Wir wollten doch nur Campen….

28. September 2011 in Blog - alle Themen

20.August 2011, eine lose Vernetzung von Aktivisten entscheidet sich dazu die Umstände die unser tägliches Leben beeinflussen nicht mehr länger hin zu nehmen. Ein Protestcamp nach spanischen Vorbild ist der Traum den sie haben. Es geht nicht darum konkret etwas zu fordern, denn sie alle wissen: Es gibt viele Probleme. Jedoch gilt auch: für jedes Problem gibt es eine Lösung, wenn man beginnt sie zu suchen.

Den Menschen vom Alexanderplatz ging und geht es darum gemeinsam über eben diese Lösungen zu sprechen.Samstag, gegen 22 Uhr werden die ersten Zelte aufgebaut, nachdem eine spontane Demonstration angemeldet wurde.Bereits beim Aufbau des Camps wird eine Sache schnell klar: Die Menschen die sich hier versammelt haben interessieren sich für das was sie gemeinsam haben und nicht für die wenigen Dinge die sie unterscheiden.  Ein 3×3 Meter großer Pavillon, 2 Banner und 8 Zelte sowie knapp 30 Leute, die dazu bereit sind einen Aufruf für eine bessere Zukunft zu machen, so beginnt das Protestcamp aus Berlin.

Große Veränderungen liegen weltweit in der Luft und die “Acampadistas” sind sich dessen bewusst. Sie reden über ihre Vergangenheit, das System in dem sie leben und immer wieder die Erkenntnis:  Wichtig es ist, dass wir alle mitbestimmen können welchen Weg die Menschheit in Zukunft einschlägt. Die erste Asamblea findet statt und immer mehr Menschen schließen sich der wachsenden Schar auf dem Alexanderplatz an. Jeder möchte etwas beitragen, bringt sich mit Ideen ein. Kreativität und Aufbruchstimmung liegt in der Luft. Es läuft ein wenig nach dem Motto “Jeder gibt das was er kann, und Freiheit ist all das was keinem anderen schadet”.

Die Stimmung wird immer besser und neue Freundschaften entstehen. Später an diesem Abend taucht das erste mal die Polizei auf und versucht die Camper vom Platz zu vertreiben. Hier wird zum ersten mal klar, dass diese lose Ansammlung von Menschen sehr wohl weiß auf was sie sich da eingelassen hat. Anstatt sich vertreiben zu lassen versuchen die Camper der Polizei klar zu machen, dass es sich bei diesen Zelten um Symbole einer internationalen Bewegung handelt und man nicht dazu bereit ist sich die Rechte auf Meinungsfreiheit, Wahl der Protestmittel und das Versammlungsrecht aberkennen zu lassen.

 Die Polizei versuchte fortan alles um die Basisdemokraten vom Alexanderplatz zu vertreiben. Sitzen, Schlafen oder auch nur kurz Ausruhen wurden vom Staat kurzerhand verboten und durch die Beamten vor Ort verhindert. Alles was sie mit ihren Methoden erreichten war jedoch,  dass sie bei den Aktivisten den Willen, ein Zeichen zu setzen immer weiter stärkten.

 Je stärker der Druck durch die Polizei wurde, sei es durch das Aufwecken derer die vor Erschöpfung einfach einschliefen, das Benutzen der Lichthupe und Sirene um das Camp zu terrorisieren oder Platzverweise für all jene die die Bewegung unterstützen wollten, führten dazu das man einfach etwas enger zusammenrückte,mehr Kaffee zu sich nahm und gemeinsam mit etwas musikalischer Begleitung durch eine Akustikgitarre die Übergriffe so lange aushielt bis die Sonne wieder schien. Denn sobald die ersten Berliner auf dem Weg zur Arbeit über den Alexanderplatz liefen traute sich keiner der Polizisten mehr weiterhin die Grundgesetze der Camper zu attackieren.

Eine Woche lang hielten die Menschen unter diesen Bedingungen aus, bis dann am Freitag die Obrigkeit entschied das Camp entgültig aufzulösen. Doch die Empörung bleibt, ist seitdem im ganzen Land sogar noch gewachsen. Für uns Camper gilt: Es war eine Woche voller Leben, in der so viele Menschen soviel von sich Preis gegeben hatten und eine Sache immer klarer wurde: Wir sind nicht gegen das System, das System ist gegen uns. Mit jeder Menge Optimismus, Kreativität und natürlich Empörung fordert Berlin seit dem 20. August echte Demokratie! Wir fordern echte Demokratie, und werden sie weiter forden. 

2 Antwort auf Wir wollten doch nur Campen….

  1. Ich hoffe, es wird einen neuen Versuch geben, ein Camp in Berlin zu errichten. Spätestens jetzt sollte ein Massenprotest stattfinden, die “Regierung” hat gezeigt, dass sie nicht fähig ist, mit unseren Steuergeldern verantwortungsbewusst umzugehen. Wieder sollen Milliarden an Euros für den Banken verbrannt werden.

    Wir sollten uns an die Demonstranten von “Occupy Wall Street” ein Vorbild nehmen. Der Protest findet nun schon seit fast 2 Wochen statt und es kommen immer mehr empörter Wutbürger. Mittlerweile bilden sich auch Proteste in Chiago, Los Angeles, San Franciso und Boston. In jeder dieser Städte besteht ein großes Interesse.

    Ich frage mich immer wieder, warum ist so etwas in Deutschland nicht möglich?

    Damit der nächste Versuch ein Erfolg wird, sollte man aus der Vergangenheit lernen. Man sollte 4 Wochen vor Protestbeginn Werbung für den Protest machen, so können viele potentielle Teilnehmer planen und sich eventuell dem Camp anschließen. “Werbung” kann man in Blogs, bei Youtube, Facebook und Twitter machen. Man kann auch Flugblätter verteilen.

    Der nächste Punkt betrifft den zivilen Ungehorsam. Ein Protest gegen die Regierung kann nur ein Erfolg werden, wenn man zivilen Ungehorsam anwendet. Soll heißen: Anweisungen der uniformierten Handlanger werden ignoriert. Genauso machen es auch die US-Bürger bei “Occupy Wall Street”. Sie bleiben freundlich, ignorieren die Handlanger aber. Sollte es zur Zwangsräumung kommen, so sollte man als Gruppe das Zelt umkreisen und somit schützen. Wenn man dies effektiv plant, kann es eigentlich nur ein Erfolg werden.

    Ziviler Ungehorsam ist wichtig. Wird mit “Ordnungswidrigkeiten” oder sonstigen Schritten gedroht, sollte man trotzdem ruhig bleiben und den Protest weiter fortsetzen. Das Zelten ist untersagt? Egal, man beruft sich auf Artikel 20 GG und führt seinen Protest wie geplant durch.

    Wie bereits erwähnt, ich hoffe es gibt einen neuen Versuch, es ist höchste Zeit dafür. Erfolg ist garantiert, wenn der Protest koordiniert, bwz. organisiert wird.

  2. Warum das in Deutschland nicht möglich ist?

    Weil es den Deutschen im großen und ganzen noch viel zu gut geht. Der Leidensdruck und die Verzweiflung müssen erst noch bei vielen Leuten anwachsen, bei einer viel größeren Schicht der Bevölkerung.

    Aber das kommt schon noch…

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