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Ich bin Nichtwähler

17. September 2011 in Blog - alle Themen

(Ich habe auf meinem Hauptblog le bohémien folgenden Artikel veröffentlicht und würde ihn gerne auch hier zum Besten geben. Schließlich ist ja KarneWAHL…und vielleicht ergibt sich ja eine interessante Diskussion.)

Eine Polemik von Florian Hauschild

Ich bin Nichtwähler. Du bist Wähler. Und häufig schimpfst du mich dann einen Anti-Demokraten, einen Unterstützer der Extremisten gar, oder aber ich bin direkt ein Faschist, Rassist, und weiß Gott noch was. Denn, Nichtwähler wie ich ebnen ja bekanntlich direkt den Weg zu Hitler 2.0. So haben es dir, lieber Wähler, die Konzernmedien jahrzehntelang erklärt: Wahlen = Demokratie, Demokratie = Gut, Hitler = Böse, Nichtwählen = Hitler. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder?

Nun ja, nicht ganz. Denn Faschismus und Diktatur kommen in der Regel eben nicht von dort, wo man erwartet. Die Tatsache, dass Unbehagen herrscht, sorgt nämlich auch dafür, dass frühzeitig durch Aktivisten und Bürgerbewegungen Gegenmaßnahmen getroffen werden; dass aufgeklärt und diskutiert wird. Und auch wenn in einigen deutschen Käffern rechtsextremes Gedankengut auf dem Vormarsch ist, ist die Gesamtgesellschaft – auch bei dem anstehenden ökonomischen Niedergang – eben nicht in erster Linie durch eine NPD- sondern durch eine EU-Gouverneursratsdiktatur gefährdet.

Man kann solange man will auf Extremisten, die letztendlich auch nur eine Randgruppe unter vielen sind, herumhacken, unsere Freiheit ist vom Status quo weit mehr gefährdet, als von diesen meist eher schlecht gebildeten Bevölkerungskreisen. Und wer verteidigt den Status quo? Richtig, du, der Wähler!

Denn Wählen heißt, einem politischen System die Legitimation zu erteilen, weiterhin in absolut skrupel- und verantwortungsloser Art und Weise über unser aller Schicksal zu richten. Wählen heißt überforderte Parlamentarier dafür zu benennen eine mutmaßlich höchst korrupte Regierung zu „kontrollieren“, was alleine schon dadurch ad absurdum geführt wird, dass die parlamentarische Legislative zu weiten Teilen längst mit der Exekutive verschmolzen ist.

Von diesem Klüngel einmal abgesehen heißt „Wählen“ aber auch, ein politisches System zu legitimieren, das es längst als „normal“ betrachtet, Gutachten, Gesetzestexte, Reden, etc. direkt von Lobbygruppen anfertigen zu lassen. Berufspolitiker, die man nun wirklich besser „Politdarsteller“ nennen sollte lesen diese Texte oft nur noch ab bzw. vermitteln zwischen widersprüchlichen Lobbyinteressen.

Nichtwählen heißt hingegen, einem solchen System die Legitimation zu entziehen. Nichtwählen heißt seine Stimme nicht abzugeben, und eine Stimme, die man nicht abgibt, kann man erheben. Mann kann seine Stimme erheben, um beispielsweise stumpfe rassistische oder extremistische Parolen zu widerlegen. Man kann seine Stimme auch erheben, um seine Mitmenschen über ein zutiefst ungerechtes und undemokratisches Geldsystem aufzuklären. Man kann seine Stimme erheben um Korruption und Lobbyklüngel anzuprangern und man kann seine Stimme erheben um zu zeigen, dass grundsätzlich nur das geschieht was wir zulassen.

Du, lieber Wähler, machst es dir da schon einfacher. Du gibst deine Stimme ab, bezeichnenderweise in eine Urne, und redest dir ein, durch diesen Akt deine „demokratische Pflicht“ erfüllt zu haben. Das hat man dir auch so erzählt, das mit der „demokratischen Pflicht“. Leider erkennst du diese Propagandalügen nicht einmal als solche. Denn andauernde Propaganda macht stumpfsinnig. Du ziehst es vor, aus diesen manipulativen Leitsätzen deine Borniertheit zu speisen, die Grundlage deines Irrglaubens ist, ausgerechnet mich, den Nichtwähler, als Anti-Demokraten bezeichnen zu dürfen.

Du siehst weder die Aufklärungsarbeit die der Nichtwähler leistet, und fragst schon gar nicht nach den Hintergründen seines Wahlboykotts. Du plapperst einfach nur nach was dir „Experten“ bei Illner und Plasberg sagen. Du bist der wahre Anti-Demokrat.

Ich werde meine Stimme nicht abgeben, ich werde sie weiter erheben. Ich wünschte du würdest es auch schon tun.

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