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“Hier reden ja fast nur Männer!” Echte Demokratie umsetzen auf den Asambleas!

18. Oktober 2011 in Anleitungen & Tutorials

“HIER REDEN JA FAST NUR MÄNNER!” ECHTE DEMOKRATIE UMSETZEN AUF DEN ASAMBLEAS!

Wenn wir eine andere, eine echte Demokratie wollen, müssen wir bei uns anfangen! Wir müssen dafür kämpfen, dass sich alle gleich gut wohlführen, sich beteiligen können und gehört werden bei den Versammlungen. Unabhängig von Geschlecht, Klasse/Schicht, Sexualität, Sprache, Herkunft und „Rasse“. Nur so können wir eine echte Demokratie entwickeln und leben. Auf den Asambleas reden im Moment aber vor allem Männer.

Warum ist das so? Manche Menschen wurden dazu erzogen und durch Vorbilder in Filmen, Büchern, Parteien etc. ermutigt, ganz selbstverständlich die Stimme zu erheben, vor großen Gruppen zu sprechen und Raum und Redezeit für sich zu beanspruchen. Das gilt vor allem für Männer, insbesondere für weiße Männer aus dem Bildungsbürgertum/der Mittel-/Oberschicht. Der Grund liegt also in den ungleichen Machtverhältnissen in der Gesellschaft.

Was ist die Folge? Wenn auf den Asambleas vor allem Männer sprechen, bedeutet das, dass vor allem Männer über Ziele, Aktionsformen, Strategien usw. entscheiden. Damit tragen wir die ungleichen Machverhältnisse in der Gesellschaft in unsere Asambleas hinein. Frauen und Transpersonen fühlen sich in der Folge unwohl und machtlos.

WAS TUN? 

Hier findet ihr einige erste Vorschläge, wie sich die Dominanz von Männern bei den Asambleas verhindern lässt. Lasst und gemeinsam daran arbeiten, die Asambleas zu einem Ort zu machen, er für alle funktioniert! Entscheidet bei den Vorschlägen jeweils selbst, was auf euch zutrifft, wovon ihr euch angesprochen fühlt udn womit ihr arbeiten wollt und könnt.

  • Haltet euch zurück! Wenn ihr euch bereits einmal oder mehrmals geäußert habt auf einer Asamblea, haltet euch etwas zurück und wartet ab, ob es weitere Meldungen gibt. Die Meinung aller anderen Leute ist ebenso wichtig wie eure. Es ist auch Aufgabe der Männer, dafür zu Sorgen, dass sich Frauen gleichermaßen beteiligen können und wollen.
  • Seid aufmerksam! Häufig kommen diejenigen zu Wort, die am lautesten auf sich aufmerksam machen. Es ist die Aufgabe aller, darauf zu achten, dass das nicht so ist. Dabei hilft es, wenn wir uns bei den Versammlungen ruhig verhalten, aufmerksam sind und Personen in ihrem Redewunsch unterstützen, die nicht so laut rufen können oder wollen.
  • Unterstützt euch gegenseitig! Wenn ihr etwas sagen möchtet, aber nicht gehört werdet, bittet eine_n Nachbar_in, Freund_in, Bekannte_n, euch zu unterstützen. Redet mit anderen über euer Unbehagen, euch zu Wort zu melden und macht euch gegenseitig Mut!
  • Abwechseln 1! Bei einer moderierten Asamblea können die Moderator_innen immer abwechselnd einer Frau und einem Mann das Wort erteilen. Stellt diesen Vorschlag zur Diskussion bei Asambleas und fordert ihn ein, wenn ihr merkt, dass Frauen kaum zu Wort kommen. Dieses Verfahren führt meißtens auch dazu, dass sich mehr Frauen melden.
  • Abwechseln 2! Wenn sich viele Personen gleichzeitig zu Wort melden, können alle und können die Moderator_innen darauf achten, dass zuerst Frauen und generell diejenigen zu Wort kommen, die noch nichts/wenig gesagt haben.

Hier gibt es einen Artikel vom feministisches Blog MÄDCHENMANNSCHAFT, der sich mit Sexismus und Rassismus in den Occupy-Bewegungen beschäftigt: http://maedchenmannschaft.net/solidaritaet-aber-bitte-ohne-sexismus-ein-paar-gedanken-zur-occupy-bewegung/

Weitere Infos zu feministischen Interventionen gibts z.B. in dieser Linkliste: http://www.attac-netzwerk.de/gender-ag/finanzmaerkte-und-oekonomie/democracia-real-protestbewegungen/

78 Antwort auf “Hier reden ja fast nur Männer!” Echte Demokratie umsetzen auf den Asambleas!

  1. Insgesamt gut dass es angesprochen wird. In erster Linie müssen sich aber auch einfach mehr Frauen trauen was zu sagen…viele machen das ja auch schon. Abwechseln 1 halte ich für überhaupt nicht sinnvoll, bei Abwechseln 2 halte ich diesen Teil für sinnvoll “generell diejenigen zu Wort kommen, die noch nichts/wenig gesagt haben.”

    …generell soll aber nochmal klar gemacht werden: Bei Asambleas geht es nicht um uns als Einzelpersonen, sondern es geht darum gemeinsam Intelligenz und Ideen zu entwickeln. Es ist letztendlich egal aus welchen Mündern die Ideen kommen. Natürlich soll sich niemand ausgegrenzt fühlen aber mit pseudoemanzipatorischem Rollendenken und der Spaltung in Mann darf, dann Frau darf usw. befeuern wir solche Dinge ja eher.

    “Wenn jemand für die Allgemeinheit sinnvolle Gedanken hat, soll er sie bitte äußern. Egal ob Mann, Frau, Trans, Schwarz, Weiss, Bunt oder sonstwas”…so wird ein Schuh draus!

    Wie gesagt es geht bei Asambleas NICHT darum dass alle möglichen Rollen “repräsentiert” werden, das ist die Logik des alten Systems. Es geht um die Erzeugung kollektiver Intelligenz. Gerne verweise ich dazu nochmal auf folgenden Artikel: http://www.alex11.org/2011/09/debatte-die-asamblea-als-instrument-basisdemokratischer-meinungsbildung/

    • Hallo!
      “Es ist letztendlich egal aus welchen Mündern die Ideen kommen.” -> Nein, das ist eben nicht egal. Da alle Menschen, abhängig von ihrem Status in unserer Gesellschaft, unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, unterschiedliche Probleme haben, mit unterschiedlichen Sachen zu kämpfen haben, ist es eben nicht egal, aus welchen Mündern was kommt. Weil deshalb aus unterschiedlichen Mündern unterschiedliches kommt.

      Stell dir vor, die Asamblea würde zu 70 Prozent aus männlichen Millionären bestehen – meinst Du nicht, dass deren “kollektive Intelligenz” zu anderen Ergebnissen führen würde als wenn es sich um eine Gruppe erwerbsloser Frauen handelt?

      Und das, was jeweils als “für die Allgemeinheit sinnvolle Gedanken” gilt, wird unterschiedlich aussehen, je nachdem, wer da sitzt.
      Wenn es ok ist, dass eine privilegierte Gruppe (also Männer im Vergleich zu Frauen zum Beispiel) darüber entscheidet, was gut für die Allgemeinheit ist – was ist dann an dieser Form der Demokratie besser als an der jetzigen?

      “In erster Linie müssen sich aber auch einfach mehr Frauen trauen was zu sagen” – ja, das stimmt, aber durch diese Aufforderung löst sich das Problem nicht. Was tust Du dafür, das zu ermöglichen? Dass sich Frauen seltener trauen, ist nicht deren persönliches Problem, sondern das Ergebnis von Sexismus. Genau darum geht es in dem Text: die Bedingungen so zu verändern, dass Frauen ermächtigt werden, etwas zu sagen.

      Umgekehrt lässt sich übrigens genausogut sagen: Manche (!) Männer müssen sich aber auch einfach mal fragen, ob sie wirklich etwas beizutragen haben zur Diskussion oder nur gerne im Rampenlicht stehen.

  2. Also dier erste Teil deines Kommentars ist sehr sehr konstruiert…es IST eben keine Asamblea von 70% männlichen Millionären weil der Vernetzung per se einmal quer durch die Gesellschaft geht. Das tut sie deswegen weil von Anfang an Schubladendenken abgelehnt wurde und das soll bitte auch so bleiben. Wenn jetzt die Femistinnen kommen und gesonderte Frauenquoten fordern, kommen morgen die Parteien und fordern Parteienqouten. Dann sind wir sofort wieder bei dem Mist den wir eigentlich überwinden wollen.

    Es ist ja ehrenwert wenn du die für Gleichberechtigung einsetzt, aber gib du dir dann bitte selbst auch mal Mühe, die für dich wahrscheinlich teils serh feststehenden Schubladen zu überwinden. Wir wollen ja gerade eine gerechte Gesellschaftsordnung OHNE Parteigeklüngel und Interessengruppenabspaltung! Das gilt AUCH für sog. Frauenrechtlerinnen.

    Asambleas treffen auch keine Enstcheidungen…Asambleas sind nur eine weitere Form der horizonalen, dezentralen Kommunikation…genau wie dieser Blog hier..genau wie soziale Netzwerke. Es kommen einfach willkührlich Leute zusammen und reden über Dinge. Natürlich ist jeder anders sozialisiert. Das ist aber eben nicht NUR oder ÜBERHAUPT eine Geschlechterfrage…Wie gesagt: Keiner wird ausgegrenzt, alle sind gleichberechtigt. Es gibt also keine Grund nun Interessensgruppen aufzumachen und das schadet auch eher als dass es nutzt.

    Wo wir uns dann wieder treffen ist am Ende: Natürlich sollen sich Selbstdarsteller auch zurückhalten. Es geht eh viel eher ums Zuhören und Information dann zu platzieren wenn man sie in einer best. Situation als passend empfindet, NICHT um das Ausbreiten der eigenen Denkwelt.

    Lernen müssen das alle erstmal..egal ob Mann oder Frau.

  3. Ehrlich gesagt, wäre ich auch sehr froh, wenn ich mich mit der Thematik nicht beschäftigen müsste, weil sie sich erledigt hat! Ich persönlich kämpfe für eine Welt ohne (!) Schubladen. Momentan gibt es diese Schubladen aber leider noch, was sich eben beispielsweise darin bemerkbar macht, dass sich viel mehr Männer zu wort melden als Frauen. Da nützt es leider nichts zu sagen “Ich will aber keine Schubladen!” Sie sind nämlich schon da. Und sie loszuwerden, ist Arbeit, das passiert nicht von alleine.
    Es macht überhaupt keinen Sinn, Frauenquoten mit Parteiquoten zu vergleichen oder Kämpfe von Frauenrechtler_innen mit Parteiklüngeln. Frauenrechtler_innen/Feminist_innen kämpfen gegen gesellschaftliche Ungleichheiten – es geht darum, Gesellschaft so zu verändern, dass Dominanzverhältnisse abgebaut werden. Ich verstehe nicht, was das mit den Machtinteressen einer bestimmten Partei zu tun haben soll…?

    Mit dem Millionärsvergleich wollte ich nur deutlich machen, dass es nicht egal ist, von wem die “kollektive Intelligenz” kommt, die aus Asambleas erzeugt wird.

    Geht die Vernetzung denn quer durch die Gesellschaft? (Das ist keine rhetorische Frage, ich meine das ernst)

  4. mm sagte am 18. Oktober 2011

    Ich finde den Vorschlag gut, zwischendurch immer mal wieder daran zu erinnern und Frauen zu ermutigen etwas zu sagen, das hat sich meines Erachtens nach gestern in der Asamblea, als dies angesprochen wurde, sofort positiv ausgewirkt.
    Es stimmt einerseits, dass das Bild mit den Millionären konstruiert ist, aber andererseits ist das ja ein Fakt, dass viel, viel mehr Beiträge von Männern kommen, dafür kann der Grund nicht nur bei den Frauen liegen :)
    Man muss daraus nicht wiederum gleich eine Interessensgruppe konstruieren; es geht eben grundsätzlich darum mit der Zeit alle einzubinden, und das bleibt vermutlich noch eine ganze Weile schwierig, solange Einzelne versuchen die Versammlung zu dominieren, und solange andere sich nicht trauen, bzw. nicht das nötige Vertrauen in die Runde haben.

  5. Ich fände es gut wenn sich die schweigenden Frauen einfach mal fragen warum sie schweigen. Und die schweigenden Männer sollen das auch bitte gleich tun…nur wenn sich jeder Einzelne FÜR SICH diese Frage stellt und löst können Dominanzverhältnisse wirklich abgebaut werden…

    “Geht die Vernetzung denn quer durch die Gesellschaft? (Das ist keine rhetorische Frage, ich meine das ernst)” …ich denke insgesamt haben wir da nen sehr guten Mix…man sollte die Sache ohnehin immer global denken – das ist sie nämlich!

  6. Ich möchte gerne auf den Artikel von Dr. Bartonitz verweisen. http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/10/05/der-steinige-weg-zur-direkten-demokratie/#more-1384

    Ich kann Euch nur nahe legen, mal ein gruppenbing durchzuführen. Da wird die kollektive Kraft wirksam für die Lösung komplexer Aufgabenstellungen nutzbar gemacht. Es ist ein nichthierarchisches Verfahren, dass alle Sichtweisen gleichberechtigt in die Lösung integriert. Da es auf systemkybernetischen Prinzipien beruht, stellt sich die Genderfrage innerhalb des Verfahrens nicht.

    Lediglich bei der Auswahl muss darauf geachtet werden, dass ein Wissens- und Meinungsquerschnitt eingebunden wird.

  7. ich finde das alles gerade sehr spannend: bei den asambleas und auch den diskussionen hier. ich finde den umgang erstmal sehr freundlich.
    ich möchte julias vorschläge unterstützen!
    ich finde es außerdem nicht richtig davon auszugehen, dass niemand ausgegrenzt wird, wenn in einem kreis leute sitzen und reden. da werden erstmal leute ausgegrenzt, die nicht hören und/oder sprechen können, leute die zu der zeit arbeiten, kinder betreuen etc. müssen, leute, die sich nicht frei bewegen dürfen (ob wegen knast oder wegen residenzpflicht, keine reise- und bewegungsfreiheit haben) leute die sich nicht trauen vor anderen zu sprechen, leute die die sprache nicht so gut verstehen usw.
    die hinweise die julia gegeben hat können vielleicht auch anderen bessere teilnahme ermöglichen und sind deshalb wichtig
    den ausdruck: “mit der zeit alle einzubinden” klingt für mich schon so ein wenig als gäbe es da leute, die einbinden und leute die eingebunden werden, und manche früher und manche später?

    • mm sagte am 18. Oktober 2011

      Du hast recht, das mit dem einbinden ist ungeschickt formuliert :)
      Früher oder später hat natürlich nur mit dem jeweiligen Entschluss des Einzelnen zu tun, wann er teilnimmt und einsteigt. Und bisher fehlen ja auch noch knapp 82 Mios!

    • Generell müssen wir auch mal ein bisschen von diesem Perfektionismusdenken wegkommen hier nun so gemeint, dass immer alles bis ins kleinste Detail pseudoperfekt ausdefiniert und begreglt sein muss…dieses Denken führt nämlich dann auch zu den Wasserkopfstrukturen die wir heute oft haben…

      Die Strukturen sind ja gerade deshalb dezentral weil zwar jeder Cluster wichtig ist aber letztendlich auch jeder erstezt werden kann. Wenn es Bedarf an weiteren Knotenpunkten gibt (nichts anderes sind Asambleas, FB-Seiten, Blogs) sollen die Leute die den Mangel erkennen ihn beheben.

      Kein Blog, keine Asamblea, keine FBseite hat ein exklusives Deutungs- oder Entscheidungsmonopol, alle sind vielmehr als konotenartige Vernetzungen innerhalb eines viel größeren Netzes zu sehen.

      Innerhalb des Netzes schützen wir gewisse Ideale und wie wir weiter unten im Blog sehen entsteht sogar so etwas wie ein Manifest dazu.

      Die Strukturen sind dezentral, so weit organisiert wie nötig aber so offen wie möglich und wir vertrauen auf den gesunden Menschenverstand von uns allen…

      So sollte das eigentlich klappen.

    • “Generell müssen wir auch mal ein bisschen von diesem Perfektionismusdenken wegkommen”
      “Innerhalb des Netzes schützen wir gewisse Ideale und wie wir weiter unten im Blog sehen entsteht sogar so etwas wie ein Manifest dazu. ”

      Ja, das finde ich auch alles spannend, und deshalb bin ich ja auch dabei. Die Frage, wer sich an den Protesten, Asambleas etc. beteiligen will und kann, ist aber keine Kleinigkeit, sondern eine der Kernfragen! Da geht es nicht um Perfektionismus, sondern um die Frage, wer an dem Prozess beteiligt ist, eine andere Form der Demokratie zu leben und etwas neues zu enteickeln. Und davon hängt eben auch ab, was dabei herauskommt…

  8. Er sagte am 18. Oktober 2011

    Wenn Frauen etwas sagen wollen, dann wird sie sicher keiner daran hindern. Den Mut dazu müssen sie schon selber haben. Nur ist es aber in dieser Gesellschaft so, dass Frauen sich prozentual gesehen viel weniger für Politik interessieren. Das ist das Ergebnis von 200 Jahren Kapitalismus. dafür können wir Männer auf den A. gar nix. Ändern wir die Gesellschaft, dann kommt die Gleichberechtigung als schöner Nebeneffekt von ganz allein. In der DDR hatten die Frauen deutlich mehr zu sagen. Eine Frauenquote auf den A. und dieser ganze Alice Schwarzer Kram ist ein Irrweg. Der so genannte Feminismus ist nur ein Werkzeug zur Spaltung der Gesellschaft.

    • “Nur ist es aber in dieser Gesellschaft so, dass Frauen sich prozentual gesehen viel weniger für Politik interessieren.”
      @ER: Kannst du diese Aussage empirisch untermauern? Und wenn ja, was gedenkst du gegen diesen Umstand zu tun?

      Ums noch einmal zusammenzufassen: Kritik an der von Julia vorgeschlagenen “Frauenquote” kommt also (den Nicknames nach zu urteilen) von .. Männern? ^^

      Ich finde es verkehrt, auf Biegen und Brechen eine Quote durchzubugsieren, bei der sich Leute (unabhängig des Geschlechts) dazu genötigt fühlen, etwas zu sagen, wenn sich sich für den Moment erst Mal im Hintergrund halten und für sich selbst reflektieren wollen.
      Wie Julia jedoch richtig beobachtet hat, haben sich bei den Asambleas bislang meist Männer mit mal mehr, mal weniger konstruktiven Vorschlägen eingebracht.
      Was spricht dagegen, die Vorschläge von Julia einfach mal im “trial & error”-Verfahren anzuwenden, um zu sehen, was dabei rauskommt?

    • “Nur ist es aber in dieser Gesellschaft so, dass Frauen sich prozentual gesehen viel weniger für Politik interessieren. Das ist das Ergebnis von 200 Jahren Kapitalismus. dafür können wir Männer auf den A. gar nix.”
      Ja, das ist Ergebnis von 200 Jahren Kapitalismus – das ist aber auch Ergebnis von XXX Jahren Sexismus. Männer, die sich weigern, die Nicht-Beteiligung von Frauen als Problem anzuerkennen und sich nicht zusammen mit Frauen dafür einsetzen, dass das anders wird, können sehr wohl etwas dafür.

  9. ich bin absolut dagegen, dass extra drauf geachtet wird, dass genauso viel frauen wie männer sprechen. wie schon gesagt wurde, das soll initiative der frauen sein (oder auch nicht!) blöd wird das jedenfalls wenn das zu einem zwang wird. das wär paradox. als “frau” will ich auch ganz und gar selbst entscheiden ob ich mich jetzt mündlich beteilige oder nicht und möchte nicht gedrängt werden, mich “frei” zu äußern. wenn wir anfangen in den kategorien zu denken wirds einfach blöd… hier reden nicht fast nur männer, hier reden nur menschen…

    • “als “frau” will ich auch ganz und gar selbst entscheiden ob ich mich jetzt mündlich beteilige oder nicht und möchte nicht gedrängt werden, mich “frei” zu äußern”

      ich bin mir auch unsicher, was der beste weg ist, etwas daran zu ändern, dass sich viel (!!) mehr männer als frauen an den versammlungen beteiligen. geschlechtercshubladen finde ich schon deswegen schlecht, weil sich dmait keineswegs alle lleute repräsentiert udn angesprochen fühlen.
      die “gegenderte redeliste” (also dass abwechselnd eine frau und ein mann spricht), war deshalb auch nur einer von mehreren vorschlägen. meine erfahrung ist einfach, dass sich meistens erst dadurch tatsächlich etwas ändert. das heißt ja nicht, dass du persönlich plötzlich gezwungen wärst, etwas zu sagen…

      mir geht es darum, das problem ernst zu nehmen und nach wegen zu suchen, es zu ändern. wenn daran kein interesse besteht, bezweifle ich dass diese angeblich bessere form von demokratie für frauen und für alle anderen personen, die in unserer jetzigen gesellschaft einen schlechteren stand haben, tatsächlich besser ist.

  10. man kann nicht nicht kommunizieren. warum sollten überhaupt alle frauen und männer “sich trauen” verbal zu kommunitieren? wozu haben wir dann eigentlich die handzeichen? ;)

    • ja, das mit den handzeichen ist erst mal gut.
      aber damit wird vor allem zustimmung oder ablehnung kommuniziert. das ist etwas anderes, als selbst vorschläge zu machen, deshalb löst es das problem nicht.

  11. “wenn daran kein interesse besteht, bezweifle ich dass diese angeblich bessere form von demokratie für frauen und für alle anderen personen, die in unserer jetzigen gesellschaft einen schlechteren stand haben, tatsächlich besser ist.” …es geht darum das vorhandensein “schlechterer stände” aufzulösen…nicht sie durch sonderregeln zu manifestieren.

    vielleicht solltest du dir selbst einfach noch ein bisschen zeit geben und das erstmal noch eine weile beobachten. meiner erfahrung nach können frauen SEHR kommunikativ sein und es kann ebenfalls sein, dass einige bald das gefühl haben die männer kämen nicht zu wort ;-)

    man muss also nicht nach den ersten eindrücken diese gleich als allgemeingültige und unverrückbare tatsache ansehen..

  12. REVOLUTION WILL BE FEMINIST OR IT WON’T

    just my 2 cents for this topic…

  13. Wen es interessiert, umfangreiche, schonungslose Feminismus-Debatte gibts auch hier: http://le-bohemien.net/2011/07/14/leitkultur-feminismus/

    Die Debatte findet auch hier unter der Zweitveröffentlichung statt: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/6454/leitkultur-feminismus

  14. @julia, ich habe extra nicht “gezwungen” gesagt, sondern “gedrängt”. ja ich möchte nicht gedrängt werden, was zu sagen und das würde ja passieren, wenn wir dieses “problem” zu “lösen” versuchen… ich hab zum beispiel ein bisschen lampenfieber bei einer gewissen anzahl von menschen, aber wieso zum geier sollte das jetzt mit meinem geschlecht in verbindung gebracht werden? ich verstehe mich selbst als feministin und möchte dich nicht persönlich angreifen, aber ich bin mittlerweile der meinung, dass wenn man hinter der kulisse schaut, kann man leider so manch ein “feminismus” kaum vom bloßem sexismus unterscheiden.

    • vielleicht geht es dann um die frage der richtigen strategie? ich habe die idee, abwechselnd immer eine frau und einen mann zu wort kommen zu lassen, nur als eine variante vorgeschlagen. klar, darüber können wir streiten, ob das die richtige ist. aber findest du nicht auch, dass es ein problem ist, wenn die beteiligung so unterschiedlich ist? und ich fine, das ist nicht egal – weil es dazu führt, dass männer (die zum beispiel finanziell im schnitt deutlich besser dastehen und weniger abhängig sind von staatlicher unterstützung, die im zuge der krise gekürzt wird) stärker darüber entscheiden, wohin der protest läuft….
      ich will frauen nicht bevormunden und ich will auch nicht verallgemeinern so nach dem motto, alls frauen schweigen, weil sie frauen sind und alle männer reden, weil sie männer sind. es geht auch nicht darum, die verantwortung einseitig den frauen zuzuschieben – auch männer sind gefragt, über ihr redeverhalten zu reflektieren.
      ich finde einfach, dass es hier ein problem gibt…wie wir das am besten angehen, weiß ich auch nicht, aber ich finde es wichtig, gemeinsam daran zu arbeiten.

  15. Ich würde gerne von meiner Erfahrung berichten. Ich war zeitlebens ein zurückhaltender und ruhiger Typ, ich war leise still und heimlich. Das kam zum Teil daher, weil ich irgendwan resigniert habe, aufgehört habe zu sagen was ich denke und fühle. Ich hab meine Meinung runtergeschluckt. Mit Handicap und Sonderschule, abgeschoben in eine Parallelwelt, hatte ich oft das Gefühl, jede Äußerung von mir, wird weniger ernst genommen. Ich dachte mir meinen Teil und lies die anderen reden.

    In einer Gesellschaft wo sich alle auf Augenhöhe treffen und die eigene Meinung nicht mehr oder weniger Gewicht hat, habe ich meinen Mut zurückgefunden um mich öffentlich zu Empören und meine Meinung zu vertreten. Aber, ich musste es in der Tat, erst wieder lernen. Auch das was ich sage plötzlich gehör findet hat mich beinahe erschrocken aber zum positiven gewendet. Ich muss immer noch lernen, meine Worte verantwortungsvoll zu wählen.
    Ebenso denke ich, sollten die jenigen es lernen, die es bisher gewohnt waren ihre Meinung durch Kraft ihrer Gewalt, durch Sprachbegabte Fähigkeiten und redseelige Eloquenz etc. jemanden zu Überzeugen, das nicht die Summe der Worte entscheident ist, sondern der Inhalt.

    Ich möchte zum einen denjenigen egal ob Frau oder Mann Mut zusprechen, und zum anderen um Solidarität bitten, wenn jemand schüchtern ist und sich nicht traut ihn zu unterstützen, ebenso auch denen zu helfen die bisher im Leben immer glaubten und es gewohnt waren, ihre Meinung muss nur durch laute und häufige gebärden untermauert werden. Es mag sein das wir in Rollenbilder hineingepresst wurden, ich finde es gut das wir versuchen uns davon zu lösen. Ich denke wir lernen alle noch.

    • Richard, ich glaube ich habe dich auf der Demo am 4. September gesehen. Du hast ein Statement vorgetragen und warst dabei sehr leise. Später hat eine andere Person dieses Statement an anderer Stelle noch einmal wiederholt. Du hast auf mich den Eindruck einer Person gemacht, welche geistig sehr rege, aber auf irgend eine Weise in der Kommunikation gehemmt ist. In unserer Gesellschaft werden solche Menschen gern als schwach abgetan und sie werden auch noch drangsaliert und am Ende ausgesondert (Sonderschule). Das muss so nicht sein. Auch in der DDR gab es Sonderschulen, jedoch wurden die Menschen hier nicht abgeschoben und ausgegrenzt, sondern hier wurden sie in die Gesellschaft eingegliedert. Eingliedern bedeutete, dass diese Menschen von Ängsten befreit wurden, dass ihnen Perspektiven gezeigt wurden, wie sie sich ohne Angst in der Gesellschaft zurecht finden können. Auch war es ganz selbstverständlich, dass man auf Menschen mit einem Handicap nicht herab blickte. Der Turbokapitalismus hat all diese Rücksichtnahme und das friedliche Zusammenleben jener Zeit zerstört. Lass uns eine Gesellschaft aufbauen, wo wir uns alle wieder gegenseitig die Hand reichen und in der Profit eine unbekannte Vokabel ist.

    • hey, das ist superermutigend – genauso müssen der protest und müssen die asambleas funktionieren, finde ich – als selbstermächtigung und solidarisch….
      danke fürs teilen deiner erfahrungen!!

    • “Auch in der DDR gab es Sonderschulen (…)”

      Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht – aber ich halte DDR-Nostalgie an dieser Stelle doch ein wenig unangebracht.

      Kaptialismuskritik ist für mich nicht gleichbedeutend mit DDR-Verherrlichung.

      System Error.

  16. @elflorian “vielleicht solltest du dir selbst einfach noch ein bisschen zeit geben und das erstmal noch eine weile beobachten.” ey, alter, sorry, aber das ist derart blöde von oben herab! vielleicht solltest du dir mal ein bisschen zeit geben und mal eine weile beobachten! und deine erfahrung, dass frauen sehr kommunikativ sein können nicht auf eine ebene heben mit der analyse von einem krassen verhältnis in dieser gesellschaft (sexismus). das hat erstmal mit den frauen die du so kennst nicht alles aber immer auch ein bisschen zu tun. sorry, aber das macht mich echt wütend.

    “ich hab zum beispiel ein bisschen lampenfieber bei einer gewissen anzahl von menschen, aber wieso zum geier sollte das jetzt mit meinem geschlecht in verbindung gebracht werden?” dazu würde ich jetzt mal akademisch rumlabern: somatisierung von herrschaftsstrukturen. dh. dein körper weiß, dass du angst hast, dass dir schon mal gesagt wurde wie unwichtig das ist, was du so denkst. das hat übrigens auch krass mit anderen sachen zu tun, nicht nur mit sexismus.deshalb find ich den link zu kapitalismus hier auch wichtig.
    und zu “feminismus” insgesamt: klar gibt es da krass doofe seiten (alice schwarzer vorneweg, hinterher gleich noch die quote wg. fachkräftemangel) aber es gibt eben auch viel zu lernen.
    es geht nicht um spalten! es geht darum mit leuten zusammenzuarbeiten, die gerne diese “schlechteren stände” für alle auflösen wollen, aber die lösen wir doch nicht auf, wenn wir jetzt schon mal so tun als hätten alle die gleichen startbedingungen!

    • vielleicht sollte man mal anmerken dass es gegen die ersten drei punkte aus deiner “was tun”-liste bisher nicht den geringsten widerspruch gab, gerade im gegenteil, es sind ja auch sehr gute vorschläge und sie wurden sogar bestätigt…und angesichts dessen glaube ich schon dass du das gerade etwas dramatisierst…

      alles in allem scheint sich hier jedenfalls als konsens rauslesen zu lassen dass diese drei punkte + gesunder menschenverstand das problem eigentlich lösen sollten…findest du nicht?

    • die “dramatisierung” wie du es nennt, passierte erst im zuge dieser diskussionen aufgrund des antifeministischen windes, der mir hier entgegenschlug. ich habe nur vorschläge gemacht, um mit einer ungleichheit irgendwie umzugehen und gemeinsam daran zu arbeiten. die reaktionen darauf reichten von zustimmung, persönlichen ermutigenden erfahrungen bis zu persönlich beleidigenden kommentaren, dem abtun des problems von oben herab und der weigerung, sich mit dem thema auseinanderzusetzen.

    • @ Julia “persönlich beleidigenden kommentaren” …ach weisst du Julia…einige Leute sind immer sehr sehr schnell darin Gegenargumente als “persönliche Beleidigungen” zu diffamieren…leider scheint das hier bei dir der Fall zu sein. Damit tust du weder der Diskussion noch deiner Position einen Gefallen. Anders als in Gesprächen kann auf Blogs übrigens jeder das Gesagte nachlesen…von daher macht es Sinn sich zweimal zu überlegen ob man anderen unterstellen muss sie haben einen beleidigt ;-)

    • “erst im zuge dieser diskussionen aufgrund des antifeministischen windes, der mir hier entgegenschlug.” ..hier sagst du übrigens etwas sehr interessantes..genau dieses Debatierverhalten ist nämlich das was ich gerne die “alte Systemlogik” nenne: Du hast dich offenbar vorher auf eine Position festgelegt und willst diese nun in Anwaltschaft verteidigen. Je stärker die Gegenargumente werden desto krasser tust du das…Ein typisches Beispiel konkurrenzorientierter Kommunikation, in der es nicht um die besten Lösungen geht sondern um das Durchpeitschen der eigenen Ansichten.

      Genau dieses konkurrenzhafte Aufeinanderprallen verschiedener Pole wollen wir aber überwinden und durch gemeinsame Problemlösung ersetzen. Es ist also auch deine Aufgabe als Themenstarterin zu erkennen wann sinnvolle und für alle verträgliche Lösungsvorschläge formuliert und angenommen wurden…diese Art von Konsensorientierung ist bei dir leider gerade nicht der Fall…

      Lange Rede kurzer Sinn: Das eigene Kommunikationsverhalten zu überdenken kann manchmal sinnvoller sein als riesige Regelwerke aufzustellen.

      PS: “der weigerung, sich mit dem thema auseinanderzusetzen.” …das kann ja wohl nicht dein Ernst sein..es gibt hier bereits 40 Kommentare zu dem Thema!!

    • du sagst, mein verhalten würde der alten systemlogik entsprechen, nämlich an einer position festzuhalten statt den konsens zu suchen. ich würde sagen, teil der altens systemlogik ist es, dass männer dominieren und frauen nicht ernstgenommen werden, wenn sie auf sexismus aufmerksam machen. konsensorientierte kommunikation hätte für mich bedeutet, dass du es ernstnimmt, wenn eine frau äußert, dass sie den eindruck hat, dass es ein geschlechterproblem gibt bei den asambleas. das ist nicht gleichzusetzen mit der behauptung, dass es stimmen muss, nur weil ich es sage. sondern dass auf diesen hinweis hin geschaut wird, wie die situation ist, und was man gegebenenfalls gemeinsam tun kann. mein anfangspaper war null auf konkurrenz aus – das kam von anderer stelle. Ich erinnere Dich an deine eigenen Kommentare:
      “pseudoemanzipatorischem Rollendenken”
      “Wenn jetzt die Femistinnen kommen und gesonderte Frauenquoten fordern, kommen morgen die Parteien und fordern Parteienqouten.”

    • ” dass es ein geschlechterproblem gibt bei den asambleas” die kommentare von name und meine eigenen erfahrungen deuten für mich aber darauf hin dass es dieses geschlechterproblem in der form wie du es beschreibst gar nicht gibt….ich finde das was richard zum thema sagt bspweise viel zutreffender.

      —-

      “frauen nicht ernstgenommen werden” dann würde ich hier sicher nicht mitdiskutieren…ausserdem sag ich nun zum dritten mal dass ich deine ersten drei vorschläge gut finde..also hör bitte auf mir irgendwas zu unterstellen nur weil ich dir nicht 100% zustimme, ok?
      —–
      DANKE!

  17. “dazu würde ich jetzt mal akademisch rumlabern: somatisierung von herrschaftsstrukturen. dh. dein körper weiß, dass du angst hast, dass dir schon mal gesagt wurde wie unwichtig das ist, was du so denkst. das hat übrigens auch krass mit anderen sachen zu tun, nicht nur mit sexismus.deshalb find ich den link zu kapitalismus hier auch wichtig.”
    ja eben, es hat auf voll, aber voll krass mit anderen sachen zu tun. ursachen, die du beim einzelnen nicht einfach mal so feststellen kannst, so “akademisch” dir deine verallgemeineungen vorkommen mögen… im übrigen war ich schon sehr oft auf asambleas, nicht nur in berlin mit leuten aus unterschiedlichen ländern und muss dir (vielleicht zu deiner enttäuschung) mitteilen, dass deine beobachtung, frauen würden in dieser “bewegung” weniger zu wort kommen, ein vorurteil ist.

    • “im übrigen war ich schon sehr oft auf asambleas, nicht nur in berlin mit leuten aus unterschiedlichen ländern und muss dir (vielleicht zu deiner enttäuschung) mitteilen, dass deine beobachtung, frauen würden in dieser “bewegung” weniger zu wort kommen, ein vorurteil ist.”

      - das entäuscht mich überhaupt nicht, sondern macht mir Mut! Ich war zwiegespalten, was die Asambleas angeht, auf denen ich war. Ich finde diese Art der direkten Demokratie toll und ermutigend – und gleichzeitig habe ich ein großen Unbehagen, wenn deutlcih wird, dass nur bestimmte Leute sich zu Wort melden….In Lisabon war das aich so, da gab es daselbe Problem; da hat sich dann eine AG gegründet, die mit ihren Forderungen aber nicht durchkam und dann die Asamblea verlassen hat….Und in Gruppe – die gibt es wahrscheinlich auch nicht ohne Grund (http://feministesindignades.blogspot.com/) – ich kann aber zu wenig spanisch, um da mehr zu sagen zu können….

      Jedenfalls hoffe ich ja, dass sich da noch etwas tut, wenn die Asambleas anhalten – so wie Richard (siehe oben) das beschrieben hat…vielleicht hat das an anderen Orten ja auch geklappt. Aber ich denke eben nicht, dass das von alleine passiert…

    • dass sich das so in portugal entwickelt hat, ist kein grund anzunehmen, dass sich das hier genauso entwickelt. Ich wusste nur davon, dass die demonstranten in spanien einen feministischen plakat entfernt haben, weil sie der meinung waren, feminismus würde nur spalten und ich hab noch in erinnerung, dass eine parallele schwulendemo bei den dry leuten (zu den zeitpunkt zumindest) nicht gut ankam und belächelt wurde. Aber hier vor dem reichstag waren sogar nackte und transvestiten und kein schwein fühlte sich gestört, wieso sollten so tolerante leute auf einmal frauenfeindlich sein? oder was willst du mit dem link sagen? wie gesagt, es waren sowieso mehr männer als frauen dabei, so ist das logisch, dass sich mehr männer als frauen aktiv beteiligen (so wie logischerweise auch mehr männer als frauen geschwiegen haben)

  18. bei der ersten asamblea in berlin waren sowieso zufällig (!) weniger frauen als männer dabei. im grunde sagst du mit deiner behauptung, dass die frauen die geschwiegen haben, es getan haben, weil sie frauen sind. genau das empfinde ich als sexistisch. allein dass dir das bei so einer kleinen gruppe und in so kurze zeit aufgefallen ist. man könnte das sogar umdrehen und sagen, dass dir das aus dem grund aufgefallen ist, weil du dich selbst minderwertig fühlst. außerdem ist das schweigen (bei frauen und männern) eine legitime entscheidung!

    und: “she is free to do what she wants, and free not to do it” <- mal drüber nachdenken…

    • “bei der ersten asamblea in berlin waren sowieso zufällig (!) weniger frauen ”
      - kannst du mir das mit dem zufall erklären? wie soll es denn zufällig dazu kommen, dass mehr männer als frauen da waren?
      - bei den asambleas, bei denen ich war, schien das verhältnis ausgeglichen. klar ist schweigen eine leigitime entscheidung – wenn gleich viele männer wie frauen (reiche wie arme? studierte wie nicht studierte? – das weiß ich nicht..) schweigen würden, hätte ich auch keinen anlass gesehen, etwas zu schreiben.

      “man könnte das sogar umdrehen und sagen, dass dir das aus dem grund aufgefallen ist, weil du dich selbst minderwertig fühlst. ”
      - nein, ich fühle mich nicht “minderwertig”. mir ist aufgefallen, dass mehr männer als frauen reden, weil ich mich viel mit sexismus beschäftigt habe. frauen wurden historisch von politischen (und allen möglichen anderen) entscheidungen kategorisch ausgeschlossen. heute passiert das auch noch, aber subtiler. und wenn ein*r das weiß, dann fällt es sofort auf, dass sich genau das bei den Asambleas widerholt. übrigens kenne ich einige frauen, denen genau das auch aufgefallen ist und das interesse und den spaß an den asambleas eingecshränkt oder verdorben hat.
      worin ich dir zustimme: ich kenne das unbehagen, vor einer großen gruppe das wort zu ergreifen – das kennen die allermeißten frauen und viele männer. das hat aber nichts damit zu tun, dass ich mich “minderwertig” fühle. vielmehr werde ich wütend und fassungslos, wie selbstverständlich einigel, und damit meine ich auch nur einige, männer, es völlig selbstverständlich finden, in einer gruppe von hundert leuten, die runde zu dominieren.

      “im grunde sagst du mit deiner behauptung, dass die frauen die geschwiegen haben, es getan haben, weil sie frauen sind. genau das empfinde ich als sexistisch.”

      - wie erklärst du dir denn, dass männer deutlich öfter und mehr reden bei den asambleas…? mir geht hier darum, den sexismus, den es bereits gibt, und der in uns alle (ja, auch in dich und in mich) eingeschrieben ist, zu bekämpfen. sexismus verschwindet leider nicht, indem wir ihn ignorieren. ist das überhaupt dien interesse?

    • “(..)man könnte das sogar umdrehen und sagen, dass dir das aus dem grund aufgefallen ist, weil du dich selbst minderwertig fühlst.”

      @name:
      bitte sachlich bleiben, ohne persönliche untergriffe. danke!

  19. Also ich kann das Anliegen verstehen und gut nachvollziehen. Es gibt einfach manche Menschen, die sich lauter und energischer zu Wort melden und gehört werden. Das sind nicht ausschliesslich Männer, aber hauptsächlich eben schon. Und ich denke, es liegt in der Sozialisation, also dass Jungen eher dazu erzogen wurden/werden, als Mädchen. Mir ist es auch aufgefallen, dass auf den Assambleas Menschen mit lauterer Stimme eher gehört werden und sich mit ihrem “Mic check” durchsetzen, als andere. Und dass manche wichtiger genommen werden und sich mehr in den Mittelpunkt stellen als andere. Und damit muss die Assamblea umgehen und eine Lösung finden…

    • Normalerweise gibts auch die Regel dass es einen Moderator gibt der ne Rednerliste aufnimmt und betreut…das mit diesem “Mic check”-Reinrufen hat sich so ergeben und ist offensichtlich nicht die beste Lösung…man sollte meiner Meinung nach zu den Rednerlisten zurückkehren.

      Normalerweise werden vor der Asamblea also beim Moderator Themen angemeldet. Der Anmelder hat dann was einleitendes zum Thema zu sagen und danach gibts Meldungen von Leuten die drauf eingehen wollen. Die werden dann nach der Reihe dran genommen. Davon abgesehen gibt es ja noch das Einwurf-Handzeichen.

      Es kann sich natürlich während der Asamblea ergeben das weitere Punkte auf die Themenliste gesetzt werden…

  20. “- kannst du mir das mit dem zufall erklären? wie soll es denn zufällig dazu kommen, dass mehr männer als frauen da waren?”

    ja, in frankfurt bei den ersten asambleas von dry waren ungefähr die selbe anzahl von frauen und männern dabei. bei den darauffolgenen edj asambleas “dominierten” eindeutig die frauen. halt einfach die menschen, die die initiative ergriffen haben… die “dominanz” bei den alex11 asambleas anfangs war ziemlich ausgeglichen…und das war bei der asamblea nach dem 15. in berlin eben anders… wenn du ein problem damit hast, dann erhebe deine stimme als “frau” aber generalisier nicht, vor allem nicht bevor du dir was genauer angeschaut hast, ich bezweifle sehr, dass du das schon getan hast… überhaupt von dominanz bei einer asamblea, die basisdemokratie als weg und ziel hat finde ich seltsam. Wo ist denn das problem? wir sind menschen, noch nicht verstanden?

    Und ja, wenn man sich sehr viel mit einem thema beschäftig, läuft man gefahr überall das problem zu sehen. ich bin nicht unemanzipiert oder ähnliches wenn ich mich dafür entscheide, nichts zu sagen, ehr ist das diejenige die glaubt, genauso viel reden zu müssen, wie die männliche person neben sich um sich gleichberechtigt zu fühlen.
    Ich sehe kein sexismus in den asambleas. in unsere gesellschaft allgemein schon, aber eben auch “feministen” tragen sehr viel dazu bei. entschuldige (ernsthaft), aber prinzipiell lasse mich irgendwelche projizierte beweggründe von angeblich feministinnen und feministen nicht einreden und rate dir das ebenfalls nicht zu tun.

    • ok, mit der anzahl bin ich überzeugt, dann scheint es zufall zu sein…wenn es mal so, mal so ist. darum ging es mir ja auch gar nicht, sondern um das redeverhalten, wenn gleich viele frauen wie männer da sind; und da ist es eben nicht mal so, mal so. zumindest habe ich bisher nie erlebt, dass in eienr asamblea mehr frauen als männer oder beide gelcih viel geredet haben.

      “wenn du ein problem damit hast, dann erhebe deine stimme als “frau” aber generalisier nicht, vor allem nicht bevor du dir was genauer angeschaut hast, ich bezweifle sehr, dass du das schon getan hast… überhaupt von dominanz bei einer asamblea, die basisdemokratie als weg und ziel hat finde ich seltsam.”

      ich habe den text ja auch genau deshalb gecshrieben, damit andere frauen sich gegenseitig ermutigen was zu sagen, wenn sie das möchten, sich aber nicht trauen. und damit alle darauf achten, wie die asambleas ablaufen. basisdemokratie funktioniert nicht von alleine auf eine gute art und weise, denke ich. ich spreche mich ja gar nicht dagegen aus, überhaupt nicht, möchte aber, dass es besser wird!

    • alles klar! :)

      so würde es mir aber trotzdem besser gefallen:
      “ich habe den text ja auch genau deshalb gecshrieben, damit andere menschen sich gegenseitig ermutigen was zu sagen, wenn sie das möchten, sich aber nicht trauen.”

      ;)

    • “ich habe den text ja auch genau deshalb geschrieben, damit andere menschen sich gegenseitig ermutigen was zu sagen, wenn sie das möchten, sich aber nicht trauen.”

      - ok, da gehe ich mit! ;) es kann ja unterschiedliche gründe haben, warum menschen sich nicht trauen, was zu sagen. ich finde es halt wichtig, im blick zu haben, dass das auch mit verschiedenen machtverhältnissen in unserer gesellschaft zu tun hat….

  21. ich finde es ist egal ob frauen oder männer reden. die männer reden ja nicht weil sie männer sind sondern weil sie was sagen wollen als mensch. niemand verbietet den frauen zu reden. ich war am sonntag in berlin, da habe auch frauen geredet. ich als mann habe geschwiegen. das liegt daran dass ich mich überwinden muss vor vielen leuten zu reden obwohl ich auch genügend zu sagen hätte. dies hat nichts mit meinem geschlecht zu tun. ich nutze lieber das internet um mich zu äussern. und sexismus ist wenn frauen reden sollen nur weil sie frauen sind. jede hat die gleichen chancen zu sprechen. dass die vorlauten meisst ens reden ist doch immer so. vielleicht sollte es noch die möglchkleit eines redebriefkastens geben, der wird dann regelmässig gelehrt und vorgelesen so kommen auch die leisen zu wort.

    • Die Idee mit dem Redebriefkasten gefällt mir gut.
      Unabhängig des Geschlechts, des Sprachniveaus, des Volumens des eigenen Stimmorgans, usw. usf., denke ich, dass es wichtig ist Balance; zu halten d.h. vor Ort kompetente Redenlistenführer zu haben, die Leuten Priorität beimessen die noch nicht zu Wort gekommen sind.
      Vielleicht hilft es, am Anfang der Asamblea die Leute dazu aufzurufen, seine eigenen Mechanismen zu überdenken. Das heißt, jene Leute, die gern und viel reden dazu zu animieren, sich mal in Zurückhaltung zu üben und jene, die Angst davor haben, vor einer versammelten Menge zu sprechen, aufzufordern sich aktiv einzubringen.
      Stille Wasser sind tief und die innovativsten Ideen haben häufig jene, die sich nicht in den Vordergrund drängen….

    • redebriefkasten ist ne gute idee!

      “ich war am sonntag in berlin, da habe auch frauen geredet. ich als mann habe geschwiegen. das liegt daran dass ich mich überwinden muss vor vielen leuten zu reden obwohl ich auch genügend zu sagen hätte. ”
      - klar, da haben auf jeden fall auch immer frauen geradet. bei den asambleas, auf denen ich war, haben einfach viel mehr männer geredet. und klar gibt es auch männer, die sich überwinden müssen zu reden und das eventuell nicht tun; und frauen, die viel sagen und es gewohnt sind, vor großen gruppen zu sprechen. es ist einfach kein zufall, dass es menschen gibt, denen das leicht fällt – manchen auch zu leicht – und andere, denen es schwer fällt. das hat auch damit zu tun, wie wir zu männern und frauen gemacht werden im laufe unseres lebens; auch mit klasse/sozialer herkunft kann das zu tun haben. wer zb aus dem bildungsbürgertum kommt hat eine 5x höhere schance zu studieren – und die leute, die studiert haben, sind es tendenziell schon mal eher gewohnt, vor gruppen zu sprechen (seminare)…

      “und sexismus ist wenn frauen reden sollen nur weil sie frauen sind.” darum geht es mir: dass viel mehr männer reden, wiel sie männer sind, und dass ich das problematisch finde

  22. es ist eben nicht egal, wer redet und nein, nicht jede hat die gleichen chancen zu reden. aber das habe ich weiter oben schon mal versucht auszuführen.
    dass die leute, die von unterdrückung besonders betroffen sind, diejenigen waren, die sich dagegen gewehrt haben (arbeiter und arbeiterinnen, sklavinnen und sklaven, schwarze, frauen, lesben, schwule, transleute, indigenas…..) sollte vielleicht berücksichtigt werden. klar, gerne mit verbündeten, gerne gemeinsam aus den schubladen raus!

    leuten, die konkrete vorschläge machen, zu sagen, sie hätten sich das alles noch nicht genau genug angeschaut und erfahrungen anzugeben um hierarchien aufzumachen finde ich alles andere als basisdemokratsich! es kommt mir leider gerade so vor:
    polemik on
    “”ich bin seit 45 jahren in der bewegung aktiv, ich war auf asambleas auf der ganzen welt, ich habe das erste zelt auf dem alex aufgeschlagen, damals, direkt nach 1989 und bis letzten sonntag auf jeder demo mitgemacht. und deshalb sag ich dir jetzt mal: die leute in der bewegung sind nicht sexistisch, du bist sexistisch, das überhaupt anzunehmen.”"”
    polemik off

    • sind frauen unterdrückt? und nur weil sie frauen sind? wir alle sind unterdrückt, aber ich gebe dir recht niemand sollte bevorzugt werden. aber warum sollten sich männer zurücknehmen beim reden nur weil sie männer sind? ist das nicht auch sexistisch? sorry ich verwende diesen begriff sonst nicht ich meide alles was mit -ismus aufhört. und ich lehne es ab menschen in klassen einzuteilen und gruppierungen nur weil sie ne andre hautfarbe haben, ein anderes geschlecht usw. berufsdemonstranten wie du sie meinst gibt es auch hier in leipzig. die sind immer die ersten die hinter dem mikro stehen, die kleben förmlich hinter mikros, auf podesten usw. aber danke das du da angesprochen hast sollte hier in leipzig auch zur diskussion, da reden auch überwiegend männer übrigens…

  23. Ich finde es gar nicht egal, “ob Frauen oder Männer reden”. Ich finde, es hilft, da die verschiedenen Ebenen auseinanderzudröseln:

    Wenn ich mit Dir alleine spreche, ist mir wurscht, in welche Geschlechtskategorie Du oder die Gesellschaft Dich zählen. Dann ist mir Deine Meinung wichtig.

    Wenn ich mir das aber in einer großen Gruppe oder ganzen Gesellschaft anschaue und feststelle, dass durch die Einordnung in teils willkürliche Kategorien (“Rasse”, Aussehen, Gender, …), teils tatsächlich derzeit existierende Interessenunterschiede (Klasse) bestimmten Gruppen dann strukturell wesentlich weniger Redezeit und Zugehörtwerden (bzw. mediale Repräsentanz, tatsächlicher Machtbesitz, …) zuteil wird, dann finde ich, dass wir dagegen steuern sollten. Auch und gerade in unseren eigenen Gruppen.

    Und wenn wir für das Dagegensteuern die Kategorien, die wir eigentlich überwinden wollen, behelfsmäßig vorübergehend übernehmen (z. B. “Frau” und “Mann”, People of Color, Arbeiter_innenklasse, …), solange diese Gesellschaft sie immer wieder herstellt, dann finde ich das nicht sexistisch, rassistisch, klassistisch, … von uns. Sondern ein Instrument auf dem Weg zur wirklich freien Gesellschaft.

    Worauf ich mich schon sehr freue. :o )

    • oje, dann lass uns mal darauf achten, dass ausländer genauso zu wort kommen, dafür müssen wir aber ersteinmal “ausländer” definieren, auch heterosexuelle genauso wie homosexuelle und da widerum schwule genauso wie lesben, dann “schwarze” genauso wie “weiße”, dicke genauso wie dünne usw… lass uns ein system entwickeln (als instrument zur wirklich freien gesellschaft), das sicher stellt, dass alle kategorien mindstens einmal zu wort gekommen sind. aber ja nichts durchmischen, dort drüben ist die schlange der schwulen.

      wäre es nicht zielführender sofort die schubladen kaputt zu machen INDEM man alle stets als menschen und nichts weiter als menschen behandelt und die schublade vergisst?

    • @ name:

      Neee.. ich denke in der ganzen Diskussion geht es eher darum, dass sich jeder selbst definiert und verortet.

      Bitte keine Fremdzuschreibungen mehr.

  24. @name: JA! lass mal darauf achten, dass leute zu wort kommen, die sonst nicht dauernd möglichkeiten haben sich zu äußern. und lass mal überlegen, wie viele weiße deutsche männer (in den medien) zur bewegung befragt werden, auf den versammlungen reden usw.
    das war doch der punkt von anfang an, die gewollte durchmischung findet bei den redebeiträgen ja eben nicht statt.
    ich wäre sehr dafür die schubladen kaputt zu machen, indem alle als menschen behandelt werden.
    schade, dass das die ausländerbehörde nicht so sieht, frontex auch nicht, die deutschen medien nicht, die schule nicht, die politiker_innen auch nicht und meine familie in der ich aufgewachsen bin auch nicht. die fändens nämlich nicht so geil, wenn ich einen obdachlosen heiraten würde. deine ist da vielleicht total frei von schubladendenken, glaub ich aber erstmal nicht.

  25. Es ist gut und richtig, wenn solche Reflektionen zu unterschiedlichen Herrschafts-, Macht- und strukturelle Ausschlussgründen mit in die emanzipatorische Prozesse einbezogen werden. Deswegen finde ich es toll, dass Julia hier so ihre Eindrücke wieder gegeben und zur Diskussion gestellt hat!
    Allein schon die Veröffentlichung dieses Eindrucks hat die Chance Verhalten zu reflektieren und daran können alle Beteiligten wachsen.

    Es gibt dazu einiges aus der Geschlechterforschung. Kommunikation orientiert sich an Geschlechterstereotypen und inkorporierten Vorstellungen von Verhalten nach Gechlechterorientierung. Vieles ist uns oftmals gar nicht bewusst. Dazu gehört auch, dass geschlechtstypisches (nach Stereotypen) Verhalten gesellschaftlich anerkannt ist. Deswegen ist das ganze auch ein bisschen komplexer als Aussagen wie “ich bin ein Mann und leise” oder ich bin “eine Frau und möchte nichts sagen, bzw. nicht dazu gezwungen werden.”

    Diese ganzen Konstruktionen von wie eine Frau oder ein Mann zu sein hat sind oftmals ein viel zu enges Korsett, für beide Geschlechter. Viele sind dem überdrüssig – deswegen wäre das Verabschieden von Kategorien wunderbar! Es ist aber leider noch nicht so weit. Gerade wenn es um politische Diskussionen geht, politische Räume besetzt werden, funktionieren oftmals wie von selbst eingeschriebene Verhaltensmuster, die leider immer noch stark mit Geschlechterbildern verbunden sind. Wenn wir eine andere Gesellschaft wollen, dann ist es gut und richtig so etwas zu benennen, um gemeinsam Verhalten neu zu sortieren ;-)

    • “Deswegen ist das ganze auch ein bisschen komplexer als Aussagen wie “ich bin ein Mann und leise” oder ich bin “eine Frau und möchte nichts sagen, bzw. nicht dazu gezwungen werden.”
      hier geht es aber darum, dass frauen weniger sprechen würden als männer bei den asambleas und der umstand dabei der umstand nicht berücksichtigt wird, dass bei der asamblea, die wohl gemeint ist, sowieso mehr männer dabei waren.
      erkläre mal bitte genau inwiefern mein schweigen damit zu tun hat, dass ich eine frau bin. und bitte antworten: was ist genau der unterschied zwischen mein lampenfieber und den des mannes? Mein lampenfieber hat mit männern nichts zu tun, sondern mit einer großen anzahl an MENSCHEN.

      und weiter: der unterschied zum schweigen eines transsexuellen? merkst du nicht, dass die unterscheidung an diesem punkt an sich bescheuert ist? egal ob die unterscheidung von “feministen” gemacht wird.

      dass kritik geäußert wird, finde ich auch super, aber den vorwurf hier würden nur männer sprechen entspricht ganz und gar nicht meine beobachtung und halte ihn für paranoid. typisch für frauen, die sich schon allein dadurch unterdrückt fühlen, dass ein mann grad spricht (und vllt. recht hat?) und eine metadiskussion anfangen statt einfach mal los zu reden, weil sie sich selbst gegenüber den mann klein vorkommt.. aber lieber projizieren, das ist einfacher als sich mit der eigenen ohnmacht zu beschäftigen.

  26. …insgesamt alles sehr interessant. Was aber, wenn die Diskussionsrunde von der eigentlichen Revolution überrollt wird?
    MfG

  27. Die Diskussionsrunde ist die Revolution! Oder zumindest Teil der Revolution. Geht es denn nicht darum, Möglichkeiten zu schaffen, dass sich alle (die 99%) mit ihren Wünschen und Vorstellungen einbringen und gemeinsam etwas verändern?
    Meiner Meinung nach sollte das große Thema durchaus sein, ob und wie wir alle erreichen!

    Darum finde ich das Thema, das Julia aufgemacht hat superwichtig! Ich möchte an dieser Stelle mitteilen, dass ich das bei den Asambleas genauso empfunden habe.

    Zur Diskussion hier kann ich nur sagen, dass ich es sehr schade finde, wenn eine Person einen Wunsch und Ideen einbringt, so angegriffen wird und gezwungen wird sich derart zu rechtfertigen und zu verteidigen! Das ist kein respektvoller Umgang und löst auch nicht das Problem.

    • Ja cleah, mit dem ersten Teil deines Posts triffst du ja voll ins Schwarze und dann sagst du “so angegriffen wird und gezwungen wird sich derart zu rechtfertigen und zu verteidigen! Das ist kein respektvoller Umgang und löst auch nicht das Problem.” …HALLO!?!? wo soll das bitte der Fall sein?!?! Hier wird ja wohl sehr sachlich diskutiert und wenn einige Leute bestimmte Dinge anders sehen als die Open-Posterin ist es ja wohl legitim das zu äußern und eben auch an bestimmten Stellen ins Detail zu gehen ohne, dass dies dann zwanghaft als “persönlich angreifen” und “beleidigen” (s.o) diffamiert wird.

      Man erlebt dies immer wieder mit allen möglichen -ianiern/ianerinnen und -isten/istinnen …ist man nicht der Meinung des jeweiligen Dogmas, so ist jeder Einspruch ganz schnell irgendwas zwischen Nichterkennenwollen und Beleidigen.

      …ist ja auch extrem praktisch immer gleich mit dem Man-unterdrückt-und-beleidigt-mich-oder-meine-Klientel-Reflex zu antworten…hat man Ruckzuck den nächsten Feldzug gegen Unterdrückung legitimiert..nicht wahr?

      Solch eine Verbohrtheit hilft jedenfalls mit Sicherheit nicht weiter…

    • “Ja cleah, mit dem ersten Teil deines Posts TRIFFST DU JA VOLL INS SCHWARZE und dann sagst DU “so angegriffen wird und gezwungen wird sich derart zu rechtfertigen und zu verteidigen! Das ist kein respektvoller Umgang und löst auch nicht das Problem.” …HALLO!?!? wo soll das bitte der Fall sein?!?! ”

      Na genau hier ;)
      Und weitere Beispiele wurden auch schon oben genannt.

      Ich denke, im Grunde wollen wir alle dasselbe –> “herrschaftsfreie Diskurs” unter Gleichberechtigten unabhängig von Geschlecht/Hautfarbe/sexueller Orientierung/sozioökonomischem Status und sonstigen gesellschaftlichen Kategorien, die zum einen dafür sorgen,

      - dass sich eine Gesellschaft zersplittert (Stigmatisierung / jeder fühlt sich nur für “seinesgleichen” verantwortlich)

      zum anderen aber deshalb zur Debatte stehen,

      - um gesellschaftliche Probleme/Unausgewogenheiten sichtbar/messbar zu machen (impliziert: Lösungen zu suchen).

      Meiner Meinung nach, wurde hier keine Feminismus-Schublade aufgemacht, sondern eher ein konstruktiver Anstoss gegeben, wie man Schubladendenken überwinden und Ausgewogenheit erzeugen könnte.

      Wer sich “99%” auf die Fahnen schreibt, dem sollte es ein Bedürfnis sein, Strategien zu entwickeln, um jene zu Wort kommen zu lassen, die bislang geschwiegen haben.

      Also: Konstruktive Vorschläge!

    • @elflorian

      “Man erlebt dies immer wieder mit allen möglichen -ianiern/ianerinnen und -isten/istinnen …ist man nicht der Meinung des jeweiligen Dogmas, so ist jeder Einspruch ganz schnell irgendwas zwischen Nichterkennenwollen und Beleidigen.”
      ->Genau das meine ich. Das ist nicht sachlich, das ist nicht belegbar, das ist nicht konstruktiv, das ist beleidigend und bringt uns der Lösung keinen Schritt näher.
      Außerdem, dass dieser Einwand, den eine Person bringt, die sich hier neu zu Wort meldet gleich so behandelt wird (ohne Rückfragen, Einsicht, etc…) ist für mich genau das Thema, das zur Debatte steht. Im Internet habe ich Zeit mir eine Antwort zu überlegen, aber ich will sowohl im Internet als auch auf einer Asamblea meine Meinung äußern können und möchte, dass damit respektvoll umgegangen wird. Dafür gilt es hier Vorschläge zu sammeln und zu diskutieren.

    • dann äußere doch auch in den asambleas deine meinung, wer hindert dich bitte daran? die reaktion auf den vorwurf kann ich vollkommen nachvollziehen der vorwurf kann man auch als “beleidigend” auffassen, bzw. ziemlich nervig… nicht nur für männer. Wie gesagt, mein lampenfieber hat nicht mit den männern zu tun und allein dass das hier impliziert wird, empfinde ich als nervig. wär ich ein mann und würde ich mich ständig den sexismusvorwurf konfrotiert sehen, würde ich auch so reagieren. kommt runter von euren starren weltbild und selbstinduzierten ausschluss… niemand hindert euch zu sprechen, es liegt hier an EUCH einzelenen zu ändern, was euch nicht passt, nicht an eine kategorie von menschen. würde es hier gesetze geben, die männern bevorzugen, würde ich die show verstehen, aber so ist das einfah nur… ähm… ein bisschen lächerlich (tut mir ganz dolle leid, ist aber meine meinung)

    • das ist ja das vertrackte an der ganzes sache: herrschaft oder ungleichheit oder hierarchie wird eben nicht nur über gesetze hergestellt. es gibt kein gesetz, das besagt, dass frauen weniger verdienen sollen oder weniger zusagen haben sollen politisch. trotzdem verdienen sie durchschnittlich 23 prozent weniger als männer, sind politisch unterrepräsentiert und die arbeiten, die vor allem von frauen gemacht werden, sind weniger angesehen – und schlechter bezahlt. wirf mir jetzt bitte nicht vor, dass das ja wohl mit den asambleas nix zu tun hätte. es geht mir mit den beispielen darum, deutlich zu machen, dass sich ungleichheit nicht nur an gesetzen festmachen lässt, sondern dass diese auch subtiler funktionieren kann.

      das sind die leute, die gerade über den umgang mit der krise entscheiden (bildunterschrift: finanzminister und notenbankchefs): http://www.tagesschau.de/wirtschaft/gzwanzig200_v-banner3x1.jpg
      ist das Zufall?! ist das egal?!

    • ich wusste, dass du dich jetzt an dieses wort hängst, mein deutsch ist nicht so gut (omg! hier werden ausländer unterdrückt) mit gesetze meinte ich alle art ausschließende regelungen. die gibt es bei den asambleas eben nicht eben im absoluten gegenteil: JEDER ist eingeladen und wer sich dennoch ausgeschlossen fühlt, sollte sich fragen warum und die antwort bei sich selbst suchen… wenn du das nicht kannst, dann bezweifle ich mal stark, dass du das wirklich ändern möchtest…. naja, wenn du nicht verstehst, dass initiative ergreifen nicht mit dem geschlecht zu tun hat, dann schließt du dich selbst aus und damit auch andere frauen und erreichst mit der unterscheidung genau das gegenteil was du angeblich erzielen willst, nämlich vorurteile gegen frauen… ich zu mindest bin keine “unterdrückte frau” die sich nicht traut zu sprechen weil männer grad sprechen. und ich sags nochmal: Ich bin dagegen, dass man extra aufpasst, dass genausoviele personen der gruppe a wie der gruppe b sprechen, weil das impliziert, dass eine der gruppen hilfe benötigen würde. dass ist für mich nicht der fall, und das ist für mich auch nicht akzeptanz oder gleichberechtigung, sondern eben das gegenteil davon.

    • ““Ja cleah, mit dem ersten Teil deines Posts TRIFFST DU JA VOLL INS SCHWARZE und…Na genau hier ;) ” mirantes, du willst mir ja jetzt wohl hoffentlich nicht durchs Großschreiben der Floskel “ins Schwarze treffen” Rassismus unterstellen!??!

      Der Ausdruck kommt im Übrigen aus dem Bogenschießen/Dart wo das Hauptziel ein schwarzer Punkt ist…

      Deine Antwort verdeutlicht nocheinmal die ganze Idiotie die solche Debatten nehmen wenn einige Leute einfach nicht von ihren -ismen runterkommen wollen.

      Keine Unterstellung ist zu absurd, kein Vorwurf zu konstruiert um dem Gegenüber unterdrückendes Verhalten anzuhängen um sich dann gleichsam selbst als herorischen Kämpfer für die Rechte der Unterdrückten zu konstruieren…

      DAS IST EINFACH NUUUUR ALBERN!

    • @elflorian:
      Nein, mit Rassismus hat das nix zu tun – auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen… Als ich dein Post las, klang das sehr zynisch (deshalb die Hervorhebung) – so war es offensichtlich aber nicht gemeint…

      Es ist ein Kreuz mit der Online-Kommunikation… Deshalb hoffe ich, wir sehen uns spätestens morgen alle auf der Asamblea!

    • ok passt schon…generell wird eh nichts so heiss gegessen wies im internet gekocht wird ;-)

    • “ich wusste, dass du dich jetzt an dieses wort hängst, mein deutsch ist nicht so gut (omg! hier werden ausländer unterdrückt) mit gesetze meinte ich alle art ausschließende regelungen. ”
      - meine antwort bezug sich auch nicht nur auf “gesetze”. was ich meine ist, dass sich hierarchien auch reproduzieren, ohne dass es dafür regelungen git. manchmal braucht es vielleicht regelungen, um hierarchien abzubauen…? wenn sie abgebaut sind, können auch die regelungen wieder weg.

  28. mein konstruktiver vorschlag: fühlt euch einfach nicht vom geschlecht der redner unterdrückt und seht die menschen als menschen. nicht weil es einmal so war, dass mehr männer dabei waren heißt es, es gibt hier ein “geschlechterproblem”. beschäftigt euch mit euren minderwertigkeitsgefühl und generalisiert ihn nicht. und traut euch als menschen zu sprechen nicht als “frauen die unterdrückt werden” denn auch das ist eine schublade…

    • Wie sehr der zweite Teil dieses Artikels zu deiner Aussage passt: http://the-babyshambler.com/2011/10/21/mein-name-ist-mensch/#more-602

      …meiner Meinung nach sollten alle die sich hier an der Diskussion bezteiligt haben, diesen Artikel mal lesen…wirklich sehr weiterführend!

    • wenn wir so tun, als gäbe es keine hierarchie mehr, können wir nicht mit ihr umgehen. das ziel “menschen als menschen” teile ich, die frage ist, wie wir dahinkommen. und ich glaube, wir kommen da nicht hin, wenn wir die hierarchien ignorieren und den indviduen, in diesem fall den frauen, die schuld zu schieben.

      ein gutes beispiel sind die lohnunterschiede. frauen wird oft vorgeworfen, sie hätten halt den falschen beruf gewählt und seien deshalb selber schuld an ihrem schlechten einkommen. (männer verdienen statistisch übrigens auch bei gleicher qualifikation und im selben beruf mehr).
      das ist ein typisch neoliberales argument: die gehts schlecht, dann biste selber schuld! stattdessen müssen wir fragen, wieso denn ausgerecnet berufe, die mehrheitlich von frauen gemacht werden, so schlecht bezahlt sind – dann wird es zu einer gesellschaftlichen und politischen frage!

      “beschäftigt euch mit euren minderwertigkeitsgefühl und generalisiert ihn nicht.”
      woher kommt denn jetzt schon wieder die idee her, dass diejenigen, die hier schreiben minderwertigkeitsgefühle haben?

  29. @name: hier von bescheuert und lächerlich zu reden halte ich für extrem konstruktiv -aber ich bin ja nicht so…don´t take it too serious…;-)
    @mirantes: “Wer sich “99%” auf die Fahnen schreibt, dem sollte es ein Bedürfnis sein, Strategien zu entwickeln, um jene zu Wort kommen zu lassen, die bislang geschwiegen haben.
    Also: Konstruktive Vorschläge!” – YES!!! – eindeutige Zustimmung! Deswegen gibt es einiges an partizipativen Methoden, Redelisten wo auf Gender, aber auch darauf geachtet wird, das Leute vorgezogen wurden, die noch gar nichts gesagt haben sind so ein Beispiel…

    zum Thema Gender un Kommunikation. ….hier ein kleiner Link zu entsprechendes Wikipedia Material…http://de.wikipedia.org/wiki/Doing_Gender
    Es geht mir hier um Geschlechterstereotypen und unsere Sozialisation. So wie ich das sehe, wird zumindest in Deutschland die Diskussion never aufhören…(wir sind hier leider oft am hinterherhinken)

    Bytheway Opferdiskurse habe ich hier nicht entdecken können, eher einen sehr emanzipatorischen Akt von Benennung!

    Und zum Thema “die Revolution wird schon vorbei sein, wenn hier fertig diskutiert ist” – ein kleiner Denkanstoß warum diese Diskussion auch in vorrevolutionärer Phantasie für eine Analyse wichtig sein könnte…http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/156351/index.html

    Last but not least: öffentliches Reden ist halt auch mit einer Sozialisierungsbrille zu betrachten. Dieses neoliberale Mantra von jede/r kann doch wenn er/sie es will sollte uns mal langsam aus den Köpfen purzeln….Es gibt halt strukturelle Ausschlussgründe…Das gilt nicht nur bei Frauen/Männer Codierungen, sondern jemand der es einfach gewohnt ist, die Stimme zu erheben und Beiträge beizusteuern (hier gibt es auch immer noch Unterschiede bei der sozialen Herkunft, etcpp. – das ganze Thema ist halt komplex…). Deswegen ist eine Auseinandersetzung darüber sehr fruchtbar, so können wir unsere eigenen Bilder immer wieder hinterfragen (wo niemand von frei ist..) Ein bisschen mehr Nettiquette wäre der Diskussion sehr dienlich…;-)

  30. Bzgl. Lampenfieber:

    Auch hier finde ich es wieder sehr sinnvoll, unterschiedliche Ebenen zu betrachten.
    Personenebene: Mein Lampenfieber ist so gut wie Deins.
    Gruppenebene: Warum haben so viel mehr Menschen, die als Frauen sozialisiert wurden, Lampenfieber als die, die als Männer sozialisiert wurden? Rein statistisch.
    Da ich glaube, dass das eine Folge ungleicher Sozialisation ist und die als Frauen Sozialisierten genau so interessante Sachen zu sagen haben wie alle anderen, finde ich es gut, so lange alle gemeinsam dagegenzusteuern, bis der statistische Unterschied nicht mehr signifikant ist.

    Bzgl. Minderwertigkeitsgefühlen und Angegriffenwerden als Mann:

    Ich finde es schade, dass die Diskussion sich hier teilweise in persönlichen Zuschreibungen ergeht. Julia beispielsweise Minderwertigkeitsgefühle zu unterstellen, weil er_sie sich als Frau fühlen würde, sind zwei Unterstellungen, die für das Thema ohnehin irrelevant sind. Vielleicht ist Julia selbstbewusster als wir anderen alle zusammen (wer weiß das schon) und findet es nur (so wie ich) blöd, dass es strukturelle Machtgefälle in unserer Gesellschaft gibt. Vielleicht hat Julia persönlich überhaupt keine Probleme, sich Raum zu nehmen, den sie_er haben möchte.

    Von mir selbst als Person kann ich aber reden. Ich bin von Beginn meines Lebens bis heute von allen eindeutig in die Kategorie Mann gesteckt worden. Stört mich auch nicht sehr. Und bis vor einer Weile hatte ich auch oft das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, wenn davon die Rede ist, dass “Männer” “Frauen” diskriminieren. Bis ich verstanden habe, dass es dabei wieder um unterschiedliche Ebenen der Betrachtung geht, um unterschiedliche Verwendungen ein und derselben Wörter.

    Es geht nicht darum, dass ich als Individuum ein größerer Blödmensch wäre als irgendwer anderes. Auf Individuen-Ebene sind wir alle in eine ziemlich korksige Gesellschaft reingewachsen, sind somit selbst auch ziemlich korksig, sind alle liebenswert, aber nicht perfekt, und können alle im kleinen Rahmen versuchen, uns selbst zu reflektieren und vielleicht nach und nach zu verändern, wenn wir wollen. Auf Individuen-Ebene ist eigentlich ziemlich wurscht, ob ich “Mann” oder “Frau” bin, da bin ich Mensch und möchte einfach mit Solidarität und Verständnis für meine Schwächen behandelt werden.

    Aber auf Gruppen- oder sogar Gesellschaftsebene treten statistisch betrachtet ziemliche Unterschiede zwischen “Männern” und “Frauen” hervor. Zum Beispiel in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe, kulturelle Repräsentanz, Wohlstand und Selbstbestimmung. Für mich war eine sehr wichtige Erkenntnis, dass hier mit den Wörtern “Männern” und “Frauen” gar nicht eine Aussage über mich als Individuum (mit dem Stempel “Mann”) getroffen wird. Dass es durchaus sein kann, dass ich als “Mann” gar nicht konkret zu diesen “Männern” gehören muss, die mehr Macht, mehr Geld, mehr Selbstsicherheit, mehr großes Mundwerk etc. haben. Dass ich mich von einer solchen allgemeinen Aussage über “Männer” und “Frauen” überhaupt nicht persönlich angegriffen fühlen muss, weil die Wörter hier lediglich statistisch verwendet werden.

    Seit ich das so sehe, verwende ich meine Energie nicht mehr auf die Rechtfertigung und Verteidigung gegen einen Angriff, der gar nicht gegen mich persönlich stattfindet. Sondern verwende meine Energie darauf, tatsächlich nicht zu der Gruppe von Leuten zu gehören, denen sowas Unschönes wie die Ausnutzung von Geschlechterhierarchien vorgeworfen wird.

    Seit ich das so sehe, halte ich tatsächlich öfters mal die Klappe, weil mir aufgefallen ist, dass es mir in Gruppen immer leichter und schneller fällt, die große Rede zu schwingen, als dem Durchschnitt der Leute. Ist auch egal, ob das durch mein “Mannsein” kommt oder durch irgendwelche anderen Faktoren. Und durchs gelegentliche Klappehalten habe ich plötzlich von anderen Leuten, die sonst fast nie was gesagt hatten, erstaunlich interessante und konstruktive Sachen gehört.

    Was mich natürlich trotzdem nicht davon abhält, auch meine Meinung zu sagen. Nur vielleicht manchmal etwas kompakter (außer hier grad, ich gebs zu :) ). Es geht nicht drum, irgendwem die Meinung oder den Mund zu verbieten, sondern uns allen gegenseitig zu ermöglichen, einigermaßen gleich gut die anderen an unseren Gedanken teilhaben zu lassen.

  31. “Gruppenebene: Warum haben so viel mehr Menschen, die als Frauen sozialisiert wurden, Lampenfieber als die, die als Männer sozialisiert wurden? Rein statistisch.”

    das ist ein glatter vorurteil und ich sags noch ein letztes mal: auf der asamblea, die gemeint ist waren sowieso viel mehr männer dabei. das heißt wohl auch, wenn man mal logisch und nicht selbst in den üblichen klischees stecken bleibt, dass viel mehr männer als frauen geschwiegen haben…

    • von welcher asamblea sprichst du denn?

      ich spreche von mehreren asambleas, auf denen – so mein eindruck – gleich viele frauen wie männer waren, aber sehr sehr deutlich viel mehr männer gesprochen haben.

  32. ansonsten bitte ich dich diese aussage zu belegen

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