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Debatte: Die Asamblea als Instrument basisdemokratischer Meinungsbildung

11. September 2011 in Blog - alle Themen

In unserem zunehmend auseinanderfallenden Gesellschaftssystem haben wir uns an folgende Form sozialer Kommunikation gewöhnt: Berufspoliker und Vetreter von Lobby-, und Partikularinteressen nutzen die massenmediale Infrakstruktur um die grundlegenden Eckpfeiler in gesellschaftspolitschen Themenbereichen abzustecken. Wir – die Bürger – haben zu weiten Teilen verlernt in diesen Diskurs aktiv einzugreifen. Wir sind zu oft Objekt und zu selten Subjekt im sozioökonomischen Diksurs. Direkte bürgerliche Einflussnahme ist oft nur über den Umweg von Organistionen möglich, die allerdings ihrerseits wieder zu Oligarchisierung neigen. Die Asamblea will diesem Kommunikationsdefizit entgegenwirken.

Eine Asamblea ist sowohl ein Ort, als auch eine Versammlung von Menschen. Der Ort sollte leicht zugänglich sein und für jeden erreichbar. Deshalb bieten öffentliche Plätze ideale Voraussetzungen, um eine Asamblea abzuhalten.

Als eine Versammlung von Menschen ist die Asamblea die basisdemokratische Zusammenkunft freier Individuen zum konstruktiven kommunikativen Austausch. Dieser Austausch hat Konsensentscheidungen zum Ziel, die Kommunikation sollte lösungsorientiert und kooperativ von Statten gehen. Sinn und Zweck der Asamblea ist es ausdrücklich nicht, gegensätzliche Positionen konfliktiv aufeinanderprallen zu lassen, sondern vielmehr aus gegensätzlichen Positionen heraus gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln. Die Asamblea stützt sich auf das Paradigma kollektiver Intelligenz und sieht sich als Gegenentwurf zu konkurenzorientierem Kampf.

Zu Konsensentscheidungen/Konsenslösungen kommt es durch ausführliche, konzentrierte und respektvolle Kommunikation miteinander. Die neuen Lösungen bilden sich im Laufe des Gesprächs. So lange Widersprüche zu einem Punkt signalisiert werden, werden die Begründungen dieser Widersprüche gehört und ebnen im besten Fall den Weg für Alternativlösungen, die widerspruchslos angenommen werden können.

Sonstige Abstimmungen sollten nur in terminlich drängenden, organisatorischen Fragen, in denen die Zeit fehlt um zu einer Konsensentscheidung zu gelangen, als Mittel gewählt werden. Es ist allerdings niemand gezwungen sich an Ergebnisse von Abstimmungen zu halten. Denn echte Demokratie schließt ein Verständnis und ein Bewusstsein für eigenverantwortliches Handeln mit ein.

Eine Asamblea eröffnet also dem Einzelnen die Möglichkeit sich öffentlich zu äußern und seine Meinung zu den jeweiligen Thema der Asamblea auszudrücken.

Die Asamblea kann Aufgaben an Organisationsgruppen verteilen, die dann außerhalb der Asamblea gemeinsam an Themen/Projekten/Lösungsvorschlägen arbeiten. Wichtig dabei ist, dass die Aufgaben deutlich umrissen und formuliert werden, und dass allen Beteiligten klar ist, dass die Bürgerversammlung nur Aufgaben und nicht Kompetenzen und Verantwortung delegiert. Dementsprechend sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen an die Asamblea zur gemeinsamen Entscheidungsfindung zurück zu geben.


Foto: Yusuf Beyazit

Eine Asamblea kann wie folgt ablaufen:

1) Begrüßung durch den von Asamblea zu Asamblea wechselnden Moderator, der die Einhaltung der Regeln, Sprechzeiten und Sprechreihenfolge überwacht.

2) Erinnerung an die Gesten, die während einer Versammlung benutzt werden um nonnverbal Zustimmung, Ablehnung, Einspruch etc. zu signalisieren

3) Lautes Vorlesen der Tagesordnung bzw. Aufnahme von Tagesordnungspunkten

4) Abhandlung der Tagesordnungspunkte

5) Fazit und Bekanntgabe von Ort und Zeit der nächsten Versammlung.

Folgende nonverbale Signale werden während der Asamblea verwendet:


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- Zur Vertiefung: Quickguide für Asambleas

- Der vorliegende Text wurde in Gemeinschaftsarbeit in diesem Pad geschrieben.

11 Antwort auf Debatte: Die Asamblea als Instrument basisdemokratischer Meinungsbildung

  1. Also ich würde vorschlagen, dass man nun hier in den Kommentaren einfach mal über den Text diskutiert…was glaubt ihr wie weit sind wir mit dieser Geschichte?

    Ich persönlich sehe diese Asambleas ja als analoge Form der Schwarmintelligenz. Das digitale Gegenstück dazu sind Pads und Blogs…nun ja…eure Meinungen?

    • Ich denke Blogs und Nachrichten sind Wichtig zur Meinungsbildung, jedoch ersetzten sie nicht den Gang auf den Platzt und den direkten Meinungsaustausch von Angesicht zu Angesicht.
      Blogs und Pads, von Facebook will ich erst gar nicht reden, erreichen meines erachtens nur bestimmte Gruppen und sind in meinen Augen kein Gegenstück zur “anaolgen” Form von Asambleas.

      grüße
      Richard

    • Naja, Gegenstück ist vielleicht nicht ganz treffend. Sondern eher als Ergänzung (das meintest du wahrscheinlich).

      Z.B. fände ich es gut, wenn man die Themen und die Ergebnisse einer Asamblea im Netz noch einmal nachlesen könnte. Vielleicht kommen dann zur nächsten Asamblea Leute, die sich angesprochen fühlen über das was sie im Netz gelesen haben.

  2. ..ja, ersetzen war nicht gemeint…es entspricht eher der selben Logik meinte ich…das eine ist eben digital das andere analog…nichts ersetzt das andere, aber beides folgt der selben Logik ;-)

  3. Der Autor hat sicherlich studiert. Eigentlich war eine Revolution des Volkes geplant. Nur leider wird das Volk ausgeschlossen. Das Volk muss erst mal zur Schule gehen oder auch studieren. Oder ist es normal dass das Volk z.B. die folgenden Begriffe kennt : Lobby-, und Partikularinteressen sozioökonomischen Diksurs Oligarchisierung Asamblea. Nein! Also bitte, lasst die Revolution dem Volk! Ich empfinde es fast schon als Gegenrevolution (Sabotage, Konterrevolution) was hier die letzten Tage gemacht wird. Noch einmal, das einheitliche Ziel der Weltrevolution ist die direkte Demokratie, einige bezeichnen es als reale oder echte Demokratie, doch am Ende steht immer die direkte Demokratie. Z.B. Feldversuch, Arbeiten in Pads u.s.w. sind nur noch Ablenkungen (Sabotage), die nichts mehr mit der gegenwärtigen Lage etwas gemeinsam haben. Das ereignisreiche Wochenende steht kurz bevor und der Start der Weltrevolution rückt immer näher. Ich sehe in Deutschland noch nichts fertig organisiert. Ich hoffe ja, dass bis zum 15.10. die Besetzung von Plätzen klappt, die dann ja über Tage andauern wird. Wer hat sich um die finanziellen Mittel gesorgt. So muss auf besetzten Plätzen z.B. die Hygiene sichergestellt werden. Wo sind die Keine Gewalt Beauftragten und wo sind die Gegen Sabotage Beauftragten. Was macht Ihr, wenn schon jetzt am Wochenende Plätze besetzt werden können und was wichtig ist, die Besetzung fortgesetzt werden kann. Dann seid Ihr unvorbereitet! Wo sind die Presse Beauftragten! Die Weltpresse! Aljazeera oder was auch gut ist, Feindmedien missbrauchen! PressTV wird zwar von den iranischen Diktatoren gesponsert, wird sich aber über eine Berichterstattung der deutsche Revolution freuen und PressTV wird von den Weltmedien beobachtet.

  4. Kleiner Hinweis…es gibt nicht “den Autor”…der Text ist in einem Pad in Gemeinschatsarbeit entstanden…hier kannst auch du ein Pad aufmachen: http://typewith.me/ ..bring den Link in Umlauf und schreibe mit anderen Leuten gemeinsam Texte > Schwarmintelligenz …soviel zum Thema Sabotage ;-)

  5. ..übrigens Powerranger: Ich glaub du hast da was nicht richtig verstanden…wir planen hier keine Revolution und wir verkaufen auch keine Schokoriegel oder sonstwas…wir kommunizieren einfach barrierefrei miteinander…das IST bereits die Revolution….oder was denkst du warum die Herrschenden so gerne das Internet kontrollieren würden? Nicht weil da irgendwas geplant wird sondern weil der freie Informationsfluss an sich eine Gefahr für ihre Hohheit darstellt…Wissen ist Macht…was wir hier machen ist Wissen zu sozialisieren. Das ist ein genuin revolutionärer Akt

  6. Ich finde es sehr gut, dass sich Aktivitäten wie diese ausbreiten und endlich versucht wird, dem Volk eine breite Basis zu bieten, wie es zu Meinungsbildung und Konsens in politischen Fragen kommen kann. Ich denke El Florian hat damit recht, wenn er sagt, dass der Macht der Herrschenden damit schon die Spitze genommen wird, wenn sich eine Vernetzung wie diese ausbreitet und verfestigt: Ich dachte vor Jahren auch schon einmal so etwas: Warum können wir das nicht auch, was die 256 der Reichsten der Welt bereits tun: Miteinander über Funk und Internet in Verbindung treten, um sich zu vernetzen und über Ziele klar zu werden. Danke für Euer Engagement! Weiter so!

  7. Ich sehe bei der Asamblea die typischen Gefahren der Fraktionsbildung. Es kann irgendwann zu einem Punkt kommen, wo eine Sichtweise durchgesetzt wird – das hat immer das Potenzial, die Gruppe zu sprengen bzw. zu spalten. Da gibt es wirksame Tools, die damit umgehen können. Sie finden zwar nicht die besten Lösungen (wie z.B. gruppenbing!), ermöglichen aber einen Konsens und bewirken ein Denken, das die Akzeptanz der Gruppe statt das eigene Interesse im Blick hat. Ich empfehle da gerne das systemische Konsensieren – da wird statt der Zustimmung die Ablehnung – also der Gruppenwiderstand gemessen. Es gibt sehr viele Informationen dazu – gesammelt unter: http://www.sk-prinzip.net – das kann sehr einfach angewendet werden.

    Sobald es entscheidungsfähige Strukturen gibt, Positionen entwickelt werden müssen und Verantwortung übernommen wird – stelle ich gerne ein weitaus effizienteres (aber auch aufwendigeres) Tool bereit, mit dem ganzheitliche Strategien und Maßnahmenpläne entwickelt werden können. Mit dem Tool (Infos unter http://www.gruppenbing.de) möchte ich gerne einen Beitrag leisten, den demokratischen Prozess auf einer breiteren Ebene zu stellen, der Wissen, Meinungen und Sichtweisen einbindet und nutzt, statt es auszugrenzen.

    Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung – meinen Kontakt findet ihr auf der gruppenbing-Seite bzw. wenn Ihr gruppenbing bei facebook sucht.

  8. Ich hatte die Gelegenheit, Alexander und sein Werkzeug gruppenbing auf einer Zugfahrt kennenzulernen und bin überzeugt, dass es richtig gut ist. Siehe dazu auch meinen Kommentar: http://www.saperionblog.com/lang/de/bpm-mit-gruppenbing-effizient-entscheidungen-in-grosen-gruppen-kommen-und-alle-stehen-dahinter/5074

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