Bitte keine Parteifahnen!??

17. November 2011 in Blog - alle Themen

Hallo Leute!

Hab mir mal ein paar Gedanken über die leidige Diskussion, warum wir keine Parteifahnen auf unseren Demos möchten gemacht.
Die habe ich hier aufgeschrieben und möchte Eure Meinung dazu hören. Bin auch für Anregungen offen. Wenn’s Euch gefällt, verschicke ich es über verschiedene email-Verteiler. Danke

Sehr oft wird darüber diskutiert, ob und welcher Form unsere Zusammenarbeit mit verschiedenen Parteien und Organisationen stattfinden soll.
Der Grundgedanke der Bewegung ist es, dass sich die Menschen an zentralen Punkten zusammenfinden, um gemeinsam Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden. Die Meinungsfindung soll dabei im freien Dialog der Menschen untereinander stattfinden, frei von jeder Beeinflussung. Warum wollen sich die Parteien u. Organisationen überhaupt selbst darstellen? Unser Ziel = Basisdemokratie ist nur in einigen wenigen Partei- und Organisationsprogrammen enthalten. Warum dann plötzlich mit der eigenen Fahne dafür einstehen?
Solidarität heißt für etwas zu sein und das mit allen Kräften unterstützen, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten. Denn die Gegenleistung besteht schon im persönlichen Gewinn der Sache, für die man einsteht.

Parteien und Organisationen haben Programme. Diese möchten sie (natürlich) möglichst kompromisslos durchsetzen. Das passt aber nicht in die Bewegung, denn Grundgedanke ist, dass sich die Menschen ohne Beeinflussung miteinander verständigen und das Für und Wider einer Sache diskutieren, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.
Stehen nun größere Interessenverbände aufgrund einer eigenen Satzung gemeinsam für oder gegen eine Sache ein, wird dadurch die gemeinsame Lösungsfindung  manipuliert.

Die Strukturen von Parteien und Organisationen sind Hierarchien. Das heißt, dass einige Mitglieder aufgrund ihrer Position über anderen stehen. Das lehnen wir ab. Alle Menschen sollen sich auf Augenhöhe begegnen, sodass sich jeder in der Form einbringt, die er für sich als richtig erachtet und die seiner Möglichkeiten entspricht.

Parteien und Organisationen haben Führungspersönlichkeiten. Diesen haben die Mitglieder durch ihre Wahl ihr Vertrauen ausgesprochen und sie mit der Entscheidungsfindung beauftragt. Dadurch trifft wieder eine relativ kleine Gruppe die Entscheidungen für die große Masse. Eine weitere Einflussnahme durch andere ist nur bedingt möglich.

Innerhalb von Parteien und Organisationen besteht ein Fraktionszwang. Dadurch werden Mitglieder „gezwungen“, in Abstimmungen entgegen ihrer persönlichen Meinung zugunsten des Parteiprogramms zu entscheiden. Das ist absolut undemokratisch und hat nichts mit der Demokratiebewegung gemein.

Partei- und Organisationsfahnen schrecken jene  Menschen ab, die aufgrund persönlicher Differenzen mit dieser Institution nichts zu tun haben wollen. Ziel ist es aber, möglichst alle Menschen zusammenzubringen.

Wenn sich also Mitglieder von Parteien und Organisationen mit der Demokratie-/Occupybewegung solidarisieren, sollten sie dies nur aufgrund ihres eigenen, persönlichen Wunsches tun, in einer echten Demokratie zu leben und sich selbst so in unsere Gesellschaft einzubringen, wie er es für sich als richtig erscheint.
Natürlich ist jeder in der Demokratiebewegung willkommen und es spricht auch nichts dagegen, dass Mitglieder von Parteien und Organisationen ihre politische Herkunft mit einem Button oder anderen kleinen Erkennungszeichen anzeigen. Jedoch ist das Auftreten als Gruppe und mit Fahnen oder Bannern aus den oben genannten Gründen absolut kontraproduktiv für die Bewegung.

20 Antwort auf Bitte keine Parteifahnen!??

  1. Ich stimme dir voll zu, gibts hier kein “like it”-button ;-)

    • Wer oder was will mich da zensieren, wenn ich z.B. eine rote Fahne zeige, oder eine Fahne der Partei DIE LINKE, oder eine Ver.di-Fahne (bin auch Gewerkschafter und seit rund 40 Jahren linkspolitisch aktiv!)? Die Occupy-Bewegung ist weder im Besitz von Attac, noch von Campac oder von einer anderen Organisation! Diese Bewegung sollte offen sein für alle demokratisch gesinnten Menschen! Die Arbeiterbewegung hat lange dafür gekämpft, “ihre” Fahnen öffentlich zeigen zu dürfen. Die Nazis haben das oftmals unterbunden! Ich lasse mich nicht zensieren- von niemanden! Mein Wunsch ist, dass diese Bewegung deutlich politischer, sprich: antikapitalistischer, wird. Aus einer diffusen “Empörung” sollte Wut, aus Wut Zorn und daraus wiederum konkreter, phantasievoller Widerstand werden- auch da, wo mensch lebt, “vor Ort”! Eine “Wir-haben-uns-alle-lieb-Harmoniebewegung” riskiert, auf Dauer unpolitisch zu werden, auch andere zu entpolitisieren! Wir sollten es nicht allen recht machen wollen. Ich favorisiere einen sozialistischen, antikapitalistischen Standpunkt (was sonst??) und lasse mich deshalb nicht nur auf die Bekämpfung der Bankenkrise thematisch reduzieren!

        • Herr Huste,

          niemand spricht von “thematisch reduzieren”…es geht vielmehr um thematisch erweitern! …denn gerade auch die Linke bekommt es wegen ihrer Dogmatik nicht hin auch mal das fehlerhafte Geldsystem in die Kritik aufzunehmen…offenbar verstößt das gegen die Gruppenregeln.

          Und wie kommen sie auf unpolitisch? Es gibt eine Menge AGs die inhaltliche arbeiten. Jeder Mensch hat natürlich auch immer politische Ansichten…sie sollten nicht das was ihnen der Maisntream vorkaut für die Wirklichkeit halten!
          Weiteres zum Thema Parteien/Politsekten weiter unten….

  2. Wenn wir möglichst viele Leute bekommen wollen ist es meiner Meinung nach nicht förderlich diejenigen auszuschliessen die sich unserem Protest anschliessen. Immerhin sind es grade die Parteien und Organisationen die da anscheinend im Moment die grösste Bereitschaft zu zeigen. Ich bin auch kein Anhänger irgendeiner Partei und auch grundsätzlich für die Abschaffung des Parteiensystems ansich. Jedoch sehe ich keinen Grundes zu verbieten. Das müssen die Leute für sich selber entscheiden. Immerhin ist es auch ein Symbol das viele verschiedene Bewegungen für eine Sache sich gemeinsam solidarisieren. Früher oder später werden die Leute wahrscheinlich selber draufkommen und ihre Fahne zu Hause lassen. Genauso wäre es doch auch umgekehrt wenig förderlich wenn die Menschen dann zu Hause bleiben würden nur weil sie Ihre Parteifahne nicht schwingen dürfen. Man kann es ja offen kritisieren und genau zu dieser Frage den offenen Dialog suchen.

  3. Mich persönlich schrecken Fahnen ab. Die Repräsentanz der Fahnen würde doch nicht bedeuten das WIR (das so oft strapazierte Wort) uns solidarisch mit den Parteien erklären, sondern ehr umgekehrt. Nur gibt es keine Partei die Assambleas abhält, wo Konsens trotz Vielfalt besteht bzw gesucht wird. Basisdemokratie sucht man vergebends, auch wenn bei manchen Parteien programmatische Ansätze vorhanden sind. Es steht für mich ausser Frage wer sich da auf wen zuzubewegen hat. Die meinsten Menschen die ich im Camp oder auf den dazugehörigen “Demos” antreffe sind eben deswegen dabei. Für mich zumindest ist, um es mal dahinzumerkeln, Occupy alternativlos.

    • Wenn z.B. Christinnen und Christen oder andere religiös ambitionierte Menschen auf einer Friedensdemo, auf einer Occupy-Demo, ihre Fahnen zeigen, dann sehe ich zuerst, dass sie ebenfalls für den Frieden, gegen den real existierenden Kapitalismus sind (zumindest eventuell!). Daraus zu schließen, ich fühle mich durch solche Gruppen “vereinnahmt”, werte ich als lächerlich (zumal ich Atheist bin, seit meinem 16. Lebensjahr). Ich bin ein Anhänger von breiten, demokratischen Bündnissen- da sollten wir keinen ausklammern, keine “künstlichen Barrieren” schaffen!

  4. die Parteiflaggen sind es die “Künstliche Barrieren” schaffen…nicht die Abwesenheit von Parteiflaggen…

    Es wurde doch klar erklärt, dass kein MENSCH ausgeschlossen wird!

    Aber sehr passend dass hier der link zu Religionen kommt. Denn Parteien sind nichts anderes als Politsekten! …und die Sektenmitglieder aller Coleur sollten sich mal ernsthaft fragen ob sie mit ihrer manchmal manisch-zwanghaften Art ihre Sektenangehörigkeit zur Schau stellen zu müssen nicht etwas fragwürdig handeln….

    Es ist etwas schamhaftes von einer Sekte gefangen worden zu sein…wieso muss man das auch noch öffentlich kundtun? Ist das ein Hilferuf?

  5. Ich hätte einen Kompromiss!
    Da wir alle Farbe bekennen wollen, aber doch diesmal keine einseitige Einflussnahme wollen sowie Hierachie:
    Ich selbst habe mir überlegt unter welchem Banner ich mich gerne vereinigen würde wollen.
    Es gibt drei.
    Das Erste ist das deutsche Schwarz-Rot-Gold. Denn diese Farben waren seit der Revolution von 1848 Symbol von Einheit, Freiheit und Brüderlichkeit.
    Die zweite Flagge wären die der Europäischen Union. Diese Flagge zeugt von dem langen Weg zur liebevollen Völkerverständigung, und der Herzensgüte mit der ich Fremden begegne und begegnen will.
    Aber am liebsten würde ich unter einer Fahne gehen, die für mich den schönsten Rang genießt.
    Ihre Farbe ist Weiß – so weiß wie Schnee.
    Es ist die Flagge des Friedens. Wenn man alle Farben die es gibt überlagert, dann entsteht weißes Licht. Sie ist die Bündelung der Vielfalt. Sie ist die Grenzenlosigkeit!
    Warum könnte es nicht einen Sternmarsch geben, auf der jeder sein Banner trägt bis – so denn alle an einem bestimmten Punkt angekommen sind – dann alle gemeinsam zu einem Zeitpunkt ihre
    Gesinnungsbanner einrollen, um darauf einheitlich eine Flagge zu hissen.
    Welche es sein soll ist mir persönlich wurscht (am besten nat. die Weiße, aber ich bin da kompromissbereit), Hauptsache zu einem Zeitpunkt ein Flaggentypus.
    Soviel zu meiner Idee
    Boa die Vorstellung verschafft mir ne Gänsehaut :)

    Gruß Matthias

  6. Parteien sind keine Sekten! Im Idealfall (!) sind sie der verlängerte, demokratische Arm der Majorität, der außerparlamentarischen (linken, antikapitalistischen, antifaschistischen, antirassistischen, antimilitaristischen, pro ökologischen und pro feministischen) Opposition, gleichzeitig das parlamentarische Sprachrohr von NGOs. So sollte es zumindest sein, so muss es sein! Ich liebe folgenden Satz von Lenin: “Klarheit geht vor Einigkeit!”. Was nützt uns die Einigkeit, das Gemeinsame, die Harmonie, wenn die (politischen) Inhalte die falschen sind? Übe die Inhalte solte mensch weite eher und auch intensiver diskutieren, als über die jeweilige Form (hier: pro und contra Fahnen, Parteien). Es ist sinnvoll, sich zu organisieren, statt als Einzelwesen auf einer rein privatistischen Ebene zu agieren. Ersteres ist politisch- zweites entpolitisierend und auch – insgesamt betachtet – unpolitisch! Der Individualanarchismus ist kleinbürgerlich und konterproduktiv für eine linke, antikapitalistische Bewegung; da ist der sozialistisch determinierte Anarchismus schon ein großes Stück politischer, weitreichender (immerhin). Nur gemeinsam sind wir stark, können wir auf Dauer was zum Besseren verändern. Deshalb: Unit! Vereinigt euch! Entweder in einer fortschrittlichen Partei, in einer Gewerkchaft oder in einer NGO.

    • Ja, schöne theoretische Darstellung was Parteien im Märchenbuch sind, ist das…

      Kleiner Hinweis: In der Realität ist das nicht so
      Noch ein Hinweis: Die “Bewegung” will mit dem System Schluss machen, nicht gemeinsame Sache damit machen!

      Exkurs: Wenn die einzige Alternative zum Parteienstaat für sie der Individualanarchismus ist, fehlt ihnen etwas Lektüre. Zum Einstieg empfehle ich das hier: http://the-babyshambler.com/2011/10/09/direkte-demokratie/

      • Ach ja: Ausserdem ist seit über 100 Jahren wissenschaftlich unwiderlegt dass Parteien im Zeitverlauf unemokratisch werden MÜSSEN:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Ehernes_Gesetz_der_Oligarchie

      • Was heißt hier konkret “System”? Auch die Faschisten, Konservative, Reaktionäre und KleinbürgerInnen sprechen oftmals recht diffus vom “System”- verstehen darunter in der Regel (!) aber was anderes als die AntikapitalistInnen, die Linken, als SozialistInnen und KommunistInnen. Wir leben im real existierenden Kapitalismus, das ist ein Fakt. Dieses System beruht bekanntlich nicht nur auf der Akkumulation (= Anhäufung des Kapitals, des Geldes), sondern primär auf Ausbeutung und Unterdrückung, auf Verschwendung von Rohstoffen und Energie für oftmals Unnützes, oftmals Gefährliches (da denke ich nicht nur an Streubomben, aber auch)! Dieses Systems produziert Ungleichheit und lebt gleichzeitig auch davon (Solidrität unter den “abhängig Beschäftigten” ist da eher nicht gefragt, das versuchen die Kapitalisten zu unterbinden). Ich strebe dagegen eine Gesellschaftsordnung an, in der sich jeder Einzelne frei, also unzensiert, entfalten kann, wenn er oder sie sich demokratisch geriert, keinen Schaden zuungunsten der Majorität, der Natur/Umwelt anrichtet. In dieser von mir angestrebten Gesellschaftsordnung steht der einzelne Mensch, die Gesellschaft und die Natur/Umwelt im Mittelpunkt aller Betrachtungen und Handlungen- was sonst? Ich nenne eine solche Gesellschaftsordnung eine sozialistische Demokratie (eine kapitalistische kann es nicht geben, weil das – wie von mir skizziert – ein Widerspruch in sich wäre). Die einen versuchen, dieses Ziel durch eine Organisation zu erreichen (z.B. innerhalb einer Partei, in einer Gewerkschaft, in einer NGO), die andren verscuhen es auf der privatistichz-indivieualistichen Ebene (letzterer Ansatz ist aus meiehr Sicht unpolitich, bewirkt nichts). Und: Nicht das Geld ist das Problem, sondern der Kapitalismus. Er macht keine Fehler- er ist der Fehler! Und: Der Begriff “Zinsknechtschaft” ist ein Begriff der Nazis- wir sollten ihn nicht verwenden (das schreibe ich nur “prophylaktisch”).

        • “Der Begriff “Zinsknechtschaft” ist ein Begriff der Nazis- wir sollten ihn nicht verwenden (das schreibe ich nur “prophylaktisch”).” …ja Herr Huste, sie schreiben das prophylaktisch und nehmen sich damit das Recht heraus – genau wie ihre Sektengenossen – sich mit der Grundproblematik des Geldsystems nicht beschäftigen zu müssen…nicht wenige aus der linksextremen Ecke überziehen im übrigen gerne Leute die das tun mit kruden Antisemitismusvorwürfen…die führt zu einer In-Group-Konditionierung und in der Folge ist die ganze Thematik innerhalb ihrer Sekte nahezu tabuisiert. Deshalb ist ihre Sekte – genau wie alle anderen Politsekten auch – für einen umfassenden politischen Diskurs nicht konequent ernstzunehmen. Soll heissen: Als Sekte knicken nie zwangsweise ein wenn es heikel wird..

          Sie sollten sich übrigens mal umfassend mit der Grundproblematik des Geldsystems auseinander setzen (Geldschöpfung PLUS Zinseszins ist das Problem). Fast alles Wissenswerte dazu finden sie hier, lesen sie ruhig auch die rund 140 Kommentare: http://le-bohemien.net/2011/09/09/wie-banken-geld-machen/

          Zu ihrer Frage was “das System” ist..das Gesellschaftssystem besteht aus verschiedenen Subsystemen. Fast alle davon gilt es neu aufzubauen um dadurch die alten abzulösen.

          Dass es ein neues Wirtschaftssystem braucht, das auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist streitet niemand ab. Es bedarf aber eben AUCH eines neuen Geldsystems (sonst ließe sich so ein Wirtschaftssystem nicht aufrechterhalten), es bedarf auch eines Mediensystems das frei von eben jenem Gelddruck ist, etc…Baustellen gibt es viele….das Geldsystem ist eine sehr wichtige. Auf diesem Auge ist die Linke leider komplett blind.

  7. Matthias@ “Boa, die Vorstellung verschafft mir ne Gänsehaut :) ”. Liebe Matthias, war das nun als Realsatire gedacht, was Du da weier oben geschreiben hast- oder meinst Du das ernst? Ich gehe mal vom letzteren aus.
    Tja, unter “unserer” deutschen Bundesflagge haben sich sogar hier und da Faschisten, Rassisten und Reaktionäre versammelt- ebenso auch unter der europäischen Flagge (wie erst vor einigen Wochen in Griechenland geschehen). Unter einer roten Flagge findet man die Rechten deutlicgh seltener- oder um es anders zu sagen:gar nicht (und das ist gut so!). ;-)

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