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Evolution und Revolution

2. Oktober 2011 in Blog - alle Themen

Echte Demokratie Jetzt!, aCAMPada, Basisdemokratie, Revolution, Globalchange … das sind mächtige Begriffe mit denen da hantiert wird, derzeit, weltweit, auf Straßen und Plätzen, in Blogs und sozialen Netzwerken. Eine Bewegung, die keine sein will und sich dennoch Stück für Stück in das Weltgeschehen frisst.

Der Gedanke ist nicht ganz leicht zu verstehen, das merkt jeder, der schon einmal versucht hat ihn anderen zu vermitteln, oder der sich zumindest mit anderen versucht hat darüber zu verständigen.

Dahinter steckt nicht die eine Idee, deren Zauber uns alle auf einmal erfasst, sondern dahinter steckt ein Wandel in unserem Denken und Handeln, der schon lange eingesetzt hat, spürbar in vielen kleinen Ansätzen überall.

Langsam aber sicher setzt sich in verschiedenen Bereichen die Erkenntnis durch, dass uns Kooperation weiter bringt als Konkurrenz. Unternehmensberater und Fußballlehrer bspw. sprechen seit Jahren von flachen Hierarchien und Teamarbeit. Die Gruppenarbeit ist sogar schon im deutschen Schulsystem angekommen, unzählige Musiker veröffentlichen seit Jahren ihre Werke unter freien Lizenzen und verzichten zum einen auf große Teile ihrer Urheberrechte, gewinnen aber ein vielfaches an Kommunikation und Interaktion mit ihrem Publikum und mit anderen Künstlern; ein chaotischer, aber von der Parteibasis berufener Haufen zieht als Piratenpartei ins Berliner Abgeordnetenhaus mit der Ansage für mehr Transparenz und direkte Demokratie zu kämpfen …

Hier ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele anführen die belegen, dass sich unsere Gesellschaft und unsere Hirne im Wandel befinden.

Das ist bereits eine Evolution.

Je weiter diese voranschreitet, umso unerträglicher müssen für all diejenigen, die sich daran beteiligen, die derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Zustände werden. Ein kleiner elitärer Haufen von Macht- und Geldsäcken hält Vermögen und Entscheidungsgewalt in ihren Händen, und damit nicht genug, sie bauen tagtäglich riesigen Obermist. Sie verkacken alles was es an demokratischen Errungenschaften seit 1848 gibt, sie nutzen fortschrittliche Technologien nicht zum Wohle der Menschheit, sondern nur zur persönlichen Gewinnmaximierung, sie rocken unseren Planeten kaputt und wissen wahrscheinlich selbst schon lange nicht mehr, um was es ihnen eigentlich mal ging.

Da entsteht eine riesige Diskrepanz zwischen dem was inzwischen an Partizipation aller mittels modernster Technologien wie dem Internet möglich wäre, und dem uralt überkommenen Herrschaftssystem, in welchem die breite Masse vor allem zum Wohle einer kleinen Minderheit rackert, leidet und hungert.

Wir können die Augen nicht mehr verschließen vor dem Elend das unser Reichtum in der dritten Welt verbreitet, wir können nicht mehr davon absehen, dass wir wissen, dass es besser machbar wäre, und gerechter und friedlicher.

Jeder kann für sich die bereits vorhandenen Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Handeln bewerten und fortentwickeln, und keiner kann zufrieden sein mit dem was es derzeit an gesellschaftlicher Struktur gibt.

Natürlich kommen immer bereits an dieser Stelle die ganzen Rufe nach den Patentrezepten, vor allem in Deutschland, wo man sehr gerne die Marschroute vorgibt, wo es immer genügend berufene Denker gibt, die glauben zu wissen wie es geht, nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt …

Aber auch diejenigen haben den bereits stattfindenden Wandel noch nicht verinnerlicht, ihr missionarischer Eifer, den anderen das Heil zu bringen, wird noch zu sehr von Egointeressen genährt – wohlmeinende Motive sind natürlich all diesen Personen zu unterstellen, aber damit ging wahrscheinlich auch jeder Politiker irgendwann an den Start, egal wie korrupt er zwischenzeitlich geworden sein mag.

Nein, dieser evolutionäre Wandel erlaubt uns allen lediglich an Strukturen zu arbeiten, die künftig dazu in der Lage sein werden, so etwas wie echte Meinungsbildung hervorzubringen. Strukturen die es jedem – der will – ermöglichen an Themen, Frage- und Problemstellungen mitzuarbeiten, sie mitzugestalten, seine persönlichen Bedürfnisse einzubringen, Ideen zu publizieren, Meinungen auszutauschen. Innerhalb dieser Strukturen (derzeit Bürgerversammlungen, Blogs, Pads) können dann die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, wobei auch hier die Regeln innerhalb der Strukturen erst zu finden und zu diskutieren sind, ob nun eine Abstimmung, oder eine Konsensfindung das richtige Mittel sind bspw. In vielen Fällen entsteht vermutlich sowieso etwas ganz neues, was vermutlich dann auch überhaupt kein Abstimmungsverfahren mehr braucht.

Diese Strukturen sind im besten Falle immer flexibel und passen sich der jeweiligen Bedürfnislage einer Problemstellung an.

Dieser Vorstellung von Kooperation steht derzeit ein machtgieriger, verlogener und zunehmend unfähigerer Haufen von Polit-und Businessprofis gegenüber, dem leider viel zu häufig unterstellt wird, er verfolge so etwas wie einen Masterplan. Hilfloses Gewurschtel ist es in Wirklichkeit, was diese Gang da treibt. Zumeist hinter von den Verfassungsorganen (wieso dürfen die eigentlich so heißen?) abgedichteten Gardinen hecken sie komische Pläne und Schirme aus, die immer nur zu mehr Ungerechtigkeit, weniger Rettung, und zu immer absurderen Kosten für die Allgemeinheit führen. Das passt schlicht und ergreifend nicht mehr zusammen. Und deshalb gilt es jetzt endlich das, was seit Jahren die oben beschriebene Evolution ist, deutlich sichtbar und für alle verfügbar zu machen.

Das ist dann die Revolution.

Es muss Schluss sein mit dieser unzeitgemäßen Herrschaftsform der Repräsentation. Ein sehr großer Teil der Menschen ist eigentlich nicht mehr in der Lage in diesen Herrschaftskategorien zu denken, das ist zu absurd. Die Menschheit hat sich weiter entwickelt. Und das ist auch gut so. Ein Tag wie der 15. Oktober taugt dazu genau das zu formulieren und aufzuzeigen. Wir sind viele. Eigentlich sind wir eine überwältigende Mehrheit. Ohne ein herkömmliches “wir” zu sein, aber dennoch, gegen die, ein letztes Mal zwei Seiten, vielleicht. Ein Gestern und ein Morgen aber bestimmt.

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Zum facebook-Event für Berlin, 15. Oktober 2011: United for #globalchange BERLIN – #15oct

3 Antwort auf Evolution und Revolution

  1. Sehr gut zusammengefasst. Vor allem der Punkt der Kommunikation ist zentral. Im freien, dezentralen Informationsaustausch liegt der Schlüssel zu einer neuen Form gesellschaftlicher Problemlösungsprozesse – und das ist im übrigen der Grund warum die Mächtigen weltweit bestrebt sind das Internet zu zensieren, den Zugang zu beschrenken, zu überwachen etc…

    Der freie Informationsfluss ist die revolutionärste Errungenschaft seit der Erfindung des Buchdrucks und mit einem solchen Bewusstsein gilt es ihn zu nutzen. facebook zum Beispiel kann man (wie ich finde weniger sinnvoll) als persönliches Präsentationstool verstehen, man kann sein Profil aber auch in einen interaktiven Nachichtenkanal umbauen: Einfach wild vernetzen, jeden adden der rechts am Rand vorgeschlagen wird und schon erreichen einen selbst mehr Informationen. Was man für sinnvoll hält kann und sollte man dann weiterverbreiten. Man kann viel über die Mainstreammedien schimpfen, aber die Lösung dieser Verarsche liegt letztendlich darin, dass wir uns über Blogs und soziale Netzwerke selbst und gegenseitig informieren. Man sollte auch nicht immer nur fragen “was interessiert mich?” sondern eher “was sollte meine Umgebung wissen?”.

    Auf die selbe Art und Weise sollte auch für den 15. Oktober mobilisiert werden. Ich selbst nehme schon lange keine Rücksicht mehr auf wahnhafte Persönlichkeitsrechte die einige Leute ihren facebookprofilen zusprechen. Man hat ja manchmal echt das Gefühl einige verwechseln sich selbst mit ihrem Profil…die Dinger sind zum Informationsaustausch da und nicht um ein digitales Modepüppchen seiner selbst zu züchten. Also was will ich sagen: Info spreaden, Info spreaden, Info spreaden! Der 15. Oktober betrifft alle!

  2. Steh auf, werde Licht, denn die Finsternis herrscht über dir.

  3. Dein Text spiegelt sehr gut meine Wahrnehmung wieder. Seitdem ich mich mit dem Thema Compliance, sprich der Einhaltung von Regulurien beschäftige und die Ausmaße an Korruption erkennen musste, und dass sie immer größer wird, je größer die Organisation und die Konkurrenz am Markt, desto klarer wurde mir die Perversion des Konkurrenz- und Leistungsgedanken und hatte im April darüber geschrieben: https://faszinationmensch.wordpress.com/2011/04/17/wir-mussen-den-krebs-wachstumswahn-und-konkurrenz-wieder-heilen/

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