling bzw. die spanische Demokratiebewegung als Wiege der Occupy-Bewegung darzustellen.

[...] Occupy Wallstreet wird im allgemeinen als „Bewegung“ charakterisiert, das ist im politischen Sinn nicht ganz richtig. Eine politische Bewegung braucht braucht ein Ziel und zumindest halbwegs konkrete Forderungen. Aber auf beides haben die Protestierer bis zuletzt bewusst verzichtet.[...]

Die Bewegung hat Ziele. Ist ein gesamtgesellschaftlicher Wandel nicht groß genug als Ziel, oder ist ihr Sehfeld so eingeengt, dass sie die Tragweite nicht erkennen?

[...] Wobei die eingängige Formel „Wir sind die 99%“ eigentlich eine Anmaßung ist.[...]

Was ist daran so schwer zu verstehen wie sich der Slogan „we are the 99%“ zusammensetzt? Ich bin davon überzeugt, das es es nicht darum geht, das ein halbes dutzend Leute sich anmaßt für 99% aller Menschen zu sprechen, sondern darum, das die überwiegende Mehrheit von einer kleinen Minderheit, zum einen nach Ökonomischen aber auch nach Soziologischen Aspekten versklavt wird. Es stellt ein Erkenntnisgewinn dar, für jeden, das auch sie zu denen gehören die ausgebeutet werden und sich oft auch ausbeuten lassen. Sie persönlich Herr Piper sollten sich gewahr werden, das auch die gehobene Mittelschicht, den zu den Verlierern des Systems gehören.

[…] Die Gruppe Attac demonstriert unter der Marke „Occupy Germany [...]

Ihnen bzw. der Redaktion scheint nicht bewusst, das es meiner Meinung nach gar nicht geht, das eine Gruppe geschweige den Organisation korrekterweise unter dem Label xy-Germany demonstriert, weil die Demokratiebewegung sich allein aus natürlichen Menschen zusammensetzt die miteinander vernetzt sind. Die Bewegung besteht aus vernetzen Menschen, fernab jeglicher üblicher Organisationsstrukturen, wie sie bei Attac oder anderen Vereinen und gängige Praxis ist.

Sehr geerhter Herr Nikolaus Piper,
das sie einen sehr wichtigen Aspekt nicht verstanden haben oder nicht drucken dürfen, entnehme ich ihren letzten Absatz.

[...] Wer also in diesen Tagen vor der Europäischen Zentralbank gegen „das Finanzsystem“ protestiert, hilft auch Politikern, von ihrer Verantwortung abzulenken und sich um eine schonungslose Analyse früherer Fehler zu drücken. […].

Wenn ich ihren Satzt richtig interpretiere, mutmaßen sie oder haben die Hoffnung, das unsere Politiker die Probleme der Welt lösen könnten. Lesen sie doch bitte einmal diesen Artikel, vielleicht erweitert er ihr Blickfeld.

Ich möchte meine Widerrede mit einem Zitat beenden.

Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten. Wer glaubt andere zu beherrschen ist nur noch mehr Sklave als jene.

Das sind die ersten beiden Sätze des „Gesellschaftsvertrages“ von Rousseau.

Mit freundlichen Grüßen
Richard G.

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