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Eine Idee, nicht mehr und nicht weniger.

7. Oktober 2011 in Blog - alle Themen

Derzeit häufen sich mal wieder im Internet die Anwürfe, EDJ sei unterwandert von Rechtsradikalismus, Verschwörungstheoretikern, Sekten und Esoterikern.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die gerade neu entstehenden Foren (im Internet, in den sozialen Netzwerken, auf Strassen und Plätzen), allesamt eingerichtet um einen weltweiten Wandel einzuleiten und um an neuen basisdemokratischen Strukturen zu arbeiten, immer wieder gerne von Leuten heimgesucht werden, die mit einigem missionarischem Eifer ihre abstrusen Ansichten, Theorien, Vermutungen, Verurteilungen verbreiten wollen und damit gezielt Angriffe auf die Menschenwürde sowie auf so etwas wie gesunden Menschenverstand landen.

Taucht so was dann bei Facebook auf der Seite “Echte Demokratie Jetzt!” oder in einer der zahlreichen Facebookseiten und Blogs rund um diese Strömung auf, ist sofort das Geschrei groß: “EDJ: ein Nazihaufen, ein Sammelbecken für rechte Spinner und Esofreaks!”. Werden solche Postings von Administratoren eliminiert, geht das Zensurgeschrei los …

Scheint irgendwie ein Dilemma zu sein, viele neue Bewegungen und Initiativen kennen das.

Immer wird gleich eine ganze Bewegung in den Schmutz gezogen, Erklärungen, Distanzierungen eingefordert, es wird gedroht und gebasht …

“Echte Demokratie Jetzt” ist so was wie ein Slogan und kein Name, weder der für eine Partei, noch der für eine Bewegung oder irgendwas. Es gibt keinen gemeinsamen Beschluss zu diesem Namen, seiner Schreibweise, was auch immer. Auch in Deutschland wurde eben irgendwann dieses Motto in die Runde geworfen, um für emanzipatorische und partizipatorische Ansätze zu werben, so wie das in anderen Ländern schon früher und deutlicher geschehen ist.

Dieser Slogan war zunächst sehr gut geeignet, Menschen zu versammeln, die den Glauben an die Selbstheilungskräfte unseres gesellschaftlichen und politischen Systems verloren haben, und die statt dessen der Meinung sind, dass die Macht in die Hände aller gehört, und nicht in die Griffel von ein paar nur scheinbar demokratisch legitimierten Lobbyisten.

Dabei ist es immer wieder wichtig zu betonen, dass die weltweite Vernetzung einer Bewegung zum Zwecke eines Systemwechsels nur über die Einigung auf diesen Minimalkonsens funktioniert:

1. Wir empören uns über die unhaltbaren, mehr als skandalös ungerechten Zustände die als Ergebnis unserer derzeitigen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung zu betrachten sind.

2. Wir fordern Demokratie von unten.

Wirkliche Demokratie von unten zu fordern kann derzeit vor allem nur heißen entsprechende Mittel und Werkzeuge zu entwickeln, mit denen diese dann mit Leben gefüllt werden kann. Genauer ausformuliert kann das ja wohl erst in einer wirklichen Demokratie werden.

Und sowieso: Es war und ist immer klar gewesen, dass Demokratie von unten nur funktionieren kann, wenn Diskriminierung jeglicher Art ausgeschlossen wird. Das beinhaltet selbstverständlich Rassismus, Nationalismus, Sexismus, Homophobie usw.)

 

So ein Slogan nutzt sich aber auch ab, schlicht deshalb weil er mit der Zeit zu so was wie einer Marke verkommt, und damit eben doch zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung so etwas wie eine Gruppierung zu beschreiben scheint, die es aber gar nicht gibt.

Aus dem EDJ-Slogan hat sich ganz schnell ein vielgestaltiges Phänomen entwickelt. In Spanien versammelten sich die Protesitierenden bald unter dem Stichwort “15M”, in Israel hieß es “J14″, jeweils nach den Daten ihrer “Initialzündung”. In den USA setzte sich der Begriff “Occupywallstreet” durch und machte auch hier schnell die Runde. Genauso wie das Datum 15. Oktober, das nun den kommenden Samstag zum Auftakttag zur tatsächlichen Veränderung weltweit erklärt. Diese Vielfalt der Begrifflichkeiten ist gut und spiegelt den Geist, oder besser gesagt die Haltung, des ganzen hervorragend. Diese Begriffe funktionieren eher wie Suchwörter/Hashtags im Internet, sie taugen zur Vernetzung und nicht zur Beschreibung.

Die Menschen gehen als Einzelpersonen auf die Strasse, um den längst überfälligen Wandel mit allen anderen gemeinsam einzuleiten. Keiner weiß was danach geschieht, keiner kennt den nächsten Schritt. Diejenigen, die glauben ihn zu kennen haben nichts kapiert. Die können ja gerne ihre Feldversuche und Parteibildungen voran treiben, aber das hat alles nichts mit dem oben beschriebenen Phänomen zu tun.

Wir sind die 99% ist auch so eine Parole, die seit ein paar Tagen die Runde macht. Auch diese zeigt sehr gut um was es geht. Es geht um die allermeisten, die den Reichtum und die Macht einer winzigen Minderheit tagtäglich vermehren. So universal ist der Gedanke. Und nur, wenn wir ihn so universal verstehen haben wir eine Chance.

Wer nun also EDJ oder aCAMPada Berlin oder was auch immer versucht zu kategorisieren, oder glaubt anhand von ein paar Spinnern (und wen wundert’s wenn diese die lautesten sind im Diskussionsgeschrei) verurteilen zu müssen, dem sei dies unbenommen. Und dennoch würde ich ihn gerne bitten den Grundgedanken des ganzen zu bedenken. Niemand vertritt irgendwelche Positionen von aCAMPada Berlin oder EDJ. Auch ich nicht im übrigen. Im Rahmen der Anforderungen des oben beschriebenen Minimalkonsenses bietet “aCAMPada Berlin” eine Plattform, eine Minimalstruktur für Empörung und basisdemokratischen Austausch. Nicht mehr und nicht weniger. Dass Unterwanderungsversuche – von wem auch immer – erfolglos sind hängt vom Engagement letztlich aller ab. Bringen sich genug Leute ein, dann spielen die “Spinner” schnell keine Rolle mehr, bzw. werden entsprechend korrigiert. Bringen sich nicht genug Leute ein, dann war dieser Versuch wohl der falsche, oder hat sich überlebt. Macht auch nichts, weil hier nie für eine Organisation gekämpft wird, die es “durchzusetzen” gilt! Der 15. Oktober wird seine Spuren hinterlassen, da sollte kein Einzelner, keine Gruppierung, oder was auch immer, glauben als Hauptact auftreten zu können. Es ist eine Idee, und die ist größer als wir.

7 Antwort auf Eine Idee, nicht mehr und nicht weniger.

  1. Es wird gar nicht anders passieren können ;-)

  2. Guter, logischer Text. In den Beiträgen ist dieses sprachliche und gedankliche Niveau in der Tat leider nicht selbstverständlich…

  3. occupyechtedemokratejetzt

  4. Nichts ist stärker als die Macht einer Idee, deren Zeit gekommen ist !
    Die Zeit der Umkehr ist da !

  5. edj ist eine lose organisation und keine partei sondern eine idee, sehe ich auch so. doch ich sehe alle beteiligten als gezwungen, an einem alternativen konzept zu arbeteiten oder sich beteiligen, denn ohne konkrete forderung sind wir wirklich nichts weiter als eine lose gruppe und nicht mal eine idee.
    mein eigenes alternatives gesellschaftskonzept habe ich auf facebook reingestellt.
    Vladi Hilgenberg

    • mm sagte am 9. Oktober 2011

      Selbstverständlich müssen wir an alternativen Konzepten arbeiten, das ist ja keine Frage; die Frage ist ja nur, wie wir alle die dies auch wollen in diese Arbeit integrieren … und da ist diese Idee der Basisdemokratie nunmal zuerst, und ich freue mich schon drauf mit dir auch über dein Gesellschaftskonzept zu diskutieren (aber Facebook ist groß, und bisher hab ich es noch nicht gefunden :) ) – dann in den entsprechenden Foren, und was auch immer sich als Ort heraus kristallisiert für solche Themen.
      Aber erstmal ist 15. Oktober, und mit Verlaub, da werde ich bestimmt nicht für deine Ideen im speziellen werben …

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