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message in a bottle

22. September 2011 in Blog - alle Themen

Ein griechischer Blogger schrieb folgendes in seinem Blog.  Ich dachte, ich nehme diese ”message in a bottle”, übersetze es , und reiche es so weiter an all diejenigen, die kein griechisch können. Das griechische Orginal befindet sich hier :

http://feltor.wordpress.com/2011/09/13/bottle-in-the-sea/

Samstag, 10. September 2011

Foto von Mara Tr.

Eine Flasche im Meer

(schwimmender Brief an einen Europäer)

Lieber Europäer,

Ich weiß nicht ob dein Name Hans, Brigitte, Francois, Michelle, Carmelita, Manolo oder José ist. Egal wie du heißt, dieser Brief ist in jedem Fall an DICH gerichtet. Ich hoffe, er ist Dir in die Hände gefallen. Verzweifelt über die Flut von Erklärungen von Schäuble, Merkel, Sarkozy, Barrozo, Rehn, Ackermann, durch hunderte von Politikern, Bankern, Technokraten, der Wirtschaft, die jede Raum/Zeitlücke in der Information verschleiern, habe ich mich entschieden diesen Brief auf eine alt bewährte Art und Weise zu versenden. Im Inneren einer Flasche, treibend auf dem Meer, als Flaschenpost.

In großer Hoffnung, dass diese Flaschenpost quer durch das Mittelmeer , durch die Meerenge von Gibraltar, entlang der Atlantikküste, durch den Ärmelkanal, der Nord- und Ostsee treiben wird. Und vielleicht  wid die Post auf ihrem langen Weg jemandem von EUCH aus Napoli, Marseille, Barcelona, Porto, Normandie, Kielo oder Danzig in die Hände fallen. Vielleicht wird der Brief auf magische Weise die newtonschen Naturgesetze überwinden, und er schwimmt gegen den Strom  den Rhein hinauf nach Köln oder Straßburg.
Möglicherweise ist jemand so neugierig, hebt ihn auf und öffnet ihn. Mit anderen Worten, ich hoffe auf ein Wunder.

Ist das angemessen für einen Schiffbrüchigen zu hoffen? Ich schreibe Euch, wie Ihr sehen könnt, von dem spektakulärsten Wrack
in Europa, von der Titanic, die zusammen mit seinen 11 Millionen Einwohnern mit dem Eisberg “Konkurs” kollidiert ist. Ich schreibe Euch aus Griechenland, dem berüchtigten Land aus Eurolandia.

NEIN !! Bitte werf diesen brief nicht vorschnell wieder zurück ins Meer !!!!

Selbst wenn du davon überzeugt bist, dass die Griechen schwarze Schafe und Drohnen in Europa sind, müsstest du doch von der Leichtigkeit, mit der unsere Politiker verkünden, dass Sparmaßnahmen das Passepartout für die gesamte Eurozone ist, überrascht sein. Strenge ist das einzigst verbindende Element in dieser Parodie der Vereinigung, für die unsere Politiker prahlen.  Das neue GEBOT des GLAUBENS von einer Seite des Kontinentes  zur anderen heißt:
” Wenn die Europäer nicht mit hohen Steuern und Sparmaßnahmen belegt werden, kann Europa nicht gedeihen”"

Du mußt dich fragen, was dieses Europa für unsere Politiker wirklich ist, wenn sie sich über ihre Bevölkerungen hinweg setzen. Sie erklären uns eifrig und redegewandt, dass das europäische Bankensystem nicht gefährdet werden darf, dass europäische Produkte beliebt bleiben müssen und wir weiterhin eine starke Währung brauchen
und dass  die Finanzen der EU-Staaten ”gesund” sein müssen. Wie Ihr erkennen könnt, lieber Gerhard, Nicolas, Felipe oder Isabel, wir Europäer werden als Volk nirgendwo erwähnt in den Plänen unserer Führer. Um es genauer zu erklären, wir existieren nur als Anleger bei einer Bank, als Opfer der Sparpolitik, Niedriglohnempfänger, als Träger der Steuern, als anspruchslose Bürger die keine öffentlichen Güter mehr konsumieren können.

Unsere Eltern und Großeltern haben uns ein -durch zwei mörderische Kriege – zerstörtes Europa hinterlassen und haben sich verpflichtet, ein Sicherheitsmodell im relativen Wohlstand zu erschaffen. Auch der kalte Krieg und die politsche Teilung Europas schien das Engagement für dieses Ziel nicht zu beeinträchtigen. Seit vielen Jahrzehten sind wir nun auf europäischem Boden ohne Krieg, trotzdem forderten unsere Politiker unsere Toleranz für ihre verschiedenen Abenteuer , zum Beispiel für den Krieg im  ehemaligen Jugoslawien,  im Irak oder Afghanistan oder zu kolonialen

Unterfangen in Afrika. Und in all den Jahrzehnten garantierten uns unsere Regierungen ein Mindestmaß an
Einkommen und sozialer Sicherheit. Wir folgten ihnen ohne großen Widerspruch, bis hin zur Notwendigkeit eines  großen gemeinsamen europäischen  Marktes, auf dem Waren und Menschen sich frei bewegen, aber mit der Verpflichtung, dass jedes Land einen noch größeren Teil seiner Souveränität abtreten mußte, damit die europäischen Institutionen sich etablieren konnten. Es wurde darauf hin gearbeitet dass die europäische Wirtschaft die wettbewerbsfähigste in der Welt wird. Die  Währungsunion -der Euro – ist das einzigst sichtbare Element  der ansonsten unsichtbaren europäischen Identität geworden.

Wir nehmen mit einer paradoxen Begeisterung an der Verführungskunst der Märkte teil, lassen uns Kreditkarten aufschwatzen, nehmen Kredite auf -unabhängig von der Höhe unseres Einkommens, nehmen Hypotheken auf unser eigenes Haus, kaufen begeistert Handys mit der neuesten Technologie, Pc’s und Digital-TV-Geräte. Wir schenken der Werbung glauben, die uns suggeriert das neueste Waschmittel würde porentief reinigen, das neue französische Shampoo würde unsere Haare seidiger glänzen lassen, das neue elegante italienische Stadtauto müßten wir unbedingt besitzen. Wir haben alle- du und ich, liebe Nicole, Ulrike, Maria- konkret am “europäischen Wohlstand” teil  genommen, der heute als das Laster des Überkonsums kritisiert wird. Aber plötzlich waren wir das PROBLEM, vorher waren wir die LÖSUNG. Die  Löhne der Arbeiter waren zu hoch, Sozialhilfe wird gekürzt; Krankenkasse zu teuer ebenso wie Bildung, Renten- und Pflegesysteme für das Alter. Auf einmal sahen sich die Europäer von unterträglichen Kosten erdrückt . Unternehmen verlagern sich in den Osten, auf der Suche nach dem idealen Arbeiter mit geringst möglichen Löhnen, die Regierungen, die brutal ihre Leistungen kürzen- all das finanzieren wir Steuerzahler. Die Banken, die noch tiefer in das öffentliche Vermögen greifen, lassen Schuldenberge wachsen, an denen noch unsere Kinder und Kindeskinder zahlen werden. Die Staatsverschuldungen – und das wissen sie sehr genau- können niemals bezahlt werden, sofern sie nicht alle von uns Europäern auf einem Sklavenmarkt verkaufen sogar mit Leasingvertrag . Wir sollten darüber nach denken, liebe Europäer, ob die goldenen Nachkriegsjahre-  solange sie dauerten- und alles was wir bekommen  haben eher die Regel war und nicht die Ausnahme. Wir sollten darüber nachdenken, ob die harten Jahre, die unsere Führer und Eliten für uns auf Lager haben, die Ausnahmen sind oder eine Rückkehr zur Normalität. Hinter den Bergen der Staatschulden stehen die Banken, abstraktes Geld, Reichtümer die noch produziert werden möchten und Gewinne, die noch von unserer Hände Arbeit erwirtschaftet werden sollen. Hinter abstraktem Geld steht die Kapital-Industrie, das Gewerbe, und die Firmenchefs sind ermüdet von zeitaufwändigen Investitionen. Mit dem abstrakten Geld ist das Kapital untrennbar verflochten. Der Gewinn muß mit wachsender Produktivität steigen bei gleichzeitig immer weniger Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer muss seine Produktivität maximieren für weniger Lohn. Und Du Hans, müsstest es besser wissen als wir alle, dass das Jahrzehnt des deutschen Exportwirtschaftswunder teilweise auf eingefrorenen Gehältern deiner Kollegen und Kolleginnen basiert und auf Millionen von Arbeitslosen. Aber was wird geschehen, wenn all die Europäer, die in die Enge getrieben worden sind durch miserable Löhne,  die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger sich gefährlich erhöhen und unfähig sein werden die Konsumgüter auf den Märkten zu konsumieren?

Es ist ein altes Geheimnis in der Welt der Arbeit, dass der Teufelskreis des ursprünglichen Kapitalismus (insbesondere heute der europäische)  nur diesen als tugendhaften Kreis anerkennt. Ein weiteres Geheimnis liegt im Euro, in dem Frau Merkel anscheinend Europa erkennt. Hierbei wird das abstoßende Kondensat des katastrophalen Zyklus sichtbar: Die Banken, die das “abstrakte Geld” verwalten nehmen  sich jetzt auch noch das hart verdiente Geld der Arbeiter durch strenge Diktatur und Entwertung der Arbeitskraft.

Der Euro ließ nie einen Zweifel daran auf wessen Seite er steht, für das Kapital und gegen das Volk. Und  ist es nicht zweifelhaft dass der Gewinn den Banken und der EU gehört  und das Volk nicht daran Teil hat?  Bist Du nicht beeindruckt, mein Freund Günter, Paolo, Michel , wie sich die Macht der Direktion in der Eurozone entwickelt hat, wie die Souveränität aus den Ländern schwindet, wieviele Entscheidungen getroffen worden sind die drastische Einschnitte in die Zukunft unserer Kinder beinhalten OHNE das WIR dazu befragt worden sind ? Nicht ein einziges Referendum, nicht eine einzige formale Frage.  Unsere Politiker entscheiden weiterhin ohne ihre Völker, und tun so als wäre die Demokratie nur ein lästiger Stachel in ihrem Siegeszug dieser alptraumhaften Vereinigung namens Europa.

Lieber Europäer,

sie nennen unseren griechischen Kontintent  „alt“, möglicherweise ist das gerecht, weil unsere Führungselite sich eines ekelhaften alten Systems bedient, dessen weiterer Fortbestand sich mit Wohlstand für wenige und Leiden für viele identifiziert. Glaubst DU nicht , wir sollten etwas dagegen tun? Unsere europäische Identität ist nicht der Euro, und auch nicht diese Ungeheuerlichkeit in der wir heute leben. Zeigen wir endlich unsere wahre europäische Identität, die schon viele Geburtstage hatte: 1789, 1821, 1848, 1917, 1919, 1945, 1968. Daten, die alles auf den Weg gebracht haben was heute dekonstruiert wird.  Und lasst uns gemeinsam beweisen dass Europa nicht nur aus einzelnen Staaten besteht. Franzosen,

Deutsche, Griechen, Portugiesen- alle miteinander in Solidarität , WEHREN wir uns ZUSAMMEN gegen das monetäre Gefängnis von Sparmaßnahmen und Traurigkeiten für 500 Millionen Europäer.

Und jetzt , wenn du die Geduld und Zeit aufgebracht hast, diesen Brief gelesen zu haben, falte ihn bitte wieder , leg ihn zurück in die Flasche und werf ihn zurück in den Ozean damit ihn der Nächste finden kann!!

Mit großer Wertschätzung

Ein Passagier des griechischen Schiffswrack

Übersetzt von : S. K.

2 Antwort auf message in a bottle

  1. es wurde angeregt den Brief noch in andere Sprachen zu übersetzen. Es gibt noch eine englische Version. Für die englische Version wendet euch an “Bille Klein” http://www.facebook.com/profile.php?id=100002710306024. Danke Bille für die Übersetzung ins Deutsche!

    Wer sich angesprochen fühlt, mach ein Pad auf! http://www.alex11.org/category/pads/

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