Ab jetzt sind wir auf uns allein gestellt

16. November 2011 in Blog - alle Themen

Wie ich soeben mitbekommen habe ist das camp bei der Wallstreet in einer Nacht und nebel Action geräumt worden. Wie fast alle in den Vereinigten Staaten genau so wie hier in Europa. In Berlin steht der Bundespressestrand, seitdem die Pächterin auf druck von aussen einen Rückzieher gemacht hat, auch kurz vor dem Aus. Das ist für die Occupy Bewegung fatal. Man muss nämlich ständige Präsenz zeigen. Man braucht einen öffentlichen raum an dem sich ständig Leute aufhalten um weiteren Zulauf zu bekommen, um einen Austausch zu ermöglichen bei zB dem Ideen für Aktionen aufkommen, man diese spontan organisieren & koordinieren kann. Ein Ausstausch bei dem man auch über inhaltliches redet oder andere Aktivitäten wie Musik & Kunst entsteht. Damit ein starkes Band die Menschen verbindet, ein gemeinschaftgefühl aufkommt und die Bewegung sich weiterentwickelen kann. Man brauch einen permanenten Stützpunkt. Kein Camp, keine Leute, Keine Aktivität. Übers internet kann man sich nur unzureichend Austauschen. Man kann sich auf Termine einigen an denen man sich trifft aber die aktivisten werden mit jedem Treffen weniger und man endet als verschlossene Linke randgruppe, deren mitglieder sich inhaltlich nichts mehr zu sagen haben. der kreative Austausch trocknet aus. Man konzentriert sich dann nur noch um Vorgehensweisen, auf das Verwalten potentieller Massen. Man erreicht dadurch nur noch die üblichen Verdächtigen.

Umso wichtiger ist es für uns, wenn sie schon den Kopf der Bewegung abschlagen, eine Hydra zu bilden mit vielen nachwachsenden Köpfen. die Occupy Bewegung braucht rückhalt in dezentralen Strukturen, die nicht so leicht auf einem schlag zu neutralisieren sind.  Wir müssen also in die Viertel gehen eine neue kreative Basis schaffen und lokal was verändern. Andererseits darf Occupy nicht wie die Entscheidungen der mächtigen in der ferne geschehen, wir müssen dort ansetzen wo sie auswirkungen zeigen. Wir brauchen einen ständigen Ort in unserem Viertel aber vielleicht ist das Schlagwort ‘Occupy’ nicht mehr ganz an der Tagesordnung da die besetzungen gescheitert sind. Meiner Meinung nach müssen wir mit dem schlagwort ‘Unite’ über den Winter kommen. Von einem warmen Ort aus können wir aktiv werden.

Wir müssen die versprengelten & entwurzelten Existenzen unseres Viertels zusammenführen und eine neue kleine sich beistehende Gemeinschaft aufbauen.

https://occupywedding.wordpress.com/

5 Antwort auf Ab jetzt sind wir auf uns allein gestellt

  1. Zunächst einmal zu Occupy-Wall-Street-Bewegung in New York:
    Gericht erlaubt Rückkehr in den Zuccotti Park
    http://www.rp-online.de/panorama/ausland/gericht-erlaubt-rueckkehr-in-den-zuccotti-park-1.2600099

    Occupy Oakland:
    11-15-11 9 am OccupyCal action has started with teach-outs in Sproul Plaza. March from Occupy Oakland to Berkeley 2:30 pm: Oscar Grant Plaza up Telegraph Avenue to the OC General Assembly at 5 pm.
    OWS NYC calls for international solidarity actions beginning 11-15-11 through 11-17-11 following police raid early on 11-15-11.
    Saturday Nov 19 Day of Action: Into the Streets!
    Mehr unter: http://www.occupyoakland.org/

    Auch die Schweizer machen weiter. Du brauchst Dich also nicht allein oder gem-einsam zu fühlen!

    Du schreibst: (…) Kein Camp, keine Leute, Keine Aktivität. Übers internet kann man sich nur unzureichend Austauschen. Man kann sich auf Termine einigen an denen man sich trifft aber die aktivisten werden mit jedem Treffen weniger und man endet als verschlossene Linke randgruppe, deren mitglieder sich inhaltlich nichts mehr zu sagen haben. der kreative Austausch trocknet aus. (…) Ich denke, so generell kann dies nicht gesagt werden. Die antirassistische Bewegung hat z.B. im Mai 2001 bundesweit ein Camp am Schlossplatz in Berlin mit Aktionstagen gegen die Residenzpflicht organisiert ( http://umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/190501aktionstage.html ; siehe auch die Videos) und die Initiativen sind immer noch aktiv. Kürzlich hat ein Prozess gegen die Zwangserhebung von Gebühren des Verlassens des Landkreises Erfolg gehabt. Mit anderen Worten: Die Aktivitäten gingen auch nach Abbruch des Camps weiter. Außerdem kann ein Camp – wenn es zu Streit und Zerwürfnissen kommt – das Ziel gefährden. Ich weiss vom ersten Versuch am Alexanderplatz, dass z.B. Frauen nicht mehr gekommen sind, weil sie die Betrunkenen nicht mehr ausgehalten haben oder z.B. ein Solaraktivist sich wütend aus der “Gemeinschaft” zurück gezogen hat, weil Zusagen bezüglich seines Solar-Fahrrades nicht eingehalten wurden.

    Was jedoch sehr wichtig ist, dass eine Revolution bzw. der “Global Change” ein Prozess ist, für den es permamente Anlaufpunkte und eine gute sowie kreative und flexible Organisierung braucht. Desweiteren bin ich zuversichtlich, dass es auch immer Lösungen gibt, wenn zwischenmenschliche Probleme auftreten.

    Wir stehen erst am Anfang dieses Prozesses. Erschwerend kommt hinzu, dass wir jetzt in den Winter “hineinschlittern”, wodurch die Versammlungen im Freien ohne Wärmetonnen schwierig werden. Wenn es uns gelänge, die permanenten Versammlungen aufrecht zu erhalten, so könnten wir die lokalen Versammlungen und zentralen Austausch miteinander verbinden.

    Ich gebe noch zu bedenken, dass so lange die verantwortliche Pächterin des Terrains keine Ansage zur Räumung des Terrains kund getan hat, noch keine “Gefahr im Verzuge” ist. Gegebenenfalls steht die Räumung des Camps gegen Ende November an, weil dann dort eine Versteigerung stattfinden soll. Die Pächtergemeinschaft sieht vielleicht im Camp ein Geschäftsrisiko ? Dies aber gälte es zunächst zu erforschen.

    Des weiteren möchte ich anregen – da Du den Begriff “occupy” in frage stellst – sich mal mit dem Begriff der “Recuperation” – vielleicht auch anhand der “Situationistischen Internationale” – zu beschäftigen. Da er auf “Wiedergewinnung”, “Wiederherstellung” beruht, passt er gut zu Re-evolution. Und da es ja auch darum geht, Empathie zu entwickeln und die verloren gegangene Liebesfähigkeit wieder zu entdecken, zu: “ReLOVElution”…

  2. Hier noch ein Link:
    http://occupywallst.org/article/urgent-everyone-liberty-square-now/
    Soviel mir bekannt ist, ist die Facebookgruppe “Occupy Togehter” zumeist auf dem neuesten Stand, schau da einfach mal rein.

  3. ich gebe alinka in einigen punkten recht.
    zunächst einmal glaube auch ich nicht, daß die bewegung am ende ist, selbst wenn das camp geräumt werden sollte, entweder in einigen tagen oder erst ende november. wir befinden uns am beginn eines prozesses, von dem ich glaube, daß er noch eine ganze weile dauern wird. und ich denke, so wie es bisher gewesen ist, wird dieser prozeß sich auch weiterhin wellenartig fortsetzen. es wird solche bewegungs-spitzen geben wie es in diesem jahr der arabische frühling gewesen ist, danach die bewegung 15m in spanien, mit den ersten besetzungen im august auf dem alex und dann die große welle mit dem 15.oktober. wir haben damit schon einen großen erfolg erreicht. das muß man schon mal festhalten.
    außerdem kommt hinzu, daß das bedürfnis in der bevölkerung nach veränderung grundsätzlich tatsächlich vorhanden ist. auch hier in deutschland. es macht sich nur noch nicht so kund wie dies bspw. in griechenland , usa oder spanien der fall ist. dazu sollte man sehen, wo und unter welchen bedingungen wir hier sind. da ist nicht nur zu bedenken, daß das deutsche temperament nun einmal kein spanisches ist, sondern vor allem, daß das elend in deutschland auch durch diverse maßnahmen noch verhältnismäßig klein gehalten wird. von h4 kann man bspw. immer noch leben, wenn auch nicht gut. da sind die bedingungen in den anderen ländern schon deutlich krasser und viele leute sind tatsächlich in großes elend gefallen, und zwar massenhaft. das schafft natürlich eine deutlich andere massenbasis als es hierzulande der fall ist. ganz wichtig finde ich aber auch das klima der angst, welches in den letzten jahren hier erzeugt worden ist. und auch der repression und denunziation. ich sehe die lage hier so, daß viele angst haben, sich zu äußern, weil sie nicht das letzte bißchen auch noch verlieren wollen, weil sie angst haben vor repressionen durch behörden etc. und außerdem haben wir hier, ganz wichtig für mich, auch keine große entwicklung eines kritischen bewußtseins mehr seit etlichen jahren. das gibt s vereinzelt, ganz besonders im internet auf blogs etc. konzentriert. gelegentlich gibts auch mal einen kritischen artikel in der zeitung. aber wirklich einen geistigen aufbruch sehe ich hier nur vereinzelt. auch das liegt an dem herrschenden klima der angst. da durcken sich viel einfach erst mal oder noch immer weg. es ist auch ein wenig der untertanengeist, der hier wieder einzug gehalten hat. gerade in den schichten, die wirklich richtig geknebelt werden. der zusammenhang unterdrückung = bewußtseinsentwicklung -> kommender aufstand, den sehe ich nämlich nicht zwingend. das ist ein trugschluß.

    so weit erst mal die rahmenbedingungen, die es für uns schwierig machen werden, hier eine bewegung wirklich kraftvoll aufzubauen. die spanier, die griechen, die amerikaner sogar sind uns da um einige schritte bereits voraus. aber wie gesagt, da ist das elend ja auch bereits viel weiter fortgeschritten. und die leute sind quasi gezwungen, sich bewußt zu werden und sich zur wehr zu setzen.

    wie können wir nun weiter gehen? ich denke, wir sollten uns einen warmen raum suchen, einen großen, wo wir uns regelmäßig treffen können. und den winter über nutzen, uns über viele fragen klar zu werden, unser eigenes bewußtsein zu stärken, zu rekapitulieren, was in den letzten wochen gelaufen ist, um daraus für die zukunft zu lernen. und vor allem unser miteinander umgehen zu stärken, denn DAS, so finde ich, ist usnere große stärke. DAS ist es,w as wir dem system entgegenzusetzen haben. ein kooperatives miteinander umgehen. respekt usw. das ist es, was den geist der bewegung (wie auch immer sie dann heißen mag) wirklich ausmacht.

    ich möchte auf dem wege gerne anregen, ein pad zu eröffnen, auf dem wir einmal unsere gedanken zu den letzten wochen zusammentragen und uns austauschen. was ist gut gelaufen und warum, was ist weniger gut gelaufen und warum? was können wir daraus für die zukunft entnehmen?
    eine perfekte lösung habe auch ich nicht anzubieten, nur ein paar gedanken zu dem oder jenem. aber ich vertraue auf die schwarmintelligenz. wenn wir gemeinsam zusammentragen, dann wird sich daraus auch eine neue dynamik entwickeln und auch neue gedanken für die zukunft.
    ich denke im übrigen, wir sollten es jetzt einfach hinnehmen, daß es winter wird und die bedingungen sich verschlechtern. auch für ein camp. die zeltidee ist in ägypten entstanden und in spanien fortgeführt worden. das war im frühjahr. da war das sinnvoll. den winter über durchzuzelten ist zwar ein heldenhaftes vorhaben, kostet aber meiner meinung nach zu viel energie. und ganz ehrlich: wir werden im kommenden jahr alle kräfte brauchen und usnere ganze enrgie. der winter ist von der natur zur regeneration bestimmt. und das schließt auch uns menschen ein. und das ist nicht verkehrt. ein neuer frühling wird kommen. es ist nicht anzunehmen, daß die welt bis zum märz untergeht. ;-) wir sollten die zeit bis dahin sehr gut nutzen, um uns zu stärken für die kommenden kämpfe. (und für diejenigen, die glauben, es sei dann ja alles verloren und wir würden wieder bei null beginnen: nein, das ist nicht richtig. wir beginnen dann nicht bei null, und wir fallen auch nicht auf null wieder zurück. dazu ist die sache schon zu weit gediehen. aber es könnte passieren, daß wir durch aktionismus, der jetzt nicht mehr die wirkung zeigen wird wie gewünscht, tatsächlich noch viele leute verlieren werden, die verschlissen werden dadurch. und das wäre schädlicher, als sich jetzt in ruheräume – und auch mglw. in die stadtbezirke – zurückzuziehen und uns dort für die kommenden kämpfe vorzubereiten. wir müssen usn eifnach nach innen stärken) so jedenfalls denke ich.
    und außerdem, das wendland in gut einer woche wird uns sowieso weitere kräfte entziehen hier in berlin. das wird auch noch eine lücke reißen. also wäre es doch meiner meinung nach nicht verkehrt, das camp in frieden aufzulösen als dann höchstwahrscheinlich der presse die bilder zu liefern von “chaoten” und gewalt etc., die die ganze bewegung auch in den augen derer, die uns mit wohlwollen beobachten, aber ängstlich sind, dirkreditieren würden. ich weiß, es ist sicher eine überwindung, auf die “schweigende mehrheit” rücksicht zu nehmen. aber genau die müssen wir erreichen. denn erst wenn dir irgendwann auf den zug aufspringen und das alles mittragen, erst dann wird wirklich was abgehen und veränderung stattfinden. wir sind nur die vorhut sozusagen, die pioniere vielleicht. aber entschieden wird die schlacht erst, wenn die massen sich entscheiden, uns zu folgen. dann ist die bewegung nicht mehr aufzuhalten.
    aber sie warten darauf, daß etwas passiert, wo sie sich anschließen können, was ihnen hoffnung gibt, und wo sie erfolgschancen sehen. wenn das eintritt, werden wir viele anhänger haben.

  4. nach innen stärken und die masse mitnehmen unterstreiche ich
    ein pad zur standortbestimmung und ideeenfindung für neue ausrichtung befürworte ich ebenfalls

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