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Weiter geht’s – mal wieder.

17. Oktober 2011 in Blog - alle Themen


Nochmal: Es gibt keine „Aktivisten von Alex11“, es gibt keine Gruppe „aCAMPada Berlin“, es gibt keine „Echte Demokratie Jetzt!“ – Bewegung, genauso wenig wie es eine feste Gruppierung die Occupy Berlin, oder wie auch immer heißt, gibt.
Es gibt Leute die sich zu irgendeinem Zeitpunkt gemeinsam getroffen haben, um sich über das bestehende Ordnungssystem und seine nicht länger hinnehmbaren Auswirkungen zu empören und eine partizipative Demokratie zu fordern, in der alle gemeinsam den Meinungs- und Entscheidungsfindungsprozess mitgestalten dürfen.
So habe ich die Motivation und den Minimalkonsens dieses losen Netzwerkes verstanden, das sich seit dem 15. Mai in Spanien und kurz darauf in anderen Ländern zusammengefunden hat. Unter diesen allgemein formulierten und radikal gemeinten Bedingungen habe ich mich Anfang Juni den Menschen angeschlossen, die sich seitdem regelmäßig auf dem Alexanderplatz trafen, mit dem Ziel auch in Berlin ein Camp nach spanischem Vorbild zu errichten und Versammlungen abzuhalten, um kollektives Denken und die Grundlagen der Konsensfindung zu üben, zu erlernen und weiter zu entwickeln.
Selbstverständlich haben sich daraus auch teilweise Strukturen entwickelt, hinsichtlich der Kommunikationswege, der Organisation bspw., aber auch zwischen einzelnen Menschen, die sich kennen und schätzen gelernt haben.
Aber wichtig dabei ist und war immer, dass daraus niemals feste Strukturen wurden und werden. Keine Rollenzuteilungen, alles kann und muss sich immer neuen und anderen Gegebenheiten anpassen. Immer wieder stoßen neue Begriffe, neue Menschen, neue Energien und Impulse zu dem ganzen dazu.
Zu den ehernen Grundgesetzen gehörte immer, dass es um Basisdemokratie geht, dass Aktionen, Demonstrationen, Internettools immer lediglich eine Plattform bieten für alle, die sich zu beteiligen wünschen.
Dieses Blog bspw. ist so ein Ergebnis der Erfahrung, dass wir unabhängig von Facebook und anderen sozialen Netzwerken offene, für alle zugängliche und unabhängige Foren brauchen.
Daran wird hier nun seit einiger Zeit gearbeitet, jeder kann und soll sich hier einbringen, was die Usability anbelangt, aber vor allem mit eigenen Artikeln, Kommentaren usw. Hier wird nichts zensiert und nichts vorgegeben.
In den vergangenen Monaten wurden natürlich auch Erfahrungen gesammelt, im Umgang mit der Polizei, im Umgang mit Unterwanderungsversuchen, im Umgang mit der für uns alle neu zu erlernenden Konsenskultur.
Die Errichtung eines Camps auf dem Alexanderplatz wurde von einigen Leuten gemeinsam vorbereitet und am 20.08.2011 in die Tat umgesetzt. Die fortwährende Gängelung durch die Polizei und die brutale Räumung am 26.08. sind natürlich eine Erfahrung, die alle, die dabei waren nicht so schnell vergessen werden. Diese Erfahrungen bleiben aber immer individuelle. Keiner kann daraus für sich oder andere Kompetenzen oder Verpflichtungen ableiten, die irgendwie für dieses gesamte Netzwerk von Belang wären. Immer wieder gilt es alles darauf abzuklopfen, ob wirklich offene Strukturen vorhanden sind. Kann sich jeder einbringen, der will und nicht diskriminierend ist? Gibt es keine herausgehobenen Personen und Funktionen?
Schon länger dabei zu sein bedeutet auf keinen Fall mehr Rechte zu haben, als alle die grade erst dazugestossen sind. Dass möglicherweise bereits mehr Beiträge geleistet wurden kann es natürlich schon bedeuten. Hier gilt es sich in aller Offenheit und auch mit Anerkennung zu begegnen. Es darf am Ende eben auch nicht schlecht für eine Aktivistin/ einen Aktivisten gewesen sein wenn er nun schon mal verhaftet wurde, schon mal was geschrieben hat, schon viele Asambleas absolviert hat. Natürlich ist es auch das Verdienst einiger Leute, dass am 15.10. eine große Demonstration angemeldet und massiv beworben wurde. Die dürfen sich natürlich freuen, dass fünf Monate Mühen nicht umsonst waren. Das ist aber auch schon alles. Kurz zufrieden lächeln, vielleicht mal anstoßen, und dann geht‘s weiter in die nächste Runde. Mit neuen und immer mehr Leuten. Das ganze ist eher wie eine immer weiter gesponnene Erzählung zu betrachten, die im Frühjahr in Tunesien begann und seitdem von allen weiter erzählt wird, die sich beteiligen. Ganz egal zu welchem Zeitpunkt der Geschichte sie in die Handlung eintreten. Die Erzählung davor ist in der Welt, die Fortsetzung abhängig von allen Akteuren. Immer neue Schauplätze kommen hinzu, neue Themenschwerpunkte, neue Stichworte, und der Titel der Geschichte steht frühstens dann fest, wenn die Welt schon lange untergegangen ist.

6 Antwort auf Weiter geht’s – mal wieder.

  1. Es ist und bleibt schwierig, jede Anwandlung von Profilierung und Selbstdarstellung zu kontrollieren und abzulegen; lasst uns das gemeinsam üben und uns die Chance dazu zugestehen – uns allen, egal ob wir Angang Juni oder Mitte Oktober das erste Mal in der Runde saßen!

  2. Sehr guter Beitrag der zeigt wie offen alles ist. Auch uns selbst müssen wir uns das natürlich immer wieder bewusst machen weil “wir” immer andere sind. Aus der Metaebene betrachtet würde ich das ganze gerne noch durch folgendes Pamphlet ergänzen: http://the-babyshambler.com/2011/10/17/pamphlet15o/

  3. Es tut fast schon weh das unser Anliegen so missverstanden werden kann…
    Ich selbst bin ich schon ein paar Tage länger dabei…
    Obwohl dies eigentlich auch egal ist denn es zählt jeder nicht der einzelne..wie am letzten Sonntag richtig erkannt wurde wir alle sind der (Achtung böses Wort) Führer, nicht einer.
    Von daher haben und sind wir weder Partei noch Organisation…jeder für sich und doch gemeinsam…
    Also bitte lasst euch nicht durch Unwahrheiten abschrecken…geht und seht selbst…wir wollen doch alle das Eine…eine gerechtere Welt FÜR ALLE

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