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It’s the Spaltung, stupid.

3. Oktober 2011 in Blog - alle Themen

Popper oder Rocker, rechts oder links, Beatles oder Stones, Weißwurst oder Bratwurst, Glatze oder Langhaariger, du stehst dort und ich stehe hier. Das sitzt tief in unserem Bewusstsein, das hat sich reingebohrt in unseren Alltag, in unser Leben, in unsere Beziehungen.

Und wir Idioten halten das alles auch noch für völlig normal. Glauben, dass eigentlich nur Konkurrenz Geschäfte beleben kann, definieren uns mehr über das was wir alles auf gar keinen Fall sind, als über das, was wir sind oder gerne wären.

Als gepiercter Vegetarier gehört man eben einer Gruppe an, die als solche wiederum gegen gescheitelte Fleischfresser antreten kann usw,

Das ist doof, blöd und dumm, weil uns alle das kein bisschen weiter bringt. Im Gegenteil, es ist allerbestens dazu geeignet tiefe Gräben in unseren Gesellschaften zu hinterlassen, die ganz sicher verhindern, dass sich ausreichend Menschen gegen ein System zusammenschlließen. Sie diskutieren lieber über Frauenquoten in Männerberufen, lassen solar- gegen wasserstoffbetriebene Fahrzeuge gegeneinander antreten, Hauptsache eine Argumentationslinie gewinnt, ein eindeutiger Sieger ist immer das wichtigste im alltagsgesellschaftlichen Geschäft.

So verstehen wir leider auch Politik.

Wenn wir zur Wahl gehen, dann geben wir unsere Stimme, unsere Partizipationsmöglichkeit ab, schenken sie her an Repräsentanten in einem parlamentarischen System.

Auch Repräsentation bedeutet letztlich Spaltung. Ein Repräsentant, so gut er es auch meinen mag, muss schon per Definition spalten, weil er Mehrheiten finden muss, weil er Leute gegeneinander aufbringen muss, damit möglichst viele ihn wählen. Dabei heißt Politiker A zu wählen, Politiker B nicht zu wählen. Und damit eben auch Partei A gegen Partei B. Das ist das entscheidende. In der Praxis werden dabei zig Themen zu einem giftigen Cocktail vermischt für oder gegen den man dann abstimmt.

Immer mehr wird dieser Cocktail zur ästhetischen Geschmacksentscheidung. Da wird auch alles für getan, um das immer mehr so werden zu lassen. Der vertrauenserweckende Pragmatiker, der Glaubwürdige mit der gebrochenen Biographie, der liebe Onkel Wowibär, die zupackende Renate mit der tiefergelegten Stimme oder whatever.

Parallel dazu bilden sich Bürgerbewegungen und Initiativen, die gegen Mobbing, Umweltverschmutzung, Neonazis, Tiefbahnhöfe, Mietwucher usw. vorzugehen versuchen.

All diese ehrenhaften Ansätze sind unserem System hochwillkommen (zumindest solange sie nicht allzu erfolgreich sind), weil auch sie letztlich die Spaltung vorantreiben. Mindestens wird damit erreicht, dass alle widerständige Energie möglichst zerfasert und sich im alltagspolitischen Kleinklein verliert.

Alle arbeiten sich an den parlamentarischen Strukturen unseres Systems ab, alle versuchen eben selbst eine Lobby zu bekommen oder zu sein, um ihre Interessen nachhaltig durchsetzen zu können. Das ist die Falle die wir uns, die wir alle dieses System sind, solange wir mitspielen, selbst stellen. Wir machen mit, um bspw. eine Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen  zu erwirken. Wir machen mit, um Mietobergrenzen durchzusetzen, wir machen mit, um weniger giftiges Essen aufgetischt zu bekommen! Was für ein Bullshit!

In Spanien ist es der 15M Bewegung gelungen, erstmal all das zu kanalisieren, all diese Protestbewegungen zu einer zu machen. Es geht darum zu erkennen, dass all diesem Unmut derselbe Dreck zugrunde liegt, egal wo gegen und wofür er herhält!

Wir sind nicht gefragt! Das ist der Kern des Problems, uns fragt keiner! Unsere Stimmabgabe an der Wahlurne interessiert nicht, sie polarisiert maximal, aber entscheidet nichts! Wir kommunizieren nicht über die Themen die uns angehen, sondern wir delegieren an Politiker, die sich regelmäßig von den Märkten, Lobbyisten und zu führenden Kriegen vorführen lassen.

Es ist ein allgemeines Gegeneinander. Gewinne bei den einen, meinen immer Verluste bei den anderen. Das ist an der Börse so und das ist bei den Parteien so. So einfach ist das. Miteinander und Füreinender, gar Fürsorge und Mitleiden und Mitfreuen, das klingt doch besser, oder?

Lasst uns aufhören die falschen Kämpfe zu führen, unsere Revolution bedeutet vor allem, dass wir uns selbst verändern, dass wir anerkennen, was uns der allgemeine Informationsfluss sagt, dass wir Konsens lesen lernen, dass wir Möglichkeiten im Miteinander erkennen und nicht Potentiale für Durchsetzungsquark.

17 Antwort auf It’s the Spaltung, stupid.

  1. hjv sagte am 3. Oktober 2011

    Schöner Text – macht Mut.

    nebenbei bemerkt –
    > Wir sind nicht gefragt! Das ist der Kern des Problems, uns fragt keiner!

    Das komische ist, obwohl wir nicht gefragt werden, legt man uns mit dieser “Spalterei” antworten in den Mund.
    Wir sollten nicht drauf rein fallen.

    • Was sollte man uns fragen? Glaubst du die Banker oder Kapitalisten fragen uns, ob wir damit einverstanden sind, dass sie uns das Fell über die Ohren ziehen? Wie naiv seid ihr eigentlich. Wir können auch niemanden überreden, seine Macht abzugeben. Was wir können uns zu organisieren…

  2. Matthias es macht immer wieder Spaß deine ausführlichen Resümees zu lesen. Ich finde du triffst den Nagel, auch wenn etwas sehr ausführlich, auf den Punkt. Spalterei bzw. Schubladendenken in jeglicher Form ist altbacken. Frau und Mann (ups, schon wieder ne Trennung) sollten verstehen, dass es immer andere Meinungen gibt, aber keine besseren oder schlechteren.

    Jeder könnte sich vorstellen von jetzt auf gleich diese Philosophie, der gegenseitigen Akzeptanz, im Dialog mit jemand anderem umzusetzen. Im Zweifelsfall beendet man die Konversation ohne Konsens. Wie sieht es nun in Gruppen oder Gesellschaften aus? Wenn ein Konsens, wie in unserer Fremdversorgungsgesellschaft, lebensnotwendig ist?

    Nach meinem jetzigen Kenntnisstand würde ich vermuten, dass Mehrheiten bilden, auch im großen Maßstab, nötig sein wird. Es können sich nicht alle Menschen, auch wenn es noch so global und wichtig ist, immer alles entscheiden. Es sollte nur JEDEM offen stehen etwas zu Entscheidungen beitragen zu können.

    Mein Vorschlag, zu einer weiter entwickelten Gesellschaft, wäre schon mal, ein ‘nein’ nur zu akzeptieren, wenn es begründet ist. Einfach nur ‘nein’ sagen und nicht zu sagen warum, gilt nicht!

    • mm sagte am 4. Oktober 2011

      Danke chraema :) . Im Altgriechischen gibt es übrigens nicht mal ein Wort für Nein, da muss man sowieso alles mindestens umschreiben, um seine Ablehnung zu formulieren; eigentlich ein schöner Gedanke …

    • Diese Denkweise hilft die Ungerechtigkeiten der Welt zu zementieren und scheint das Ergebnis einer jahrelangen Gehirnwäsche durch die Mainstreammedien zu sein, oder ist Folge geistiger Entleerung durch Meditation. Wer nicht unterscheiden kann, ob Auschwitz gut oder böse ist, dem kann man wohl nicht helfen!

  3. “…rechts oder links…”

    NEIN! Warum sollte ich mit Personen, die rechte (= menschenverachtende) Positionen vertreten, irgendwas gemeinsam machen? Nur weil ein paar rechte Idioten evtl. auch etwas gegen diesen Kapitalismus haben? Wer meint, mit rechten Personen gemeinsam Protest auf der Strasse machen zu können oder deren Aussagen ernst nimmt oder ausblendet, der gibt ihnen ein Podium und gibt auch deren Positionen eine Wichtigkeit und Berechtigung. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

    Der Artikel ist schon etwas naiv und plump. Immer grundsätzlich gegen die böse Spaltung. Aber ist es nicht auch eine Spaltung, wenn ihr euch gegen die Kapitalisten und Banken da oben abgrenzt? Ihr unterscheidet ja auch zwischen “gut” und “böse” und betreibt damit eine Spaltung.

  4. mm sagte am 4. Oktober 2011

    Spaltung spielt doch grundsätzlich mit Menschenverachtung. Und natürlich habe auch ich keinen Bock mit rechten Idioten gemeinsame Sache zu machen, Kooperation muss aus meiner Sicht selbstverstädlich davon ausgehen, dass Grundrechte aller respektiert werden, und dass jegliche Diskriminierung ausgeschlossen ist. Und dennoch ist auch gerade dieses rechts-links Denken doch der ewige Versuch Menschen gegeneinander aufzubringen, die vielleicht ohne Schubladen gemeinsam weiterkommen würden.

    • Die Unterscheidung zwischen rechts und links ist essentiell und der Schlüssel zu globaler Gerechtigkeit, welche nur über die Demokratisierung der Besitztverhältnisse hergestellt werden kann und zwar auf globaler Ebene. Diese Position ist eindeutig links. Es gefällt den Herrschenden nicht, wenn ihre Arbeitssklaven ein Klassenbewußtsein entwickeln, daher lassen sie nichts unversucht, uns die Gehirne zu waschen (Mainstreammedien) und erklären die Kategorien links und rechts für veraltet.

  5. OK, nochmal: betreibt ihr dann denn nicht auch eine Spaltung in “gut” (ihr, die Empörten) und “böse” (Politik, Banken)? Dann müsste das ja auch eine Menschenverachtung sein…

    • Genau diese ‘Bösen’ verfolgen diese Lebensmaxime, die wir verurteilen. Jeder kann sich von der aktuell geltenden Philosophie abkehren und anfangen auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren. Ein Politiker bzw. jeder Mensch hat seine Ansicht. Darf er nun auch seine Ansicht über die von anderen Stellen und ist dazu auch noch legitimiert? Wir befinden uns nicht im Zeitalter der Französischen Revolution. Die aktuellen Machthaber müssen nicht befürchten aufgeknüpft zu werden. Dennoch verdienen einige eine gerechte Strafe, z.B. wegen Veruntreuung fremden Eigentums. Das hat aber nichts mit Schubladendenken zu tun, sondern vielmehr mit der Identifikation des Handelns einer Personen(gruppe). Jeder ist für sein Tun verantwortlich und vor dem Gesetz gleich.

    • mm sagte am 4. Oktober 2011

      Also 1. gibt es nicht “uns”, die Empörten, sondern wir sind ein loser Haufen von Leuten, die versuchen an basisdemokratischen Strukturen zu arbeiten, und 2. wende ich mich nicht persönlich gegen Banker oder Politiker sondern gegen ein System, das nicht in einer Krise ist, sondern selbst die Krise ist. Es gibt nicht die Guten und die Bösen, mir ist ja klar, dass auch Investmentbanker nur tun, was man von ihnen verlangt, aber deswegen muss ich das noch lange nicht richtig finden, sondern kann sehr wohl finden, dass wir ein anderes Geldsystem bspw. brauchen.
      Aber genau darum geht es doch, darum neue Lösungen gemeinsam zu erarbeiten, anstatt gegen andere durchzusetzen.

    • OK, 2 Antworten mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen:

      “Genau diese ‘Bösen’ verfolgen diese Lebensmaxime, die wir verurteilen.” vs. “Es gibt nicht die Guten und die Bösen”

      “Dennoch verdienen einige eine gerechte Strafe, z.B. wegen Veruntreuung fremden Eigentums. Das hat aber nichts mit Schubladendenken zu tun, sondern vielmehr mit der Identifikation des Handelns einer Personen(gruppe). Jeder ist für sein Tun verantwortlich und vor dem Gesetz gleich.” vs, “nicht persönlich gegen Banker oder Politiker sondern gegen ein System, das nicht in einer Krise ist, sondern selbst die Krise ist. Es gibt nicht die Guten und die Bösen, mir ist ja klar, dass auch Investmentbanker nur tun, was man von ihnen verlangt”

      Ich weiss auch, daß das System Scheisse ist, aber macht man es den Menschen, die daran mitwirken und davon profitieren nicht einfach, wenn man ihnen die Verantwortung dafür wegnimmt, und sagt, du kannst ja nichts dafür, es ist halt das System? Oder hat auch ein Mietshausspekulant eine persönliche Verantwortung, wenn er luxussaniert, die Mieten in die Höhe treibt, mit Häusern spekuliert (kauft/verkauft) und Menschen vertriebt oder auf die Strasse setzt? Mal so als Beispiel…

    • mm sagte am 4. Oktober 2011

      Na klar, zwei Antworten, nämlich von zwei Leuten! Was Wunder, wir sind keine Gruppe, die gemeinsame Erklärungen abgibt, und dann weicht ab sofort niemand vom Fraktionszwang ab :)
      Und klar ist das System Scheisse, und natürlich trägt jeder Verantwortung dafür, wie beschissen es ist, aus der will ich niemanden nehmen, zuletzt jemanden wie einen Immobilienspekulanten … aber mitwirken am System tut jeder der darin lebt, so lange es es gibt. Kapitalismus exisitiert nur dadurch, dass wir alle ihn Tag für Tag aufrecht erhalten, ob wir nun Häuser verchecken oder nur Brötchen kaufen. Es geht ja letztlich um die Frage, ob es reicht am System rumzudoktern und es Stück für Stück versuchen zu verbessern, oder ob wir nicht besser einen kompletten Systemwechsel anstreben sollten.

  6. Bevor wie eine Spaltung in rechts und links beklagen, sollten wir mal überlegen, was die Begriffe meinen. Es bestehen grundsätzliche Interessengegensätze zwischen Menschen, die sich auf die Frage der Besitzverhältnisse zurückführen lassen. Wer dies bestreitet agiert ganz im Sinne der Besitzenden. Links sein bedeutet solidarisch sein mit den Besitzlosen dieser Welt und dies global. Auch Rechtsextremisten wenden sich gegen Kapitalismus jedoch sind sie rassitisch, verherrlichen die Nation und das Führerprinzip. Es ist an der Zeit Farbe zu bekennen!

    • Ach ne Robert, bitte nicht anfangen Rechts und Links zu definieren. Hast du die letzten 50 Jahre verpennt? Genau diese Definition ist so was von ausdefiniert, da braucht man keine Zeit mehr verschwenden. Ich brauche überhaupt keine Farbe zu bekennen oder alle. Ich Mensch, du Mensch, er/sie Mensch.

    • Erkenntnis beruht auf Unterscheidung und eine Unterscheidung zwischen rechts und links ist heute wichtiger denn je und hat nichts mit Schubladendenken sondern mit Analyse zu tun.
      Ich möchte hier mal die Konservativen und Mitherausgeber der FAZ zitieren: “Die Linke hat recht.”
      Wenn wir Gesellschaft verändern wollen müssen wir zunächst die Begrifflichkeiten klären und die bestehenden Verhältnisse analysieren. Wir benötigen eine wissenschaftliche Analyse des bestehenden Wirtschaftssystems und werden daher Marx und Engels nicht ignorieren können.

    • mm sagte am 9. Oktober 2011

      Nichts läge mir ferner als Marx und Engels zu ignorieren. Aber vermutlich hätten die diese Begriffe zwischenzeitlich auch anders definiert …

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